Entwicklungsgespräche dienen dem regelmäßigen Austausch zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern, etwa ein bis zwei Mal im Jahr. Ressourcen und ggf. Förderbedarf des Kindes stehen dabei im Vordergrund. Die Gespräche sollen eine optimale Förderung und Begleitung des Kindes gewährleisten. Sie verlaufen jedoch oft nach dem gleichen Schema: Zunächst berichten die Fachkräfte über die Fortschritte des Kindes, dann erzählen die Eltern, wie sie ihr Kind zu Hause üblicherweise erleben. Zum Schluss werden wichtige Ergebnisse und Vereinbarungen schriftlich festgehalten. Während der gesamten Zeit sitzen die Beteiligten am Tisch. Ein solcher Austausch ist oft eher nüchtern oder eintönig. Mögliche Unsicherheiten oder Anspannungen von Eltern – etwa, wenn tatsächlich schwierige Themen im Raum stehen oder sie einfach aus ihrer Biografie heraus die Einladung zu einem Gespräch automatisch mit einem Problem verbinden – können verstärkt werden.
Lebendig und informativ
Schon wenige kreative Maßnahmen helfen, die Gespräche freundlich, abwechslungsreich und anschaulich zu gestalten. Im Folgenden finden Sie einige Anregungen.
Bild- und Tonmaterial einsetzen
Präsentieren Sie den Eltern bestimmte Inhalte möglichst anschaulich: Sie können bspw. die Beziehungen des Kindes in der Gruppe in einem Schaubild festhalten und so den Eltern auch einen Einblick in die Gruppenkonstellation insgesamt geben. Oder Sie bitten das Kind, ein Bild zu malen, z. B. zu folgender Fragestellung: Womit spielst du in der Kita gerne? Dieses Bild kann dann als Ausgangspunkt für das Elterngespräch dienen.
Alle Eltern empfinden es als wertschätzend und interessant, Fotos, kleine Filmsequenzen oder Tonaufnahmen ihres Kindes zu sehen bzw. zu hören. Es ist naheliegend, dafür das Portfolio zu nutzen, das pädagogische Fachkräfte i. d. R. über jedes Kind führen. Es enthält viele Fotos und Aufzeichnungen, mit denen Erlebnisse und Entwicklungsschritte des Kindes dokumentiert werden. Aber auch eine kleine „Diashow“ mit Schnappschüssen aus dem Betreuungsalltag vermittelt Eltern einen ersten Eindruck von der Zeit, die ihr Kind in der Einrichtung verbringt. Ein kurzer Film, der das Kind in einer bestimmten Bildungssituation zeigt, gibt Eltern einen besonders wertvollen Einblick in den Entwicklungsverlauf ihres Kindes. Nutzen Sie den Film doch gleichzeitig dafür, den Eltern zu zeigen, wie Kleinkinder sich die Welt aneignen, wie und wie viel sie im Alltag, aber auch in Spielsituationen lernen.
Tonaufnahmen wiederum sind ein hervorragendes Instrument, um den Fokus auf die Sprachentwicklung des Kindes zu lenken. Ein etwas älteres Kind könnte bspw. anhand von Bildern eine bekannte (!) Geschichte erzählen. Oder Sie nehmen ein Interview mit dem Kind auf bzw. halten dieses schriftlich fest: Wo fühlst du dich in der Kita wohl? Was macht dir Freude? Bei wem fühlst du dich wohl? Mit wem spielst du gerne? Egal ob Sie Kindergemälde, Gruppenschaubilder, Fotos, Ton- oder Filmaufnahmen zeigen oder vorspielen möchten – im Sinne eines respektvollen und partizipativen Umgangs mit den Kindern sollten Sie ihnen vorab immer sagen, dass Sie die Aufnahmen bzw. die Gemälde für ein Gespräch mit ihren Eltern nutzen möchten. In der Regel freuen sich die Kinder darüber. Wichtig ist auch, dass der Kita eine schriftliche Einverständniserklärung aller Eltern vorliegt, Film-, Foto- und Audiomaterial für interne Zwecke wie z. B. Entwicklungsgespräche verwenden zu dürfen. Denn während des Gruppengeschehens ist es oft nicht möglich, nur das Kind zu fotografieren oder zu filmen, um das es gehen wird.
Die Gesprächsführung abgeben
Indem Sie den Eltern zur Vorbereitung auf das Gespräch Fragen zum Kind mitgeben, brechen Sie das übliche Gesprächsmuster von „Frage der pädagogischen Fachkraft“ und „Antwort der Eltern“ auf. Die Eltern führen so einen Teil des Gesprächs selbst und gewinnen an Sicherheit. Bitten Sie sie, ggf. ein Lieblingsspielzeug oder Fotos von zu Hause mitzubringen. Das erleichtert den Einstieg. Diese Form des Gesprächs stellt das Kind mit seiner Familie mehr in den Mittelpunkt, dennoch können Sie eigene Gesichtspunkte einbringen, evtl. Lieblingsspielsachen des Kindes aus der Kita bzw. Kindertagespflege zeigen und Anregungen für zu Hause geben.
Den Ort wechseln
Statt am Tisch zu sitzen, können Sie mit den Eltern durch die Räume gehen und ihnen (Spiel-)Ecken zeigen, in denen sich ihr Kind gerne aufhält. Das kann auch das Außengelände sein. Ein solcher Rundgang setzt gedanklich neue Impulse und lockert die Stimmung auf.
Eine recht zeitaufwendige, aber durchaus gewinnbringende Idee: Führen Sie das Entwicklungsgespräch einmal im Rahmen eines Hausbesuches durch. Sie erfahren so noch mehr über das Kind und sein privates Umfeld. Gleichzeitig entlasten Sie manche Eltern, besonders Alleinerziehende, oder geben Elternpaaren die Möglichkeit, dass beide am Gespräch teilnehmen. Manche Eltern fühlen sich in ihrer vertrauten Umgebung sicherer und begrüßen diese Idee. Andere lehnen den Vorschlag vielleicht ab, dann hat es wenig Sinn, auf einem Gespräch im Zuhause des Kindes zu bestehen. Kreative und originelle Entwicklungsgespräche schaffen unbefangene und entspannte Situationen, die es Fachkräften und Eltern leichter machen, über wichtige Entwicklungsverläufe zu sprechen. Doch egal, welche oder wie viele der genannten Ideen Sie aufgreifen: Diese ergänzen wesentliche Gesprächsinhalte über die Entwicklungsbegleitung des Kindes, aber ersetzen sie nicht. Einer guten Vor- und Nachbereitung sowie einer Dokumentation des Gesprächs bedarf es in jedem Fall.
TIPP
Ein gastliches Setting ist das A und O
Mit einem wertschätzenden Rahmen, den Sie dem Gespräch geben, heißen Sie die Eltern herzlich willkommen. Sorgen Sie dafür, dass Sie ausreichend Zeit haben und im Besprechungsraum ungestört sind. Bieten Sie eine Tasse Kaffee und Wasser an, schmücken Sie den Tisch evtl. mit einem Blumenstrauß und legen Sie Schreibmaterialien bereit. Begrüßen Sie die Eltern freundlich und geben Sie ihnen etwas Zeit, um „anzukommen“.