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Heft 5/2020Mai

Inhalt

„Alles neu macht der Mai“, das wäre schön! Heute, da ich diese Zeilen schreibe, kämpfen Menschen – Flüchtlinge, Kinder, Frauen, Alte Junge … um das Überleben in völlig überfüllten Flüchtlingslagern in Griechenland. Keine Ahnung, wie die Welt aussehen wird, wenn unser Mai-Heft verteilt und Ihnen zugestellt wird. Es beelendet viele Menschen, dass man so gar nichts tun kann. Und auch in unserer Gesellschaft greift die Angst um sich: die Angst, an dem neuen und wohl unberechenbaren „Corona-Virus“ zu erkranken; wie schon so viele weltweit. Die Angst, an den wirtschaftlichen Folgen dieser Virus-Erkrankung den Arbeitsplatz zu verlieren – oder gar Menschen, Freunde, Angehörige …

Können wir unsere Welt abschotten? Nutzen Reisewarnungen und Kurzarbeitergeld, die Sorgen vieler Menschen zu mindern? Die Arbeit, den Arbeitsplatz zu verlieren – ich denke, das wird auch am 1. Mai – Tag der Arbeit – in diesem Jahr das Hauptthema der Ansprachen und Demonstrationen sein. Arbeit zu haben ist ein Menschenrecht. Genauso wie Urlaub, Erholung und Freizeit. Das steht in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Artikel 23 und 24. Das Recht auf Arbeit ist allerdings keines, das man in Deutschland bei Gericht einklagen kann. Es ist ein Programmsatz. Es verpflichtet die Politik, darauf hinzuarbeiten, dass möglichst viele Menschen Arbeit finden. Das ist wichtig, damit sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können.

Den Unterhalt selbst verdienen, das ist für viele Frauen und Mütter grundlegende Lebenssicherung. Wenn wir am Muttertag die Mütter mit Blumen und Pralinen und guten Wünschen überhäufen, dann sollten wir wissen, dass Mutter- Sein – in Vollzeit oder Teilzeit – immer noch zu den größten Herausforderungen in unserer Gesellschaft gehört. Entscheidet sich eine Frau für aktive Mutter-Zeit, dann muss sie sich oft rechtfertigen, warum „sie denn nicht arbeitet!“. Und ihre Kinder sagen oft in der Schule: „Nein, meine Mutter arbeitet nicht, sie ist Hausfrau!“ Ist Hausfrau und Muttersein keine Arbeit? Alles, was nicht ordnungsgemäß entlohnt und bewertet wird, zählt nicht. Hier sind grundlegende Veränderungen von Interpretation und Sichtweise, aber auch von gesetzlicher Anerkennung von Mutter-Zeit, Erziehungs-Zeit etc. gefragt. Hier helfen keine wohlmeinenden Versprechungen am Muttertag, hier braucht es konkrete Maßnahmen und Veränderungen, damit unsere Gesellschaft beide Entwürfe wertschätzt und unterstützt: die berufstätige Frau und Mutter und die Vollzeit-Hausfrau und Mutter. Beides ist möglich, beides ist richtig; es ist immer eine individuelle Entscheidung oder der jeweiligen Situation geschuldet; viele Frauen haben tatsächlich keine Wahl.

Gott sei Dank hält der Monat Mai noch einige Fest- und Feiertage bereit, die uns von den ganz irdischen Themen wegführen können auf das, was über die Realitäten des Lebens hinaus für unsere Seelen wichtig ist. Die Sonntage Jubilate, Kantate und Rogate greifen mit den Begriffen Freude, Singen und Beten ganz tiefe menschliche Bedürfnisse nach Heil und Heilung auf. Die Himmelfahrt Jesu – nein, nicht Vatertag! – will uns zeigen, dass der Himmel kein außerirdischer Ort ist, sondern mitten unter uns Wirklichkeit werden kann und darf. Überall da, wo Menschen in der Nachfolge Jesu leben und Leben gestalten, ist der Himmel; das Reich Gottes hier und heute und mitten unter uns. Das Pfingstfest am 31. Mai beschließt diesen Monat; wir werden im Juni-Heft auf die Kraft dieses Heiligen Geistes, an den das Pfingstfest erinnert, eingehen.

Ich wünsche Ihnen und uns allen die erneuernde Kraft des „Alles neu macht der Mai, macht die Seele frisch und frei …!“