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Heft 6/2020Juni

Inhalt

Wenn ich mit dem Votum einen Gottesdienst eröffne, dann sage ich das in aller Regel so: „Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, dem Schöpfer und Erhalter unseres Lebens, und im Namen Jesu, der in dieser Welt uns Gottes bedingungslose Liebe vorgelebt hat. Und wir feiern im Namen des Heiligen Geistes, der Kraft, die uns immer wieder neue Anfänge wagen lässt. Amen!“ Am 31. Mai und 1. Juni sollen/wollen wir in diesem Jahr das Pfingstfest feiern. Heute, da ich diese Zeilen schreibe, sind wir noch mitten in der Corona-Krise; niemand weiß, wie es nach den Osterferien in unserem Land weitergehen wird. Schon in der Passionszeit und an Ostern konnten wir nur digital, über die Medien, das Telefon, über gedruckte Botschaften die Passions- und Osterbotschaft aufnehmen. Keine Gottesdienste, keine Osternachtfeiern ...und, und, und … Wie es Pfingsten sein wird – ich kann es Ihnen heute und jetzt nicht schreiben, nicht sagen. Dennoch gab es Ostern, dennoch wird es Pfingsten geben – ja, vielleicht ohne den gewohnten Pfingsturlaub, ohne die gewohnten Ausflüge, Treffen, Grillabende …

Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes – manchmal frage ich mich, ob meine Kirche selbst daran glaubt, was sie da feiert: dass die Welt von einem neuen Geist durchweht wird. Einem Geist, der aufräumt mit den vielen Ungerechtigkeiten unter den Menschen. Einem Geist, der hilft, den vielen Ballast loszulassen, der von dem ablenkt, was die Menschheit als Ganzes – als großes Universum – verbindet. Einem Geist, der sich nicht ans Alte klammert, sondern verstehen lässt, wo wir unsere Ansichten von früher aufgeben müssen, weil sie dem Menschen heute nicht mehr gerecht werden, gerade auch mit und nach Corona nicht mehr gerecht werden. Haben wir etwas gelernt aus dieser Krise, hat uns – die wir uns Christenmenschen nennen – dieser Geist angerührt, Dinge, Zusammenhänge der EINEN WELT neu zu sehen und schätzen zu lernen? Oder haben wir uns noch tiefer in unsere Egoismen verrannt in der Sorge um unser eigenes Ein- und Auskommen?! Und das gilt und galt nicht nur für Mehl und Toilettenpapier. Der Geist Gottes, der Geist von Pfingsten – der uns immer neue Anfänge wagen lässt –, dieser will uns herausfordern, verlocken, in Aktion versetzen. Das ist nicht immer bequem, aber erfrischend. Was alles konnte in den letzten Wochen und Monaten an neuen Ideen und guten Gedanken für die ganz andere Verbindung unter Menschen und die Verbreitung der „Frohen Botschaft“ in Bewegung, in Gang gesetzt werden? Gottes Geist will uns weiter die Augen öffnen für Dinge, die angegangen werden müssen, zeigt uns, wo wir gefragt sind: Verantwortung für die Schöpfung, die EINE WELT, Solidarität mit denen, die Tag und Nacht für Pflege und medizinische Versorgung auf den Beinen sind – auch eine gerechte Bezahlung dieser Arbeit! –, einen neuen Blick auf die sogenannten anderen, die Nachbarn, die Menschen, die wir so gerne übersehen, die nicht in unserem gewohnten Blickfeld sind … Zu all dem und noch viel mehr begabt uns Gottes Geist. Das kann uns Pfingsten in diesem Jahr neu zeigen; vielleicht auch herausfordern.

Viele ermutigende Zuschriften sind in der Redaktion in den letzten Wochen eingegangen, auch ganz persönliche Grüße und Wünsche für das Durchhalten. Wir sagen DANK und können immer nur einen kleinen Teil hier im Heft veröffentlichen. DANKE allen, die an uns denken und für und mit uns beten. So sind wir verbunden in dem Geist, der nicht ein Geist der Furcht, der Angst ist, sondern ein Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2. Tim. 1,7) So können wir getrost auf den Sommer 2020 zugehen – bleiben oder werden wir offen und bereit für das ganz andere.