Osterzeit

Die Osterzeit umfasst die Zeit von der Osternacht bis einschließlich Pfingstsonntag und ist der Höhepunkt des Kirchenjahres. Weil der Inhalt des Osterfestes - die Auferweckung Christi und ihre Folgen für die Menschen - das Zentrum des christlichen Glaubens bildet, dauert die Feier dieses Festes 50 Tage: sieben Wochen, gezählt ab dem Ostertag einschließlich, und der Pfingstsonntag als Abschluss. Der Pfingstmontag, ein Überbleibsel der Pfingstoktav, die mit der Kalenderreform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil durch die Zeit im Jahreskreis ersetzt wurde, zählt nicht mehr zur Osterzeit.<

> Liturgisch werden die 50 Ostertage „als ein einziger Festtag gefeiert“ (Grundordnung des Kirchenjahres Nr. 22-23). Sichtbares Zeichen dafür ist die Osterkerze, die während dieser Zeit zu jeder liturgischen Feier brennen soll. An den Sonn- und Werktagen der Osterzeit entfalten die liturgischen Texte das zentrale Moment des christlichen Glaubens (Christi Auferstehung, Himmelfahrt und Geistsendung) und dessen Bedeutung für die Menschen.

Auch die Einführung in den christlichen Glauben hat ihren vornehmsten Platz in der Osterzeit (Taufe, Katechese, Erstkommunion). Die Festfreude findet ihren Ausdruck durch viele Halleluja-Rufe - nicht nur als Ruf vor dem Evangelium, sondern auch im Eröffnungs- und Kommunionvers sowie beim Entlassungsruf. Auch die Osterlieder in den Gesangbüchern sparen nicht an diesem österlichen Jubelruf (bes. GL 318 / KG 436,3).

Christoph Neuert, Trier

Unser Pfarrer hat mich als Kirchenmusikerin darauf hingewiesen, dass in der Fastenzeit in der Kirche Instrumentalspiel nur zur Unterstützung des Volksgesangs erlaubt sei. Was ist da mit unserer reichen Literatur für diese Zeit nicht nur für die Orgel, sondern auch für ganze Orchester. I. W.

Diese Vorschrift existiert tatsächlich, muss aber auf ihrem Hintergrund gesehen werden. Zu unterscheiden ist zunächst zwischen Instrumentalspiel im Gottesdienst oder in einem Kirchenkonzert. Sicher will niemand, dass die wertvolle Tradition der Passionsmusik aus dem Kirchenraum in Konzertsäle abwandert. Im Gegenteil - ihre Aufführung im Kirchenraum bietet Chancen, für die Zuhörenden aus dem Konzert ein geistliches Erlebnis werden zu lassen. Im Gottesdienst kann ein „Ohrenfasten“ ein Mittel sein, um den Charakter der Österlichen Bußzeit deutlich ins Bewusstsein zu rücken - gerade in unserer Zeit, in der im alltäglichen Leben davon kaum mehr etwas zu spüren ist. Hier kann die Musik eine Vorreiterrolle übernehmen: Weil wir gewohnt sind, immer alles verfügbar zu haben, fordert ein bewusster Verzicht auf Gewohntes zur Auseinandersetzung heraus. Und wenn heute viel davon die Rede ist, dass ein eigenes Profil wichtig sei - hier bietet sich eine Gelegenheit, solches zu zeigen. Im Übrigen geht es auch hier nicht unbedingt um alles oder nichts - Kreativität erweist sich vor allem in einem bewussten und sinngemäßen Umgang mit den gegebenen Möglichkeiten.

Eduard Nagel

Was geschieht mit der alten Osterkerze? Ist sie immer noch Christussymbol? Darf eine Gemeinde sie an besondere Personen verschenken?

Die Osterkerze erinnert auch dann noch an Christus, den Auferstandenen, wenn sie nicht mehr in der Kirche gebraucht wird. Es ist darum sinnvoll, sie an eine Person oder Familie zu geben, die ihre Symbolik versteht und der sie etwas bedeutet. In vielen Gemeinden wird die alte Osterkerze als Zeichen der Anerkennung an jemand gegeben, der sich im vergangenen Jahr - oder vielleicht über viele Jahre hinweg - durch besonderes Engagement für die Gemeinde ausgezeichnet hat. Andernorts bringt der Pfarrer die Kerze zu einer Familie oder einer Person, die in der zurückliegenden Zeit von einem besonders hartes Schicksal getroffen wurde und das im Glauben zu tragen versucht, oder zu jemand, der den Weg zur Kirche zurückgefunden hat oder sonst eine großen Schritt im Glaubensleben gemacht hat. In diesem Fall bleibt ihre Funktion, ein Zeichen der Hoffnung und Auferstehung zu sein, besonders schön erhalten. Weil es dabei um sehr persönliche Dinge gehen kann, bedarf eine solche Wahl der Diskretion und wird häufig dem Priester allein überlassen bleiben. Anderswo wird die Osterkerze auf dem Pfarrfest für einen konkret benannten Zweck versteigert (z.B. „amerikanisch", indem jede/r Steigernde jeweils 1 Euro dazu gibt, so dass u.U. eine schöne Summe zusammenkommt).

