Heft 6/2019Juni

Inhalt

Es war 1969, als ich 16-jährig den ersten, meinen ersten Kirchentag in Stuttgart besuchte. Ich ahnte natürlich nicht und mir fehlte auch das Wissen und die Kenntnis der politischen und kirchlichen Lage, gerade der in der Württembergischen Landeskirche, welch spannenden Tage mich erwarteten. Es gab zu dieser Zeit heftige Auseinandersetzungen zwischen dem traditionellen Pietismus und der Bewegung des Kirchentags. Mit einer älteren Tante, die in Degerloch wohnte, fuhr ich mit der Straßenbahn auf den Killesberg. Ich genoss es, Teil all dieser Christenmenschen zu sein, überall die Fahnen, die Posaunenchöre, aber immer wieder auch Menschen mit Plakaten und Megaphonen, die zu Demonstrationen und Protest aufriefen. Plakate mit dem Kirchentagsmotto „Hunger nach Gerechtigkeit“ ergänzten sie mit ihren eigenen Aufrufen und Darstellungen.

Die überwiegend jungen Leute, Studenten – auch und gerade der Theologie – kämpften für einen lebendigen, diskussionsfreudigen Kirchentag, und das bereits im Vorfeld der Planungen. Sie mischten sich ein, wenn es sein musste beharrlich und laut, unüberhörbar. Das gefiel mir! Dies störte allerdings das Harmoniebedürfnis der Kirchenleitungen empfindlich, zumal die Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ massiven Druck ausübte und auch zu Gegenveranstaltungen aufrief. In Teilen ist das leider bis heute so geblieben.

Für mich war diese erste und heftige Berührung mit dem Kirchentag und seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen Grund genug nachzuforschen, nachzulesen … sie prägte meine Kritikfähigkeit, öffnete mich für das Eintauchen in theologische Lektüre, was in der Folge dann auch zu einem Theologie-Studium führte und meine Berufswahl deutlich beeinflusste. – Kirchentage waren und sind bis heute – und ich war seit 1969 fast auf allen Kirchentagen – Zeitansage, eine bunte Palette des vielfältigen Lebens und Wirkens in unseren Landeskirchen. Die Fülle des ehrenamtlichen Engagements, aber auch der konstruktive Streit, die Auseinandersetzung mit Gott und Welt gehören ebenfalls in aller Vielfalt dazu.

Ein Fest des Glaubens in allen Farben und Facetten, getragen und ausgerichtet auf den Glauben und die Hoffnung, auf Gott und seine Zusagen und Verheißungen. Das zeigen auch die Texte zu den Bibelarbeiten, der Kirchentagspsalm und nicht zuletzt das Motto: „Was für ein Vertrauen!“

Einige Impulse haben wir in diesem Heft für Sie zusammengestellt, so können Sie – auch ohne auf dem Kirchentag gewesen zu sein – teilhaben und teilnehmen, die Texte lesen, darüber nachdenken, in Presse, Rundfunk und TV verfolgen, was an Impulsen und Ansagen der diesjährige Kirchentag in Dortmund auch uns persönlich sagt und in unsere Gemeinden hineinträgt. Im Dialog miteinander kann dies dann vertieft werden und Frucht bringen.

Der Monat Juni beschert uns auch einige kirchliche Fest- und Feiertage, die in unterschiedlicher Weise bekannt sind und gefeiert und wahrgenommen werden. Wie beim Kirchentag, so geht es auch bei diesen kirchlichen Festtagen darum, unseren Glauben zu zeigen, zu leben, darüber zu reden, ihn in unser Leben und in unseren Alltag zu integrieren. Nur so behalten diese Tage ihren tieferen Sinn und verkommen nicht nur zur arbeitsfreien Zeit und Urlaubsplanung. Leben wir das Vertrauen, das Grundlage unseres Glaubens ist, so, dass andere uns fragen und wir so ins Gespräch kommen können.