In Padberg

"Was wären viele Ortschaften ohne ihre Gotteshäuser?", fragt sich CIG-Autor Christian Heidrich in Padberg zwischen der "alten" Kirche, dem "neuen" Dom und der einzigen noch erhaltenen Fachwerk-Synagoge Nordrhein-Westfalens.

in Padberg
© Christian Heidrich

Auf dem bestens ausgeschilderten, ruhigen Waldweg - die Anzahl der Wanderer und der umherschweifenden Rehe hält sich wohl die Waage - wandere ich entlang der Diemel nach Marsberg. Unterwegs in Padberg eine Reihe von Überraschungen. Von weitem schon der gelbe „Padberger Dom“, eine neobarocke Kirche, deren äußere Gestalt mir nicht ganz unbekannt vorkommt. In der Tat erfahre ich bald, dass die Bauherren Anfang des 20. Jahrhunderts ihr Maß am Dom von Fulda genommen haben.

Das Herz der Padberger aber scheint immer noch an der „alten“ Kirche zu hängen, einer Wehrkirche aus dem 11. Jahrhundert, die den Bauherren der „neuen“ zu klein schien. Ich solle es ja nicht versäumen, die alte Petruskirche oberhalb zu besuchen, höre ich von allen Seiten. Und dann die Synagoge, die einzig noch erhaltene Fachwerksynagoge Nordrhein-Westfalens - heute ein Denkmal. Etwa 300 Jahre ist sie alt, wunderschön anzusehen. Die Greuel des Nationalsozialismus überstand sie einigermaßen schadlos, weil sie in jenen Jahren schon aufgegeben war und als Werkstatt diente. Der Heimatpfleger, der mir die Synagoge aufschließt, ist mit Herz dabei und erwähnt auch die Schwierigkeiten, die mit der Lage „auf einem Privatgrundstück“ praktisch bis heute anhalten. So schaffte es die kleine Synagoge auch in die Spalten überregionaler Zeitungen. Er aber lasse sich nicht beirren.

Das also war und ist Padberg, das Dorf mit einer fast städtischen Vergangenheit, und einmal mehr frage ich mich: Was wären viele Ortschaften, viele Altstädte ohne ihre Gotteshäuser?

In der „Westfalenpost“ und wohl nicht nur dort wird schon seit Tagen die Frage erörtert, ob „ein Moslem“ Schützenkönig werden könne. Auch an dieser wahrlich nebensächlichen Frage lässt sich erahnen, dass sich das alte, traditionsdurchtränkte christliche Abendland in einem Umbruch befindet. Ausgang ungewiss. In einem Marsberger Pfarrbrief entdecke ich, passend dazu, eine Gratulation. Der Schützenkönig von Erlinghausen erwählte seine Frau Katrin zur Königin. So darf die Gemeindereferentin des Pastoralverbundes Marsberg-Süd jetzt auch Königin sein.

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