Kontakt zu den Eltern halten

Gut kommunizieren im pädagogischen Alltag
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Jedem Kind zuhören, es ernst nehmen und angemessen reagieren – das gehört zu den wichtigsten Regeln für den Kinderschutz. Im Alltag vieler Ganztagseinrichtungen klappt das nicht immer. Zum einen ist oft das Personal knapp: Eine Fachkraft betreut vielerorts mehr als 20 Kinder. Für aufmerksame Gespräche mit jedem der Mädchen und Jungen fehlt da häufig die Zeit. Andererseits ist für das Zuhören trotz aller strukturellen Zwänge auch die innere Einstellung der Erzieherinnen und Erzieher zum Thema wichtig.
Will die Einrichtung ein wirkungsvoller Schutzraum für ihre Kinder sein, muss dort die entsprechend vertrauensvolle Atmosphäre herrschen. Die Schülerinnen und Schüler müssen spüren, dass die Fachkräfte bereit sind, sich solcher Probleme anzunehmen. Im Team muss die Bereitschaft herrschen, bei Anzeichen einer Gefährdung auch zu reagieren. Ganztagsschulen bieten dafür eigentlich gute Chancen, denn hier verbringen die Schülerinnen und Schüler den größten Teil ihres Tages. Die Lehrkräfte erleben im Unterricht andere Facetten der Kinder als die Fachkräfte in der Betreuung. Das birgt mehr Möglichkeiten zum frühen Erkennen von Gefahren als in der Halbtagsschule. Voraussetzung ist, dass Lehr- und Betreuungskräfte gut zusammenarbeiten und sich regelmäßig austauschen. An vielen Ganztagsschulen ist das leider noch immer keine Selbstverständlichkeit.
Hinzu kommt, dass mancherorts Grundschulen nur sehr sporadisch Kontakt zu den Eltern pflegen. In der ersten Klasse bringen und holen diese ihre Kinder häufig noch ab. Aber je älter die Kinder werden, desto schwieriger wird es für die Fachkräfte, etwas über die Zustände in den Familien zu erfahren. Überforderungen oder andere Schwierigkeiten der Eltern bleiben der Schule damit verborgen, Unterstützung wird nicht angeboten. Wenn aber beispielsweise die Erwachsenen in einer Familie – aus welchem Grund auch immer – an der Bewältigung ihres Alltags scheitern, steigt für deren Kinder das Risiko, vernachlässigt zu werden. In anderen Fällen erfährt die Schule nichts von Suchtproblemen eines Elternteils oder einem auf Kosten der Kinder ausgetragenen Trennungsstreit. Häufig vergeht auch zu viel Zeit, bis Lehr- oder Fachkräfte nach ersten Anzeichen für ein solches Problem Kontakt mit den Eltern aufnehmen. Die Kinder- und Jugendhilfe hat aber nicht nur einen Schutz-, sondern auch einen Hilfsauftrag. Niedrigschwellige Angebote an die Eltern können Abhilfe schaffen: Eine Erziehungsberatung an der Schule etwa oder ein Elterncafé, in dem Mütter und Väter mit Fachkräften in Kontakt kommen könnten. In den meisten Bundesländern existieren mittlerweile Familienzentren, die oft an Kindertagesstätten angesiedelt sind. Sie könnten ein Vorbild für kurze Wege sein.
Speziell beim Thema sexueller Missbrauch bestehen zudem in den Vorstellungen mancher Pädagogen und Pädagoginnen blinde Flecken. So werden Jungs als Opfer oft nicht in Betracht gezogen, obwohl auch sie zu einem großen Teil betroffen sind. Dazu kommt, dass dieser Bereich noch immer mit Tabus belegt ist – sei es aus persönlicher Scham oder auch aus biografischen Gründen. Es ist aber eine Grundvoraussetzung für den Kinderschutz, dass die Fachkräfte für die unterschiedlichen Gefährdungen aus dem Elternhaus sensibilisiert sind.
Um diesen Aufgaben gerecht werden zu können, benötigen die Betreuungseinrichtungen mehr Personal. Der so gut wie überall herrschende Personalschlüssel, der eine Fachkraft für mehr als 20 Kinder vorsieht, ist ohnehin eine Schande für ein wohlhabendes Land wie Deutschland.  

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