Heft 1/2008Professionalisierung

Inhalt

„Wir müssen noch professioneller wer­den." - So oder in ähnlicher Form er­klingt es oft in kirchlichen Kreisen. 

Es drängt sich der Eindruck auf, dass mit „Professionalität" nicht der ur­sprüngliche Wortsinn gemeint ist. Hin­ter dem ständigen Verweis auf den Be­griff der „Professionalität" steckt im Gegensatz zur ursprünglichen Wortbe­deutung eher eine Abgrenzung zum Be­griff „Stümperei". In Wirklichkeit soll gesagt werden: „Bei uns darf nicht ge­schlampt werden, hier muss ordentlich gearbeitet werden."

Aber kann das Ziel kirchlicher Pastoral tatsächlich „nur" in der Professionali­sierung liegen? Top-Leistungen bringen Christen - ganz im Gegenteil - doch eher durch eine Amateurhaftigkeit, die es glücklicherweise häufig gibt und die ebenso wie die Professionalität kulti­viert werden muss. Denn Amateure (lat. amare: lieben) machen etwas aus Leidenschaft. Wörtlich übersetzt aus Liebe. Und wo Menschen etwas aus dieser Motivation heraus im kirchlichen Dienst tun, legen sie sich ganz von selbst ins Zeug und geben ihr Bestes. Große Ziele werden nur dort erreicht, wo Menschen mit Leidenschaft tätig sind. Also als Amateure ans Werk ge­hen. Deshalb müssen Seelsorger bei al­ler Professionalität zunächst Amateure bleiben. Und immer wieder werden.