Ökumenischer Gottesdienst

Ein Gottesdienst, der von Vertretern von zwei oder mehreren Konfessionen gemeinsam geleitet wird. Im deutschsprachigen Gebiet finden ökumenische Gottesdienste meistens mit Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirche statt. Sie sind ein Schritt hin zu dem Ziel, die Spaltung zwischen den Konfessionen zu überwinden und die Einheit der Christen wiederherzustellen. Da die evangelische Kirche nicht in voller Gemeinschaft mit Rom steht, ist eine gemeinsame Feier der Eucharistie derzeit noch ausgeschlossen. Wünschenswert sind dagegen gemeinsame Wortgottesdienste und Gebetsandachten. In ihnen kommt zum einen das gemeinsame Erbe zum Ausdruck, zum anderen lernen die Gläubigen die unterschiedlichen Traditionen kennen und erfahren diese als Bereicherung. Da für die katholischen Gläubigen am Sonntag die Teilnahme an einer Eucharistiefeier verpflichtend ist, sind ökumenische Gottesdienste zu den für die Eucharistiefeier üblichen Zeiten nicht erlaubt.

Ökumenische Gottesdienste sind besonders dann sinnvoll, wenn die erwarteten Teilnehmer verschiedenen Konfessionen angehören, z.B. Schüler einer öffentlichen Schule, wenn sie sich aus den weiteren ökumenischen Aktivitäten an einem Ort ergeben oder bei Katastrophen. Ökumenische Segensfeiern zur Einweihung einer öffentlichen Einrichtung sind ebenfalls angebracht. Seitens der Vertreter der katholischen Kirche sollte hier zurückhaltend mit von der evangelischen Kirche nicht anerkannten Zeichen umgegangen werden, vor allem dem Gebrauch von Weihrauch und Weihwasser.

Bei Trauungen von Ehepartnern verschiedener Konfessionen richtet sich der Ritus nach der Kirche, in deren Gotteshaus die Feier stattfindet. Wegen fehlender Kommuniongemeinschaft wird die Trauung in der Regel im Rahmen eines Wortgottesdienstes gefeiert. Eine ökumenische Tauffeier ist nicht möglich, da der Täufling durch die Taufe als Mitglied in eine konkret verfasste Kirche aufgenommen wird.

Irgendwo habe ich gehört, dass der Pfingstmontag ein sehr geeigneter Termin für einen ökumenischen Gottesdienst sei. Kann dafür die Eucharistiefeier an diesem Tag ausfallen?

Der Pfingstmontag bietet sich tatsächlich als Gelegenheit für einen ökumenischen Gottesdienst an. Das Festgeheimnis selbst - die Herabkunft des Heiligen Geistes als Abschluss der Ereignisse nach der Auferstehung Jesu - beschließt die Osterzeit am fünfzigsten Tag, am Pfingstsonntag. Da passt ein Aufgreifen des gleichen Gedankens am Tag darauf nicht recht. Wohl aber bietet es sich an, jetzt einen Aspekt in den Blick zu nehmen, der in der Zeit nach Pfingsten, also nach der Gründung der Kirche, ihr Gesicht tief geprägt und die Herzen der Gläubigen bewegt hat: der Verlust der Einheit.

Dazu kommt, dass in vielen Gemeinden in den Tagen vor Pfingsten die Gebetswoche für die Einheit gehalten wird. Da kann der Pfingstmontag einen würdigen Abschluss bilden und tut dies tatsächlich an vielen Orten, auch auf Stadt- oder Dekanatsebene.

Ein ökumenischer Gottesdienst ist an diesem Tag freilich nicht zur Zeit oder anstelle der üblichen Eucharistiefeier gestattet. Es gilt die allgemeine Regel, dass an gebotenen Feiertagen wie an Sonntagen solche Gottesdienste nicht in Konkurrenz zur Eucharistiefeier treten dürfen, zu deren Besuch die Gläubigen ja verpflichtet sind.

Eduard Nagel

Sind ökumenische Gottesdienste am Morgen des Pfingstmontags erlaubt?

Ja, allerdings ist dabei zu beachten, dass die katholischen Gläubigen in Deutschland auch an diesem Tag zum Messbesuch verpflichtet sind. Bis 1969 besaß das Pfingstfest genauso wie heute noch Weihnachten und Ostern, eine Oktav, also eine Nachfeier während der folgenden Wochentage. Im Zuge der Liturgiereform fiel diese Oktav weg und der Pfingstmontag verlor so seine liturgische Bedeutung. Er blieb aber vielerorts arbeitsfrei.

Das Missale Romanum stellte darum fest, dass dort, wo die Gläubigen am Montag und Dienstag „an der Messe teilzunehmen pflegen oder zur Teilnahme daran verpflichtet sind“, die Messe vom Pfingstsonntag wiederholt werden oder die Votivmesse vom Heiligen Geist verwendet werden könne. Das deutsche Messbuch erhielt zudem ein eigenes Formular für den Pfingstmontag. So blieb man in Deutschland beim Pfingstmontag als „gebotenem Feiertag“ und hielt am verpflichtenden Messbesuch fest.

Ökumenisch Engagierten erschien aber gerade der Pfingstmontag prädestiniert, zu einem „ökumenischen Feiertag“ zu werden. Doch in ihrer „Erklärung bezüglich ökumenischer Gottesdienste an Sonntagen“ definierten die deutschen Bischöfe 1994 ökumenische Gottesdienste an Vormittagen von Sonntagen und kirchlichen Feiertagen als Ausnahme. Die Eucharistiefeier dürfe an diesen Tagen nicht ausfallen. Die Mitfeier der Messe müsse für Katholiken gewährleistet sein. Erforderlich ist eine Genehmigung des Generalvikariats bzw. Ordinariats.

Benjamin Leven