Lumen Christi

Lateinischer Ruf während der Lichtfeier zu Beginn der Osternacht. Wird beim Einzug mit der neu entzündeten Osterkerze in die Kirche vom Diakon oder Priester dreimal gesungen. Wörtlich übersetzt bedeutet der Ruf Licht Christi, gesungen wird "Christus, das Licht" worauf die Gemeinde mit "Dank sei Gott" ("Deo gratias") antwortet.

Vom Licht der Osterkerze wird jedes Jahr auch das Ewige Licht neu angezündet, das das ganze Jahr über auf die leibliche Gegenwart Christi als das Licht derWelt in Gestalt des eucharistischen Brotes im Tabernakel hinweist: "Ich bin das Licht der Welt" (Joh 8,12).

Warum wird in der Osternacht die Osterkerze vor der Gemeinde in die Kirche getragen? Andersherum könnten doch alle sehen, wie sie in der Kirche ankommt. C.F.

Dieser Ritus erschließt sich aus dem Buch Exodus, als Gott die Israeliten aus Ägypten herausführte: „Der Herr zog vor ihnen her (...), um ihnen den Weg zu zeigen, bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten“ (Ex 13,21). Dieser Teil fehlt in der Exodus-Lesung der Osternacht, da sie den Schwerpunkt auf die Taufsymbolik legt. Allerdings nimmt das Exsultet den Bezug auf und deutet den Einzugsritus direkt im Anschluss daran: „Dies ist die Nacht, in der die leuchtende Säule das Dunkel der Sünde vertrieben hat, (...) die (...) alle, die an Christus glauben, scheidet von den Lastern der Welt, dem Elend der Sünde entreißt, ins Reich der Gnade heimführt und einfügt in die heilige Kirche.“
Die leuchtende Osterkerze mit ihrer entfernt an eine Säule erinnernden Form ist für die Christen das, was die leuchtende Feuersäule für das Volk Israel war: Der Wegweiser aus Unterdrückung, Sünde, Hass und Trauer in die Freiheit. Dass die Gemeinde der Osterkerze folgt, symbolisiert also, was wir an Ostern feiern: Gott befreit sein Volk, indem er es in sein Reich führt. Dazu geht er den Gläubigen, wie schon damals den Israeliten, voran, um ihnen im Dunkel der Nacht (als Symbol für das Dunkel des Lebens) den Weg zu zeigen und mit seinem Licht die Hoffnung auf die versprochene Erlösung zu erhalten.

Christoph Neuert

In der Osternacht singt der Diakon, der die Osterkerze in die Kirche trägt, dreimal Lumen Christi - „Licht Christi“. Die Gläubigen antworten jedesmal Deo gratias - „Dank sei Gott“. Woher stammt dieser Ruf?

Das Lumen Christi mit seinem Antwortruf Deo gratias in der Osternachtsliturgie ist das Überbleibsel eines Brauches, der im christlichen Altertum viel weiter verbreitet war. Eine frühmittelalterliche Handschrift berichtet über einen Brauch in Benediktinerklöstern:
„Und wenn es sich trifft, dass die Nacht während des Essens hereinbricht und es nötig wird, ein Licht anzuzünden, dann sagt der Bruder, der das Licht hereinbringt, sofort beim Eintritt in das Haus vor den Älteren mit einer so lauten Stimme, dass es alle hören können: Lumen Christi und alle sagen: Deo gratias.“

Bei archäologischen Funden wurden Lampen aus der Zeit um 400 entdeckt, die mit dem Christusmonogramm und den Worten Deo gratias geschmückt sind. Der Historiker Franz Dölger hat darum 1936 vermutet, dass der Ruf Lumen Christi - Deo gratias bereits in dieser Zeit Teil einer abendlichen Lichtbegrüßung und -danksagung war.

Bräuche in Verbindung mit dem Entzünden und Hereintragen von Lichtern kannte auch schon die vorchristliche Antike. Das Lucernarium, das festliche Anzünden des Lichtes, dürfte bereits sehr früh zu den abendlichen Versammlungen der Christen gehört haben. Das angezündete Licht wurde zum Symbol für Christus. Der Ritus bringt den Dank für die Gabe des Lichtes zum Ausdruck, ist aber auch Bitte um die Wiederkunft Christi. In der römischen Liturgie hat sich dieses Lucernarium nur in der Osternacht erhalten.

Benjamin Leven