Nein sagen und Grenzen setzen

In vielen Situationen ist es zunächst einfacher „Ja“ zu sagen, um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Doch langfristig setzen wir uns so unter Druck und schüren neue Konflikte. Lernen Sie, wie Sie erfolgreich und entschieden Grenzen setzen.

Nein sagen
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Keine Frage: Hilfsbereitschaft ist eine Tugend, die das Miteinander sehr erleichtern kann. Wer jedoch zu allen Anliegen „Ja“ sagt, übernimmt sich und verschluckt seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Um die eigenen Grenzen wertzuschätzen, muss man auch Nein sagen können.

Ein „Ja“ ist auf den ersten Blick wesentlicher leichter als ein „Nein“: Wir gehen einem Konflikt aus dem Weg und machen dem anderen eine Freude. Erfüllen wir die zusätzlichen Aufgaben, erhalten wir oft positives Feedback und soziale Anerkennung, die wiederum gut für unser Selbstbewusstsein sind und uns das Gefühl geben, dazuzugehören und für andere wertvoll zu sein.

Doch das ist nur die kurzfristige Sichtweise. Längerfristig laden wir uns zu viel auf, wenn wir zu jedem Ansinnen „Ja“ sagen: Wir geraten unter Druck, wollen die in uns gesetzten Erwartungen unbedingt erfüllen, damit der andere nicht enttäuscht oder sauer reagiert. Und wir ärgern uns über uns selbst und nehmen es unterschwellig auch dem anderen übel, uns in diese Lage gebracht zu haben.

Warum sagen wir Ja, wenn wir Nein meinen?

Die Mechanismen der inneren Nein-Sperre lassen sich durch folgende Fragestellungen herausfinden:

  • Welche Vorteile hat es für mich, ja zu sagen obwohl ich lieber abgelehnt hätte?
  • Welche Nachteile hatte es, ja statt nein gesagt zu haben?
  • Was wären die schlimmsten möglichen Folgen gewesen – und wie realistisch ist das, was ich befürchte?
  • Gab es schon einmal eine ähnliche Situation, in der ich nein gesagt habe – und was waren da die Folgen?
  • Was würde ich selbst von jemand anderem denken, der in so einer Situation nein sagt – hätte ich für ihn vielleicht mehr Verständnis als für mich selbst?

Keine Frage: Hilfsbereitschaft ist eine Tugend, die das Zusammenleben sehr erleichtern kann. Wer aber selbst viel zu tun hat, muss auch „Nein“ zu Anliegen anderer sagen können.

Nein sagen lernen

Nein sagen zu anderen, indem wir Ansprüche und Erwartungen zurückweisen, bedeutet oft ein „Ja“ zu uns selbst. Es meint, unseren Wünschen und Bedürfnissen und dem, was wir selbst für wichtig halten, in diesem Moment Priorität einzuräumen, zum Beispiel ungestört eine Aufgabe zu Ende zu führen, eine Pause einzulegen, sich einen Feierabend ohne Hausarbeit zu gönnen, Zeit mit Freunden zu verbringen – was auch immer gerade wichtig für uns ist.

Das automatische „Ja“ zu den Ansinnen anderer hingegen bewirkt, dass wir das Gefühl für uns selbst verlieren und dass wir infolge all der „verschluckten“ Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse in eine ungute Spirale geraten und wie auf einem Pulverfass sitzen. Um dies zu verhindern schlägt Sigrid Engelbrecht fünf Strategien vor:

5 Strategien, um Nein zu sagen

Strategie 1 : Das vertagte Nein

Gerade wenn wir uns häufig dabei ertappen, spontan etwas zuzusagen und uns erst hinterher bewusst wird, dass uns das eigentlich nicht passt, ist ein innerliches „Stopp!“ angesagt. Statt sofort zuzusagen, können wir um Bedenkzeit bitten und uns so etwas Zeit zum Nachdenken verschaffen.

Strategie 2: Das begründete Nein

Wenn wir schon in dem Augenblick wissen, in dem der andere uns fragt, dass wir sein Ansinnen unmöglich in unserem ohnehin schon vollen Arbeitstag unterbringen können, dann sollten wir ihm dies mitteilen – mit genau dieser Begründung. Wenn der Andere unser Nein nicht akzeptieren will, signalisieren wir Verständnis, bleiben aber fest. Wir lassen uns nicht überreden, denn dann gäben wir das Signal, dass man mit ein bisschen Druck bei uns fündig wird.

Strategie 3: Das grundsätzliche Nein

Ein „Nein“, das erstaunlich rasch akzeptiert wird. Es wirkt wie ein Bollwerk. Menschen kommen mit einer Absage leichter klar, wenn sie wissen, dass es nicht sie als Person betrifft, sondern dass es sich um ein Prinzip handelt.

Strategie 4: Der Tauschhandel

Der Tauschhandel basiert auf der simplen Rechnung: Wenn etwas dazukommt, muss an einer anderen Stelle eine Entlastung stattfinden. Denn Zeit können wir nur einmal ausgeben. Wir erklären uns also mit dem Anliegen des anderen einverstanden, stellen aber eine Bedingung: „Ja, ich übernehme das …wenn Sie mich dafür bei … entlasten.“ Wenn der andere nun seinerseits „Ja“ sagt, funktioniert der Deal. Erklärt er sich nicht bereit, haben wir selbst einen guten Grund, das Ansinnen abzulehnen.

Strategie 5: Nein zu sich selbst

Ein freundliches „Nein" zu sich selbst ist dann angebracht, wenn wir bemerken, dass wir, obwohl bereist ausgelastet, im Begriff sind, uns noch mehr aufzuladen. Dann sagen wir innerlich zu uns: „Nein! Priorität hat jetzt xy. Alles andere ist zu viel.“ Mit dem Nein zu uns selbst drücken wir die Wertschätzung unserer eigenen Grenzen aus.

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