Heft 11/2019November

Inhalt
1. Auflage 2019
Bestellnummer: Z350011

November – schon wieder! Es ist kalt, grau, regnerisch, windig. Wir erinnern uns noch an die letzten spätsommerlichen Tage des Oktobers. Man spürt, das ist vorbei – jetzt kommt der Winter. Es macht irgendwie traurig, wenn die Blätter ihr Grün verlieren, sich verfärben, absterben und zur Erde fallen, wenn Zweige und Äste kahl werden. Viele Menschen fürchten sich vor dem November. Es will gar nicht mehr richtig hell werden. Tage und Wochen der Traurigkeit. Die Gedenktage erinnern uns an Menschen, von denen wir uns verabschieden mussten. Erinnerungen an vergangene Zeiten werden wieder wach. Und sie erinnern uns auch daran, dass auch wir einmal sterben müssen, unser Lebensweg auf ein Ende zugeht.

Labyrinthe sind Symbole für den Lebensweg. Ich muss den Weg nur gehen, mich ihm anvertrauen und nicht aufgeben. Wie bei den Phasen im Leben geht es hin und her, vorwärts und zurück, nach innen und nach außen, bis endlich die geheimnisvolle Mitte vor den Füßen liegt. Dort verweile ich, genieße ich, vertiefe mich, schöpfe ich Kraft, bevor ich umkehre und wieder den langen gewundenen Weg hinaus in den Alltag unter die Füße nehme.

Seit einigen Wochen haben wir an meinem Wohnort in Lorch im Remstal im großen Kirchpark der Stadtkirche so ein Labyrinth, das dazu einlädt, zu gehen, zu spüren, hineinzuhören auf und in die Botschaften meines eigenen Weges. Das Leben hat bisweilen seine ganz eigenen Spielregeln; doch letztendlich besteht die Gewissheit, dass in der Mitte, dem Ziel des Labyrinths, Gott steht. „Ich bin der Weg“, hat Jesus gesagt, aber dabei nicht versprochen, dass es ein gerader, einfacher, leichter Weg zu ihm, zu Gott hin, sei. Auch für ihn nicht!

Ich staune manchmal, wie viel Mühe Menschen dafür aufwenden, an ihr Ende, an das Ende des Weges, nicht zu denken, ja dieses regelrecht verdrängen. Das hat noch Zeit, ist oft die gängige Antwort. Weiß man nicht seit Kindertagen, dass es irgendwann eintreten wird, dieses Ende?! Was für eine Torheit zu meinen, es lasse sich besser leben, wenn man dieses Ende verdrängt, einfach nicht beachtet.

In ihrem schönen Lied „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende …“ schreibt die Dichterin Ämilie Juliane Gräfin v. Schwarzburg-Rudolstadt (1637–1706/EG 530) folgende Zeilen:

Es kann vor Nacht leicht anders werden,
als es am frühen Morgen war;
solang ich leb auf dieser Erden,
leb ich in steter Todesgefahr.
Mein Gott, mein Gott,
ich bitt durch Christi Blut:
Mach’s nur mit meinem Ende gut.

Sich mit dem Ende des Weges auseinandersetzen, das hat Elisabeth Kübler-Ross in nachhaltiger Weise in unser Bewusstsein gebracht. Auf ihre Arbeit hin, ihre Forschungen und Anregungen wurde in den 70er Jahren wieder neu die Frage nach dem Ende gestellt, der Umgang mit Sterben und Tod bewusst bedacht. Nicht zuletzt Sterbebegleitung und Hospizarbeit gehen auf ihre Impulse zurück. Wir haben sie in unsere Reihe „Lebens- und Glaubenslotsen” aufgenommen.

So wünschen wir Ihnen, dass Sie in diesen vielleicht trüben und grauen Tagen von den Sonnenstrahlen zehren können, die Sie über den Sommer und Herbst gesammelt haben.

Aber letztlich leben wir in der Vorfreude auf das Licht des Advents!