TagesimpulsWie kostbar unsere Hände sind

Lk 9,62

„Ich warte auf den Moment, in dem alle die Läden stürmen und Handcreme besorgen, weil die Hände so aufgerissen sind vom ständigen Händewaschen.“ Das habe ich neulich in einer der sozialen Netzwerke gelesen, die sich ja derzeit tatsächlich wieder als solche entpuppen. Jedenfalls stellenweise. Ich schaue heute meine eigene Hand an und merke: Stimmt, bald ist es soweit. Das sieht nicht gut aus. Die Haut ist rau, der Handrücken rot. Es brennt an allen Ecken und Enden.

Mir wird an der Stelle immer mal wieder bewusst, wie kostbar unsere Hände sind, was für ein Wunderwerk der Schöpfung Gottes. Ohne meine Hand wäre ich aufgeschmissen. Schreiben, arbeiten, essen und trinken, Seiten von Zeitungen und Büchern umblättern, streicheln und liebkosen, Nase putzen. Hände schütteln. Aber nein, das ist ja „verboten“ zurzeit. Genau so wie hineinhusten, ins Gesicht fassen oder liebevoll an der Nase ziehen, wie ich es bei meinen Kindern früher immer gern gemacht habe.

Ja, in der Betrachtung ist die Hand ein kaum zu beschreibendes Wunderwerk Gottes, ein Geschenk, mit dem er mich ausgestattet hat und das mein Leben leicht und schön macht. Zugleich aber ist meine Hand – und ich vermute, das trifft auf die meisten Hände dieser Welt gerade zu – für mich ein Symbol dieser Zeit. Angestrengt und gezeichnet ist sie, rissig, schmerzvoll und der Pflege bedürftig. Ruhe möchte ich ihr verordnen. Zugleich wird sie überall und zu jeder Zeit gebraucht.

Jetzt höre ich aber den Wochenspruch, in dem Christus sagt: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes (Lk 9,62).“ Die Richtung ist klar. Es geht zum Reich Gottes. Nirgendwo anders hin. Es geht dem Licht entgegen, auch wenn es am Ausgangspunkt dunkel scheint. Es geht hin zu Gott. Die Hand ebnet dabei den Weg, gibt also die Richtung vor. Sie macht den Weg fruchtbar und gut. Dann wird er auch Früchte tragen.

Gottes Verheißung auch über das Wort Jesu heißt: Am Ende stehen immer das Leben und die Gemeinschaft im Licht der Liebe Gottes.

Mittlerweile nutze ich übrigens eine Handcreme, sonst könnte ich meine Hände heute wohl nicht mehr richtig benutzen. Diese Pflege braucht aber nicht nur meine Hand, sondern die brauchen wir insgesamt in diesen Tagen, damit wir auf dem Weg des Reiches Gottes nicht abkommen, sondern mutig weiter nach vorne schauen, damit wir als Gesellschaft nicht zugrunde gehen, sondern Gemeinschaft auch über die Entfernung üben. Wenn sie leistungsfähig ist, kann ich mit meiner Hand Einkäufe schleppen und Telefone bedienen, Briefe schreiben und E-Mails. Ich kann von Weitem einen Gruß zuwinken. Schließlich sind wir schon lange auf dem Weg zu Gott und zueinander. Jetzt zurückzublicken, geht nicht.

Auf dem Weg nutze ich meine Hände übrigens gern auch für etwas, das mir in diesen Tagen besonders wichtig ist. Ich lege sie ineinander und falte sie zum Gebet, dass wir das Reich Gottes nicht vergessen, sondern mutig sind und bleiben. Denn am Ende steht immer das Leben, weil Gott es will.

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