Heft 3/2014Gott fehlt

Inhalt

Vor zwei Jahren meldete sich Martin Walser überraschend zu Wort und griff die Frage auf, wie ein Mensch „gerechtfertigt“ sein könne. Diese ein wenig in die protestantische Theologie verdrängte Frage hob der Schriftsteller auf die Agenda einer auch von katholischen Theologen intensiv geführten Diskussion. Gerechtfertigt zu sein, so Martin Walser, sei einmal das Wichtigste gewesen. Heute würde existentielle Rechtfertigung ersetzt durch Rechthaben. Dass dies im kulturellen Denken des dritten Jahrtausends vielen Menschen scheinbar genügt, nennt Walser eine Verarmung. Um deutlich zu machen, was uns abhandengekommen ist, reflektiert Walser den Rechtfertigungsgedanken u.a. bei Kafka, Augustinus, Luther, Calvin, Max Weber, Nietzsche und Karl Barth. Und er entlavt, dass zeitgenössische Strategien der Selbstrechtfertigung durch Arbeit, Bildung, Kultur, wirtschaftlichen Erfolg zu kurz greifen: Es fehlt etwas, wenn Gott fehlt. Die Autoren des Schwerpunktthemas knüpfen an die von Walser eröffnete Diskussion an und zeigen auf, was einer gottlosen Gesellschaft tatsächlich fehlt. 

In der Rubrik „Im Blick“ blickt Richard Hartmann, u.a. Vorsitzender der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologinnen und -theologen, auf das erste Jahr im Pontifikat von Papst Franziskus und skizziert die pastoralen Impulse des Papstes, der mit seinen Worten, Zeichen und Taten Wege aufzeigt, die Kirche zu verändern.