Synodaler WegWiener Waatschn

Wenzel Widenka
© Florian Nütten

Am thematisch vollen Samstag der abschließenden Synodalversammlung schienen die Statements der internationalen Beobachter ein willkommener Verschnaufpunkt zu sein. Zwischen den Texten zur Missbrauchsprävention und der – schließlich verschobenen – Einrichtung synodaler Räte auf Diözesanebene meinten viele Delegierte, sich nun etwas zurücklehnen zu können. Schließlich war man sich der Unterstützung der Weltkirche sicher. Und so dauerte es etwas, bis jeder mitbekam, was Raphaela Pallin im Auftrag der Österreichischen Bischofskonferenz zu sagen hatte. Und das hatte es in sich.

Denn Pallin zeigte sich irritiert darüber, dass die Verbindung der Weltkirche ihrer Wahrnehmung nach nur aus Worten bestand und Anregungen aus dieser kaum aufgegriffen würden. Interventionen aus Rom hätten die Deutschen entweder einfach ignoriert, oder umgedeutet, wie es ihnen passte. Zwar wäre diesmal die Atmosphäre insgesamt ruhiger gewesen, aber noch immer habe sie den Eindruck, es herrsche ein großer, politischer Druck auf der Versammlung. Nichtannahme eines Textes werde als „Scheitern“ aufgefasst, um einzelne Worte gnadenlos gerungen, die mediale Verurteilung groß. Ihr ernüchterndes Fazit: Wenn der Synodale Weg nicht „in Liebe zur Einmütigkeit“ komme, sei er „bedeutungslos“, denn: „Streiten können wir allein.“ Reform und Erneuerung entstünden nicht allein aus Diskussion, sondern aus persönlicher Erneuerung.

Die Wiener Waatschn saß, auch wenn sie schnell wegapplaudiert wurde. Denn sie zeigte, dass im so nahen Österreich der Eindruck, die deutsche Kirche kreise in ihrem Reformprozess nur um sich selbst, nicht zufriedenstellend widerlegt werden konnte. „Kirchenpolitische Kampfabstimmungen“ (Zitat Pallin) hatte es während der fünf Sitzungen immer wieder gegeben und manch ein Delegierter konnte die reine Freude am Spiel mit Spitzfindigkeiten der Geschäftsordnung kaum verhehlen. Am Ende stehen erwartungsgemäß Kompromisse, die den begeisterten Worten des Präsidiums während der abschließenden Presskonferenz kaum gerecht werden. Und hier berührt Pallin einen wunden Punkt: War die gewählte Form eines gremienimitierenden Kirchenparlaments der Bedeutung und Tragweite der verhandelten Themen angemessen? Aus deutscher Perspektive mag das so gewesen sein. Dass die Weltkirche, mit der man sich so gern in Eintracht sieht, hier einige kritische und grundsätzliche Anmerkungen hatte, sollte aber weder ignoriert, noch weginterpretiert werden.

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