Heft 9/2014Herausgeforderte Seelsorge

Inhalt

In diesem Monat vor 75 Jahren begann der nationalsozialistische Krieg, der mit äußerster Brutalität nach außen gegen andere Völker, nach innen gegen unerwünschte Personengruppen geführt wurde. Im Zentrum des „Kriegs nach innen“ standen Menschen mit Behinderungen, die als leistungsschwache Glieder im Rahmen der nationalsozialistischen „Mordaktion T4“ aus dem Volkskörper „ausgemerzt“ werden sollten. Es waren Vertreter der Katholischen Kirche wie der Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen oder der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Johannes Baptista Sproll, die ihre Stimme gegen die Ermordung von Menschen mit Behinderungen erhoben und damit wesentlich zur Beendigung der von den Nationalsozialisten euphemisch als „Euthanasie“ bezeichneten Mordaktion beitrugen. 

Der Blick zurück zeigt, in welche humanitären Katastrophen eine ungebremste Leistungsideologie führen kann. Gerade Christen sollten sensibel dafür bleiben, dass die menschliche Würde unabhängig vom individuellen Leistungsvermögen geachtet werden muss. Und dass gerade auch Menschen, die ihr Leben trotz einer offensichtlichen Einschränkung meistern, ein Vorbild für ein gelingendes Leben sein können. Das Schwerpunktthema des Anzeigersfür die Seelsorge geht in diesem Monat der Frage nach, inwiefern die Pastoral herausgefordert ist, gemeinsam mit Menschen, die durch ihre Behinderung in besonderer Weise vom Leben herausgefordert sind, spezifische Akzente zu entwickeln.