Schade ist es, wenn die alte Osterkerze nur nach ihrem Brennwert beurteilt und z.B. eingeschmolzen oder ohne ihre Verzierung irgendwo verwendet wird.

Redaktion

In unserer Gemeinde tauchte die Frage auf, ob die morgendliche Feier der Osternacht um 6 Uhr im Pfarrblatt auch als „Auferstehungsfeier“ bezeichnet werden darf.

Den Begriff „Auferstehungsfeier“ kennt die derzeitige Liturgie an sich nicht. Dennoch würde ich es ausdrücklich befürworten, wenn Sie ihn in dem betreffenden Fall verwenden. Wenn man sich entscheidet, aus verständlichen pastoralen Gründen die Osternacht am Sonntag morgens um 6 Uhr zu feiern, dann sollte es doch nichts geben, was uns dazu zwingen müsste, unsinnigerweise immer noch so zu tun, als wäre es die ganze Feier hindurch Nacht. Es ist an sich schon morgens um 6 Uhr nach unserem Empfinden nicht mehr nachts. Wir sollten daher auch nicht so reden, als ob es anders wäre. Der Begriff „Auferstehungsfeier“ wäre dann eine berechtigte Alternative.
Aus inhaltlichen Gründen wäre aber ein noch früherer Beginn der Feier sehr zu begrüßen, etwa dann, wenn es im Exsultet heißt, dass die Kerze leuchten möge, „um in dieser Nacht das Dunkel zu vertreiben“. Was in der Liturgie getan und gesprochen wird, sollte nie getragen sein von einem „so reden oder so tun, als ob“, sondern sollte immer unter der Voraussetzung der Wahrhaftigkeit stehen. Das gilt dann auch für die Bezeichnungen einer Feier, die im Pfarrbrief steht.

P. Dr. Jürgen Riegel SAC, Theologische Fakultät Trier

In unserer Seelsorge-Einheit wird nur in einer Kirche die Osternacht gefeiert, in einer entlegenen Filialgemeinde ist am Ostermorgen Eucharistiefeier. Können wir die Osterkerze der zweiten Gemeinde zusammen mit der anderen in der Osternacht segnen lassen? Oder gibt es Möglichkeiten, das Osterlicht aus der Osternacht in die zweite Gemeinde zu tragen? Kann auch dort eine Lichtfeier wie in der Osternacht stattfinden? R. D.

Zwei Osterkerzen sollten in der Feier der Osternacht nicht verwendet werden, weil die eine Osterkerze Symbol Christi ist. Eher ist vorstellbar, dass am Ende das Osterlicht (in einer Laterne) in die zweite Gemeinde mitgetragen wird, um damit dort im Gottesdienst die Osterkerze zu entzünden. Dies sollte feierlich geschehen, so dass die Gemeinde den Zusammenhang wahrnehmen kann: Einzug, während die Osterkerze auf dem Leuchter noch aus ist; nach der Eröffnung feierliches Entzünden der Osterkerze mit dem Licht aus der Osternacht, dazu ein paar deutende Worte; als Antwort kann die Gemeinde das Lied „O Licht der wunderbaren Nacht“ (GL 208) singen. - Ein Lichtritus wie in der Osternacht ist nicht passend, da er seinen Ort in nächtlichen Feiern und in einmaliger Weise in der Osternacht hat. Sinnvoll ist aber, wenn alle zum Taufgedächtnis, das statt Schuldbekenntnis für den Ostermorgen vorgesehen ist (s. MB Anhang I), brennende Kerzen in den Händen halten (z.B. kleine Osterkerzen). Nachdem sie diese mit dem Licht der Osterkerze entzündet haben, folgen das Lobgebet über dem Wasser mit Wasser-Segnung und das Ausspenden des Wassers an die Gläubigen.

Eduard Nagel

Bisher blieb in unserer Pfarrgemeinde bei der Osternacht das elektrische Licht bis zum Ende der Lesevigil ausgeschaltet und wurde erst beim Gloria gemeinsam mit dem Entzünden der Altarkerzen eingeschaltet. Unser neuer Moderator meint aber, dass das Licht schon nach dem dritten Lumen Christi eingeschaltet gehört. Da diese Lesevigil den Charakter der Nachtwache hat, wurde es von uns Lektoren immer als stimmig empfunden, dies auch bei „gedämpften Licht“ und nicht bei Festbeleuchtung zu tun. T.M.

