Der Monatsspruch im August 2009

Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
4. Mose 6,24-26

So und nicht anders möchte ich gesegnet werden.

Kein Jota soll weggenommen, kein Wort geändert, kein Halbsatz mit Erklärungen versehen werden.

Mir sind Gottesdienste „verdorben", die beginnen „Im Namen des Vaters, der …., im Namen des Sohnes, der …, und im Namen des Geistes, der ….".

Sie enden dann in der Regel auch mit Relativsätzen. Oder noch schlimmer, mit einer Kurzpredigt.

Ich bin eh kein Freund von Relativsätzen. Sie ziehen die Sache in die Länge, schränken das Gesprochene ein. Sie werden leicht „konditional", knüpfen Bedingungen an das Gesprochene. Manchmal sind sie nötig: Gott, der uns aus Ägypten geführt …, Christus, der uns erlöst hat. Aber nicht beim Votum, nicht beim Segen. Wenn noch eine „Sendung" sein soll - das macht ja durchaus Sinn -, dann vorher; daran anschließend der aarontische Segen.

Fulbert Steffensky hat das für mich ganz überzeugend, „sympathisch" in seinem „Haus, das die Träume verwaltet" (Würzburg 1998) so ausgedrückt:

„Der Verzicht auf mich selber beim Segen hat eine liturgische Konsequenz: Ich will eine Segensformel und einen Segensgestus, die mir meine Passivität lassen. Ich möchte mich fallen lassen in die Bilder. Ich möchte mich einschmiegen in die wiegende Bewegung der Formel. Ich möchte also nicht gespannt und aufmerksam sein, ich möchte nicht denken, nicht an dieser Stelle. Ich brauche einen Gestus und ein Wort, das ich kenne; das sich schon oft wiederholt hat, mit dem ich meine Erfahrung habe und das mir nicht die Mühe der Bewusstheit abverlangt. Ich brauche einen pathischen Raum; also einen Raum, in dem ich empfangen, annehmen und versinken kann. Ich will also keinen originellen Segen, keinen theologisch ausgefeilten, keinen ästhetisch ziselierten. Es fällt uns im Augenblick und in dieser Zeit schwer, nicht originell zu sein. Es gibt eine kapitalistische Anthropologie, die uns auch beim Beten verbietet, anders zu sein als einzigartig. Im Segen aber will ich gerade nicht Ich sein, ich will gerade nicht authentisch und originell sein. In diesen Zeiten, in denen der Wechsel die Rechtfertigung in sich selber zu tragen scheint, wechselt auch die Gestalt des Segens sehr oft. Der Markt ist voll von neuen Segensformeln. Ich habe theologisch nichts gegen sie, aber ich will sie nicht. Sie fordern mir zu viel Aufmerksamkeit und Kritik ab. Es genügt, wenn ich bei der Predigt aufmerksam und kritisch bin. Ich will nicht auch noch beim Segen kontrollieren, was gesagt wird. Der Segen ist die Stelle, an der ich das Recht habe, von mir abzusehen, von mir wegzusehen, auch von meiner Bewusstheit und von meiner Kritik."
(S. 29f)
Der Segen ist kein „Text". Der Segen ist eine Geschichte, ist Berührung, ist Glanz auf dem Gesicht und Stütze unter den Armen; ist Aufrichtung und Ermutigung; ist Lebensversicherung - Hausrat, Unfall, Haftpflicht etc. inklusive. Segen ist pures Leben. Segen ist kein „Text".

Segen ist von einer anderen Kategorie als die Predigt oder eine Sendung. Votum und Segen habe nicht ich zu verantworten, sondern Gott selbst. Für den stehe nicht ich. Für den steht Jesus Christus. Der Rest mag meines sein als Pfarrer: die Gebete, die Predigt, die Auswahl der Lieder und die Mitteilungen für die nächste Woche.

So und nicht anders möchte ich gesegnet werden. Am Anfang, in der Mitte und am Ende: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Ich will den Segen Gottes nicht nur zugesprochen bekommen oder gar auf einem Zettel zum häuslichen Gebrauch - mit Kleingedrucktem - mitgereicht. Ich will diesen Segen spüren in meiner Seele, ich will sein Leuchten spüren auf meinem Gesicht und ich will auch die Umfriedung spüren. Jetzt. Im Gottesdienst.
Unwiderruflich.

Der derzeitige Noch-Bahnchef Mehdorn sagte mir einmal heftig (das kann er) und kritisch (das kann er auch) in unserem Pfarrgarten (damals noch als Chef der Heidelberger Druckmaschinen), dass er überhaupt nichts von Umfriedungen um den Garten hält.

Mir war diese Umfriedung wichtig. Er argumentierte mit der Weite seiner amerikanischen Erfahrungen. Ich kam kleinkariert, kleinbürgerlich und spießig daher. Ja, ich möchte die „Umfriedung" hören, spüren, erleben.
Ich möchte ganz einfach gesegnet werden, behütet sein, ins Licht gestellt, begnadigt und umfriedet.

Da soll jemand, der „die Lizenz zum Segnen hat", mir den Segen zusprechen. Ohne Punkt und Komma. Und dieser Segen hat dann eine Weite, die alles amerikanische „dont fence in" und alle meine Kleinkariertheit sprengt. Für immer und ewig. Für uns alle. Für Hartmut Mehdorn - und für mich.

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