Kommunikation unter KindernWenn die Kleinen große Reden schwingen

Kommunikation zwischen Kindern findet schon sehr früh statt. Eltern sollten wissen, wie die Kommunikation mit Kindern gelingt, damit Kommunikationsprobleme früh erkannt und behoben werden können. Dazu gibt es ein paar einfache Regeln...

Kommunikation unter Kindern: Wenn die Kleinen große Reden schwingen
© Alina Solovyova-Vincent - istockphoto.com

Zwei Kinder streiten sich heftig und versöhnen sich kurze Zeit später wieder, im Kindergarten wird lebhaft über eine Geschichte diskutiert und zwei Freundinnen tuscheln ausgiebig miteinander. Bei all diesen Interaktionen geht es um hochkomplizierte Kommunikationsstrukturen, die Kinder ohne spezielle Schulungen während ihrer Entwicklung spielerisch erlernen. Was passiert dabei?

Kommunikative Möglichkeiten von Kindern erweitern sich

Schon der Säugling begreift schnell, dass er durch Töne, Laute und Verhaltensweisen mit seiner Umwelt kommunizieren kann. Dabei stehen er und seine Bedürfnisse noch im Mittelpunkt. Die Verständigung durch Gebärden und die sogenannte Babysprache wird ab circa anderthalb bis zwei Jahren nach und nach durch die normale Lautsprache abgelöst. Jetzt erweitern sich die kommunikativen Möglichkeiten und Kinder lernen nicht nur ihre eigene, sondern auch andere Sichtweisen anzunehmen. Im dritten Lebensjahr erweitern sich Wortschatz und Sprachvermögen enorm. Dabei ist es faszinierend zu verfolgen, in welch atemberaubendem Tempo ein Kind Tag für Tag neue Wörter lernt und voller Freude im Kontakt mit anderen anwendet. Parallel dazu entwickeln die meisten Kinder nun ein Vorstellungsvermögen, das es ihnen erlaubt so zu tun als ob, und Dinge nach ihrer Vorstellung zu nutzen. Der erweiterte Sprachschatz und das Symbolspiel sind wichtige Grundvoraussetzungen für die Entwicklung des Zusammenspiels mit anderen Kindern. In Rollenspielen tun sie so, als würden sie aus einer Tasse trinken, als könnten sie Auto fahren, oder als seien sie jemand anders.

Die Entwicklung eigenständigen Denkens

Dabei ändert sich die Selbstwahrnehmung, und ein Kind lernt erstmals das Wort "ich" sinngemäß zu gebrauchen. Das lässt den Rückschluss zu, dass ein Kind sich und seine Gefühle nun als individuell und einzigartig wahrnimmt. Es grenzt sich damit von anderen Menschen ab, entwickelt eigenständiges Denken, beginnt sich offensichtlich zu erinnern und kann die Folgen seiner Handlungen immer besser einschätzen. Es wird nun möglich, auf die Gefühle, Wünsche und Anforderungen anderer Kinder einzugehen oder sie bewusst abzulehnen. Erste gezielte Kontakte und Zuneigungen entstehen . Genauso werden jedoch auch Antipathien ausgebildet. Durch die sich ständig erweiternde Sprachfähigkeit werden bald Diskussionen möglich, und Konflikte müssen nicht mehr ausschließlich auf der körperlichen Ebene gelöst werden.

Das Spielen mit anderen Kindern ist wichtig

Je häufiger Kinder die Gelegenheit haben miteinander zu spielen, entweder angeleitet im Kindergarten oder im freien Spiel zu Hause, desto mehr entwickelt sich ihre Kommunikationsfähigkeit. Eine Vielfalt sozialer Fähigkeiten werden dabei erworben: Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft, das Ertragen von Enttäuschungen und das Verständnis für andere. Im Spiel gelingt es Kindern mühelos Kontakt miteinander aufzunehmen, und je häufiger sie dies in Rollenspielen oder Regelspielen tun, desto besser lernen sie auch komplizierte gemeinsame Situationen zu bewältigen. Dabei spielen sie in der Regel erst einmal nebeneinander (jedes Kind baut seinen eigenen Turm aus Bausteinen), bevor sie sich an das gemeinsame Spiel wagen und den Turm zusammen errichten. Bereits im Vorschulalter können sich intensive Freundschaften entwickeln, zum Beispiel wenn zwei Kinder häufig miteinander spielen, sich gut verstehen und gegenseitiges Vertrauen entwickeln.

Daher sollten Eltern ihren Kindern schon früh den Kontakt zu anderen ermöglichen, damit die letztlich so komplizierte Kommunikationsfähigkeit bereits zeitig trainiert werden kann. Dabei dürfen die Kinder weder zu stark reglementiert und kontrolliert, noch den Folgen des gemeinsamen Spieles ohne Unterstützung ausgeliefert werden. In Krisensituationen müssen Eltern helfend eingreifen, denn das Zusammenspiel mit Gleichaltrigen muss ja erst Schritt für Schritt erlernt werden. Je älter die Kinder dann werden, desto öfter kann man ihnen zumuten ihre Konflikte allein zu lösen. Im Notfall müssen Eltern ihre Kinder jedoch noch eine ganze Zeit lang unterstützen.

Ermutigung durch engagierte Eltern

Bei der Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit spielen die Bezugspersonen der Kinder eine zentrale Rolle, denn die Erfahrungen der ersten Lebensjahre sind prägend und haben Vorbildcharakter. Eine vertrauensvolle Eltern-Kind Beziehung, der regelmäßige Kontakt zu anderen Kindern aber auch Erwachsenen, sowie vielfältige Spiel- und Gesprächsanregungen in einem positiven Erziehungsklima ermutigen ein Kind in seinem Verhalten. So kann es seine Welt Schritt für Schritt entdecken und den Austausch mit anderen wagen. Ein gesundes Selbstbewusstsein hilft Rückschläge wegzustecken und die sich langsam entwickelnde Fähigkeit zur Empathie, also die Fähigkeit sich in andere Menschen hinein zu versetzen, ist eine wichtige Grundlage für stabile Freundschaften und eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit.

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