Aristoteles’ Metaphysik des Guten

Zusammenfassung / Summary

Metaethische Fragen, die die Ontologie der Moral berühren, stehen nicht gerade im Zentrum von Aristoteles’ Ethik. Wo sie aufgeworfen werden, verschiebt Aristoteles eine genauere Erörterung und verweist auf eine andere Disziplin der Philosophie, die hierfür geeigneter scheint. Ein berühmtes Beispiel ist seine These, dass die Güter nicht zu denjenigen Dingen gehören, die bloß aufgrund eines Zufalls denselben Namen tragen. Aber wie sollen wir eine solche nicht-zufällige Homonymie im Fall des Guten verstehen? Aristoteles lässt die Frage offen, ob die Güter denselben Namen tragen aufgrund einer Hinordnung zu einer ersten Instanz (pros hen) oder aufgrund einer Analogie. Das ist kein zweitrangiges Interpretationsproblem, sondern betrifft die metaphysischen Grundlagen menschlicher Praxis: Wie lassen sich die Vielfalt der Güter und ihre Abhängigkeit von einer ersten Instanz (eudaimonia) konsistent zusammendenken? Welcher Art ist die Beziehung zwischen diesem höchsten menschlichen Gut und dem absolut höchsten Gut im ganzen Universum? Wie ist der Bereich menschlicher Praxis in das Ganze des Seienden eingebettet? Ausgehend von einer Neubewertung der Kritik des Aristoteles an Platons Theorie des Guten entwickelt dieser Aufsatz eine Rekonstruktion von Aristoteles’ Metaphysik des Guten. 

Questions regarding moral metaphysics are not at the core of Aristotle’s ethics. Where they are raised, Aristotle postpones a detailed inquiry and points to another branch of philosophy that would be more appropriate. A famous example is his view that good things do not belong to the things that just happen to have the same name. But how should we conceive this non-coincidental homonymy? Aristotle leaves it open whether the things that are good have the same name by reason of being related to a first instance (pros hen) or by analogy (in the strict sense). This is not a merely marginal problem of interpretation. It strikes the metaphysical underpinning of human action: How can we reconcile the variety of “goods” with their dependence from a first instance (eudaimonia)? What is the relation between this highest human good and the supreme good of the universe, which is God? How is the realm of human praxis embedded in the whole realm of being? Based on a reassessment of Aristotle’s criticism of Plato’s theory of the good, this article develops a reconstruction of Aristotle’s metaphysics of goodness.

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