Die liturgischen Ordnungen erwähnen das elektrische Licht gar nicht. Im Römischen Messbuch (Missale Romanum) findet sich nach dem dritten Lumen Christi die Rubrik: accenduntur lampadas per ecclesiam [exceptis cereis altaris]. Im deutschen Messbuch von 1975 wurde diese Vorschrift missverständlich übersetzt: „In der Kirche wird Licht angemacht“. Auf diesen Wortlaut bezieht sich wahrscheinlich Ihr Moderator. Doch bereits seit 1988, als die 2. Auflage des deutsches Messbuchs erschien, lautet die Rubrik anders: „Im Kirchenraum vorhandene Kerzen (z.B. Apostelleuchter) werden angezündet.“ Die Altarkerzen, die nun noch nicht enzündet werden sollen, werden laut den Rubriken zum Gloria angesteckt. Denn hier befindet sich der liturgische Übergang von der Vigil zur eigentlichen Messfeier. Will man das elektrische Licht einschalten, ist dies sicher an dieser Stelle am sinnvollsten. Eine Möglichkeit ist es aber auch, die elektrische Beleuchtung gar nicht zu verwenden. Ein nächtlicher Gottesdienst im Kerzenschein hinterlässt einen tiefen emotionalen Eindruck.

Benjamin Leven

In der Osternacht singt der Diakon, der die Osterkerze in die Kirche trägt, dreimal Lumen Christi - „Licht Christi“. Die Gläubigen antworten jedesmal Deo gratias - „Dank sei Gott“. Woher stammt dieser Ruf?

Das Lumen Christi mit seinem Antwortruf Deo gratias in der Osternachtsliturgie ist das Überbleibsel eines Brauches, der im christlichen Altertum viel weiter verbreitet war. Eine frühmittelalterliche Handschrift berichtet über einen Brauch in Benediktinerklöstern:
„Und wenn es sich trifft, dass die Nacht während des Essens hereinbricht und es nötig wird, ein Licht anzuzünden, dann sagt der Bruder, der das Licht hereinbringt, sofort beim Eintritt in das Haus vor den Älteren mit einer so lauten Stimme, dass es alle hören können: Lumen Christi und alle sagen: Deo gratias.“

Bei archäologischen Funden wurden Lampen aus der Zeit um 400 entdeckt, die mit dem Christusmonogramm und den Worten Deo gratias geschmückt sind. Der Historiker Franz Dölger hat darum 1936 vermutet, dass der Ruf Lumen Christi - Deo gratias bereits in dieser Zeit Teil einer abendlichen Lichtbegrüßung und -danksagung war.

Bräuche in Verbindung mit dem Entzünden und Hereintragen von Lichtern kannte auch schon die vorchristliche Antike. Das Lucernarium, das festliche Anzünden des Lichtes, dürfte bereits sehr früh zu den abendlichen Versammlungen der Christen gehört haben. Das angezündete Licht wurde zum Symbol für Christus. Der Ritus bringt den Dank für die Gabe des Lichtes zum Ausdruck, ist aber auch Bitte um die Wiederkunft Christi. In der römischen Liturgie hat sich dieses Lucernarium nur in der Osternacht erhalten.

Benjamin Leven

In verschiedenen Pfarrgemeinden der Umgebung gab es im vergangenen Jahr verschiedene Termine für die Osternachtfeier. Einmal um 21.00 Uhr, dann wieder am Ostermorgen um 5.30 Uhr. Gibt es einen liturgisch korrekten Termin für die Osternachtliturgie? M. S.

Die genauesten Angaben zum Zeitpunkt der Osternachtfeier enthält das Rundschreiben der Kongregation für den Gottesdienst „über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung“ vom 16. Januar 1988 (Nr. 78): „Die ganze Feier der Osternacht findet in der Nacht statt; sie soll entweder nicht vor Einbruch der Dunkelheit beginnen oder nicht nach der Morgendämmerung enden. Diese Vorschrift ist streng einzuhalten. Gegenteilige Missbräuche und Gewohnheiten, die sich hier und dort eingeschlichen haben, nämlich die Osternacht zu der Zeit zu feiern, zur der man die Vorabendmesse des Sonntags zu halten pflegt, werden verworfen. Die Gründe, die manchmal dafür angeführt werden, um die Osternachtfeier vorzuverlegen, wie z. B. die öffentliche Unsicherheit, werden nicht geltend gemacht im Fall der Nacht der Geburt des Herrn oder wenn es sich um andere Veranstaltungen verschiedenster Art handelt.“ - Möglich ist also sowohl eine Feier am Abend wie eine in der Morgenfrühe; entscheidend ist, dass dabei etwas von einem Hindurchgang (das heißt ja das Wort „Pascha“) durch die Nacht erfahrbar ist. Es darf also nicht der Eindruck einer verlängerten Vorabendmesse am Karsamstag oder einer Frühmesse am Ostersonntag entstehen.

Eduard Nagel