Proto-Sarada-Schriftstücke: Zeugnisse für das Leben im alten Indien

Um eine bisher kaum erforschte Periode der altindischen Geschichte dreht sich ein neues Projekt der Indologie: Es geht um die Zeit des Übergangs vom Buddhismus zum Hinduismus im Nordwesten von Indien.

Schriftrolle Indien
So sieht die altindische Proto-Sarada-Schrift aus, hier auf einem 14 Zentimeter breiten Stück Birkenrinde. Im Text kommen die Begriffe „Markt“ und „Händler“ vor, was auf einen wirtschaftlichen Textzusammenhang hinweist. (Bild: Ingo Strauch / Universität Lausanne)

Vom sechsten bis zum zehnten Jahrhundert nach Christus kam es im Nordwesten Indiens, auf dem Gebiet des heutigen Pakistan, zu einer wichtigen historischen Übergangsphase: Aus einer überwiegend buddhistischen wurde eine hinduistische Gesellschaft; unmittelbar darauf folgten die muslimischen Invasionen. Über die Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte dieser Umbruchzeit ist kaum etwas bekannt.

Kathrin Holz, Juniorprofessorin für Indologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), und ihr Fachkollege Professor Ingo Strauch von der Universität Lausanne möchten das ändern. Als Schlüssel zu dieser Epoche des Umbruchs benutzen sie Inschriften und Manuskripte, die in der Proto-Sarada-Schrift verfasst wurden – einer Schrift, die damals in ganz Nordwestindien in Gebrauch war.

Erstmals werden die Forschenden in Proto-Sarada geschriebene historische Zeugnisse systematisch sammeln, dokumentieren und wissenschaftlich analysieren. Sie möchten die Entwicklung und Verwendung der alten Schrift rekonstruieren und die Schriftobjekte mit Blick auf deren materiellen und historischen Kontext untersuchen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Schweizerische Nationalfonds (SNF) fördern das Projekt.

Tonsiegel und Manuskripte auf Birkenrinde

Einen wichtigen Kern des Projekts bildet eine Privatsammlung von historischen Verwaltungsdokumenten und Briefen, die wissenschaftlich bislang in keiner Weise bearbeitet wurden. Die Sammlung besteht aus 35 Mappen, 43 großen und 205 kleinen Schriftrollen aus Birkenrinde sowie aus 203 Tonsiegeln.

Die Sammlung ist ein wahrer Schatz, weil insgesamt nicht viele Zeugnisse der Proto-Sarada-Schrift vorhanden sind. „Das liegt daran, dass die Birkenrinde, auf die man überwiegend geschrieben hat, im tropischen Klima nicht besonders gut haltbar ist“, sagt Kathrin Holz.

Das Projekt soll alle weiteren weltweit bekannten Proto-Sarada-Schriftstücke einschließen. Für den Herbst 2024 plant das Forschungsteam eine erste Studienreise nach Pakistan, um dort wichtige Museen und den Forschungspartner vor Ort zu besuchen, das Department of Archaeology der Universität Lahore.

Am Ende soll die angestrebte Erst- und Neubearbeitung des gesamten Inschriftenkorpus in eine umfassende Edition der Proto-Sarada-Inschriften münden.

Meldung der Universität Würzburg

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