Österreich und Polen nach dem Zweiten Weltkrieg

Während Österreich ähnlich wie Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst in vier Besatzungszonen aufgeteilt wurde, geriet Polen relativ bald in den Einflussbereich der Sowjetunion.

Österreich und Polen nach dem 2. Weltkrieg
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Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg

Als territorialer Bestandteil des Deutschen Reiches wurde Österreich – wie das restliche Deutschland auch – von den alliierten Siegermächten in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Nach Beschluss der Siegermächte wurden Niederösterreich, das Burgenland, Oberösterreich nördlich der Donau sowie die Wiener Randgemeinden sowjetische, Oberösterreich südlich der Donau und Salzburg amerikanische, Steiermark, Osttirol und Kärnten britische und Nordtirol sowie Vorarlberg französische Besatzungszone. Die Hauptstadt Wien wurde mit Ausnahme der Innenstadt in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die provisorische Regierung unter Karl Renner – bereits im April 1945 von der sowjetischen Administration geduldet – wurde im Oktober 1945 von den Westalliierten anerkannt. Damit war die Gesamtstaatlichkeit Österreichs über die Zonengrenzen hinweg zunächst gewährleistet.

Österreich nähert sich dem Westen an

Am 15. Mai 1955 wurde nach entsprechenden Vereinbarungen mit den Alliierten der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet. Damit war für Österreich der Besatzungsstatus aufgehoben, und das Land wurde in den Grenzen vom 1. Januar 1938 ein unabhängiger Staat. In militärischen Fragen blieb Österreich neutral, näherte sich aber seit 1972 mit der Unterzeichnung eines Freihandelsvertrages den Europäischen Gemeinschaften an.

Polen nach dem Zweiten Weltkrieg

In Polen vollzog sich der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg unter besonders schwierigen Bedingungen. Das Land litt unter horrenden Kriegszerstörungen, hohen Bevölkerungsverlusten, der territorialen Verschiebung nach Westen und den damit verbundenen massiven Bevölkerungsverschiebungen. Die Rolle Polens als Gründungsmitglied des »Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe« (RGW) manifestierte die Einbindung des Landes in den sowjetischen Hegemonialbereich. Die internen politischen Auseinandersetzungen in Polen wurden dadurch jedoch nicht beseitigt.

Lech Walesa

Bedingt durch Schwierigkeiten in der wirtschaftlichen Versorgung der Bevölkerung breiteten sich zu Anfang der 1980er-Jahre Unruhen aus und führten zu massiven Protestbewegungen. Als Folge daraus sahen sich die Machthaber gezwungen, mit den Protestgruppen unter der Führung von Lech Wałesa Vereinbarungen zur Anerkennung selbstständiger Gewerkschaften, zum Streikrecht, zur öffentlichen Kontrolle von Staat und Partei sowie zur Verbesserung der Lebensverhältnisse zu treffen. Die innenpolitischen Unruhen in Polen setzten sich durch die 1980er-Jahre fort und führten in der Folge dazu, dass im Oktober 1991 die ersten freien Wahlen seit 1928 durchgeführt werden konnten. Damit war Polen Vorreiter der Demokratisierung.

Chronologie

1945, 27. April: Ohne Zustimmung der Westmächte, jedoch mit Duldung der sowjetischen Besatzungsmacht, wird in Wien ein provisorische Regierung gebildet: Neben der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ), die mit Karl Renner (1870–1950) den Bundeskanzler stellt, und der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) ist die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) beteiligt.

1945, 16. August: Der Grenzvertrag zwischen Polen und der Sowjetunion legt die Ostgrenze Polens auf die geringfügig korrigierte Curzon-Linie von 1919 fest. Ostpreußen wird zwischen beiden Staaten geteilt, das Memelgebiet der Litauischen Sowjetrepublik angegliedert. 1948 Mit Unterzeichnung des Marshallplan-Abkommens erhält Österreich eine Wirtschaftshilfe in Höhe von 1,6 Milliarden US-Dollar.

1955, 15. Mai: Nach entsprechenden Vereinbarungen mit den Westalliierten wird in Wien der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet: Aufhebung des Besatzungsstatuts, Österreich als Zweite Republik wird unabhängiger Staat in den Grenzen vom 1. Januar 1938. Am 26. Oktober beschließt der Nationalrat die immerwährende Neutralität Österreichs.

1956, 28. Juni: Blutige Niederschlagung des Generalstreiks in Posen durch das Militär. Später erfüllt die Regierung jedoch einige Forderungen der Demonstranten.

1959, 26. November: Der Nationalrat stimmt dem Beitritt Österreichs zur neu gegründeten Europäischen Freihandelszone (EFTA) zu.

1967, 20. März: Durch ihr Veto verhindert die Sowjetunion ein Assoziierungsabkommen Österreichs mit der EG.

1983, 6. Oktober: Nach der Aufhebung des Kriegsrechts in Polen erhält der Führer der Gewerkschaft Solidarnosc, Lech Wałesa, den Friedensnobelpreis.

1986: In einer Stichwahl wird der für die ÖVP kandidierende ehemalige UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim (1918–2007) zum Bundespräsidenten gewählt. Das Ausland reagiert mit Kritik und Empörung und erhebt schwere Beschuldigungen zu Waldheims Rolle im Zweiten Weltkrieg.

1989, 24. August: Tadeusz Mazowiecki von der Solinarnosc wird erster nichtkommunistischer Ministerpräsident Polens.

1991, 30. September: Der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow sichert Bundeskanzler Vranitzky bei dessen Besuch in Moskau zu, dass die Sowjetunion keinen Einspruch gegen einen Beitritt Österreichs zur EG erheben wird.

Bundespräsidenten Österreichs seit 1945

  • Karl Renner (SPÖ): 1945 − 1950
  • Theodor Körner (SPÖ): 1951 − 1957
  • Adolf Schärf (SPÖ): 1957 − 1965
  • Franz Jonas (SPÖ): 1965 − 1974
  • Rudolf Kirchschläger (parteilos): 1974 − 1986
  • Kurt Waldheim (ÖVP): 1986 − 1992
  • Thomas Klestil (ÖVP): 1992 − 2004
  • Heinz Fischer (SPÖ): 2004 − 2016
  • Alexander van der Bellen (Grüne): seit 2017

 

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