Hermann MuckermannEin Akteur im Spannungsfeld von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik

Zusammenfassung / Abstract

Hermann Muckermann (1877-1962) war ein "Weißer Rabe" (Niels C. Lösch) auf dem Gebiet der Eugenik. Der Jesuit und Priester, der Philosophie und Theologie, aber auch Mathematik, Naturwissenschaften und Biologie studiert hatte, begann 1916 sich mit Fragen der Eugenik zu befassen und wurde zum wichtigsten Vertreter des "katholischen Flügels". Muckermann veröffentlichte und referierte ausführlich in der Weimarer Republik. Elegant, kultiviert und eloquent - alles andere als das Klischee eines Jesuitenpriesters -, stieg er in den 1920er Jahren zu einer Art Medienberühmtheit auf und trug mehr als jeder andere zur Verbreitung der eugenischen Theorie in der Öffentlichkeit auf, und zwar nicht nur in der katholischen Öffentlichkeit. In der Gründungsphase des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik 1926/27 spielte er eine wichtige Rolle, unterstützt von einflussreichen Politikern der Katholischen Zentrumspartei. Während Muckermann am Ende der Weimarer Republik eine einzigartige Position zwischen Naturwissenschaft, Öffentlichkeit, Politik und katholischer Kirche einnahm, musste er 1933 seine Stelle am Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie aufgeben. Er versuchte weiterhin, als wissenschaftlicher Berater des deutschen Episkopats politischen Einfluss auszuüben. Weil er jedoch die Nazi-Politik der genetischen Gesundheit und der Rassenhygiene nicht offen kritisierte, wurde er zunehmend marginalisiert; nach 1937 beschränkten sich seine Aktivitäten auf private Studien. In diesem Papier wird die Rolle Muckermanns kritisch bewertet, ausgehend von der Annahme, dass die Umsetzung einer eugenisch orientierten genetischen Gesundheitspolitik einerseits die wissenschaftliche Expertise erfordert, andererseits den entscheidenden Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen an die Öffentlichkeit. 

Hermann Muckermann (1877–1962) was a “white raven” (Niels C. Lösch) in the field of eugenics. The Jesuit and ordained priest, who had studied philosophy and theology, but also mathematics, natural sciences and biology, began to concern himself with eugenics issues in 1916, becoming the most important representative of its “Catholic wing”. Muckermann published and lectured extensively in the Weimar Republic. Elegant, sophisticated and eloquent – anything but the stereotype of a Jesuit priest, he rose to a sort of media stardom in the 1920s, contributing more than any other to the propagation of eugenic theory in the public, and not only its Catholic element. He played an important role in the founding phase of the Kaiser Wilhelm Institute for Anthropology, Human Heredity and Eugenics in 1926/27, supported by influential politicians from the Catholic Centre Party. While Muckermann occupied a unique position between science, the public, politics, and the Catholic Church at the end of the Weimar Republic, in 1933 he was forced to leave his position at the Kaiser Wilhelm Institute for Anthropology. He continued to attempt to exert political influence as scientific advisor to the German Episcopate. Yet because he did not express any open critique of the Nazi policies of genetic health and racial hygiene, he was increasingly marginalized; after 1937 his activities were restricted to independent scholarship. This paper critically evaluates the role of Hermann Muckermann, proceeding from the assumption that the implementation of a eugenically oriented genetic health policy required scientific advising, on the one hand, and on the other, the crucially important transfer of scientific knowledge to the public.

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