Heft 10/2010Pastoral der Zeugung

Inhalt

Wenn heute von einer Kirchenkrise die Rede ist, so ist dieser Ausdruck trügerisch. Letztlich ist nicht die Kirche an sich, sondern eine ganz bestimmte Sozialform der Kirche in die Krise geraten. Diese Sozialform hatte sich im 19. Jahrhundert herausgebildet, konnte lange Zeit mit einer weitreichenden gesellschaftlichen Akzeptanz rechnen und schien über viele Jahrzehnte hinweg zwar ein wenig traditionell, aber zugleich so wunderbar stabil. 

Diese Form des Kircheseins ist zu Beginn des dritten Jahrtausends endgültig überholt. Doch damit sind natürlich weder der christliche Glaube noch die Kirche am Ende. Die Kirche steht in Deutschland heute vor der - zugegebenermaßen gewaltigen - Herausforderung, ihrer pastoralen Praxis und ihren pastoralen Strukturen ein neues Gesicht zu geben. Angesichts dieser Aufgabe sind überall Suchbewegungen entstanden, die zeigen, wie unterschiedlich die Pastoral gestaltet werden kann. 

Auf einen Ansatz, der in Frankreich beheimatet ist, weisen die Autoren der Schwerpunktbeiträge in diesem Heft hin. Die „Pastoral der Zeugung" ist ein ermutigender Ansatz, der zeigt, wie wohltuend es ist, wenn die Kirche darauf vertraut, immer „im Werden" zu sein. Auch in der Rubrik „Im Blick" gehen die Beiträge der Frage nach, welche Prozesse eine zukunftsfähige Kirche fördern.