Was mir wichtig ist

Was mir wichtig ist, ist mir erst mit der Zeit wichtig geworden.
Was mir wichtig war, ist mir mit der Zeit unwichtig geworden.
Was mir unwichtig war, ist mir mit der Zeit wichtig geworden.

Daraus lerne ich:
Nicht ich bin das Maß der Dinge.
Auch meine Kirche nicht.

Es ist die Zeit, die Gott mir schenkt. Mit ihr schenkt er mir überraschend neue Prioritäten. Macht Hügel plan und Ebenen zu Bergen. Macht gemächliche Flüsse zu reißenden Strömen und trocknet Teiche aus. Lässt Beziehungen vergehen und konzentriert mich auf die Mitte.

Damit zeitlebens umzugehen,
die Kompassnadel neu auszurichten, manches ungelesen wegzuwerfen und anderes doppelt ernst zu nehmen;
den AB nicht „gegen“ Anrufe einzuschalten und nicht jeden Brief der Kirchenleitung ungelesen in den Papierkorb zu werfen;
die Gebetszeiten auszudehnen - und Schweigen einzu­fügen;
die Gesten herzlicher zu gestalten und die Lieder gemeindefreundlicher;
die Gedanken anderer nicht erst auf dem Heimweg ernst zu nehmen und auf die großen Gefühle an Weihnachten und Erntedank zu verzichten, dafür noch ernsthafter mich auf die Predigt vorzubereiten;
die eigene Familie zu schätzen und andere Familien nicht zu bevorzugen;
Liebe nicht nur zu predigen;
„Harmonie“ ausschließlich musikalisch zu werten;
Vereine Vereine sein zu lassen; ach, Mensch …
… das ist unser „Job“.

Wer sind wir Pfarrerinnen und Pfarrer, wir Prädikantinnen und Prädikanten?
Stimme eines Predigers/einer Predigerin in der Wüste?
Unnütze Dienerinnen und Diener?
Statuen, wie die Pfingstochsen, die man hochhebt
und - bei Bedarf fallen lässt?
Wachsgebilde in den Händen der Leitungen und Gremien?
Süchtig nach Zuneigung und angstbesetzt bei Kritik?
Wohlfühlbeamtinnen und Pensionsanwärter?
Kratzbürsten oder Kuscheltiere?
Zeugen eines Gottessohnes oder Wiederkäuer ermüdeter Ideen?
Stolpersteine oder rote Teppiche?

Er sagt: Ich tue meinen Dienst.
Sie sagt: Sie sprechen mit dem automatischen …
Sie sagt: Hinterlassen Sie gerne eine Nachricht nach …
Er sagt: Steht doch in der Zeitung.
Er sagt: Die Vertretung übernimmt …
Sie sagt: Sie erreichen mich dienstags ab 11.00 Uhr …

Was mir wichtig ist?
Dass wir uns nicht davonmachen.
Dass wir bleiben.
Dass wir aushalten.
Und dass wir beten lernen.

Einem geschätzten Kollegen, Autor der Pastoralblätter, habe ich geschrieben:
„Ob ich ein Gläubiger oder gar ein ,Zeuge‘ bin, wie man mir gelegentlich nachsagt, das weiß ich nicht. Aber ich bin ein Beter.“
Wer betet, macht sich nicht davon …

Kirchenrat Pfarrer Dr. Heinz Janssen hat mir in dieser Ausgabe einen seiner wichtigen Beiträge für die PASTORALBLÄTTER (Predigt im Gespräch: „Anrichten, auftragen und die Schüssel vor die Gäste setzen“) gewidmet und damit meinen 70. Geburtstag veröffentlicht. Mein Alter war bis dato wohl kein Geheimnis, aber doch nur wenigen bekannt.

Nun bin ich also 70.
Ich hoffe, das führt nicht zu Abo-Abbestellungen.
Ich wünsche mir, dass auch die Jungen unsere Zeitschrift schätzen.
Und dass mir Gott noch einige Jahre die Leviten liest und die Faxen austreibt.
Wenn er auch noch Gras über meine Fehler wachsen lässt
und mir sein Evangelium „hinter die Ohren schreibt …
dann ist alles gut.
Denn - das ist mir wichtig - :
Ich möchte nicht im eigenen Saft schmoren …
Echt.

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