Lesung

In Gottesdiensten die Verkündigung eines Abschnitts aus der Heiligen Schrift (Perikope). Während die Lesung aus dem Evangelium vom Priester oder Diakon vorgetragen wird, steht der Vortrag der übrigen Lesungen Laien (Lektoren, lat. lector = Leser) zu.

Im Stundengebet gibt es außer den biblischen Lesungen so genannte Väterlesungen. Mit "Vätern" sind die Männer und auch Frauen gemeint, die als Heilige und/ oder als hervorragende Theologen für die Kirche prägendes Schriftgut hinterlassen haben.

Ist es sinnvoll, in Kindergottesdiensten Geschichten zu verwenden? S. B.

Wenn eine Geschichte zur Verdeutlichung und Vertiefung einer Schriftlesung und nicht anstelle derselben erzählt wird, kann dies durchaus sinnvoll sein. Grundsätzlich aber gehören Geschichten in den Bereich der Katechese, während im Mittelpunkt des Verkündigungsteils der Liturgie die Heilige Schrift steht: Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament sowie die Verkündigung des Evangeliums, in denen Gott zu uns Menschen spricht. Die wichtige Bedeutung der Bibel in der Liturgie als Gottes Wort kommt dadurch zum Ausdruck, dass diese Texte vom Ambo aus verkündet werden. Andere Texte, darunter sämtliche Gebete (mit Ausnahme der Fürbitten), Ankündigungen und Geschichten werden von einem anderen Ort aus gesprochen. Wenn eine verdeutlichende Geschichte erzählt wird, soll diese in Inhalt, Länge und Gestaltung nicht die biblische Lesung überdecken, so dass diese wie eine Verdeutlichung der Geschichte wirkt. Eine Geschichte soll vielmehr pointiert einen Aspekt der biblischen Verkündigung herausstellen und Hilfen geben zum Verstehen bzw. zum Übertragen auf andere Zusammenhänge, v.a. das Leben der Gottesdienst Feiernden. Geschichten sollten nach Möglichkeit frei erzählt werden. Nicht bei jeder Schriftlesung ist eine zusätzliche Geschichte sinnvoll, z.B. wenn das Evangelium selbst erzählenden Charakter hat (Gleichnis u.a.).

Eduard Nagel

Als Küsterin muss ich in Lektionar und Messbuch die Bändchen einlegen. An nicht gebotenen Heiligengedenktagen stehen im Direktorium die Lesungen vom Tag und vom Gedenktag zur Auswahl. Gibt es Regeln, was zu nehmen ist, oder wer entscheidet? E. M.

Für die Werktage im Jahreskreis gibt es eine „lectio continua“, eine „fortlaufende Lesung in Auswahl“. Ihr Sinn ist, dass innerhalb eines Jahres die Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas einmal ganz und die wichtigsten anderen Teile der Heiligen Schrift in regelmäßigen Abständen gelesen werden. Für die Erste Lesung gibt es zwei Jahreszyklen (I und II), durch die besonders bedeutungsvolle Teile der Schriften des Alten und Neuen Testaments abgedeckt werden. Für die „Geprägten Zeiten“ (Advent, Weihnachtszeit, Fastenzeit, Osterzeit) sind Lesungen mit einem besonderen Bezug zur Festzeit zusammengestellt; sie wiederholen sich jährlich. Auf diese Weise sollen Gläubige, die regelmäßig die Eucharistie feiern, über die Jahre hinweg möglichst umfassend dem Wort Gottes begegnen. Wo nicht täglich Eucharistie gefeiert wird, kann aus den Lesungen der jeweiligen Woche ein Vorschlag ausgewählt werden. Für Heiligengedenktage werden zum Leben der entsprechenden Heiligen passende Lesungen vorgeschlagen. Diese können genommen werden, wenn das Heiligengedächtnis hervorgehoben werden soll. Die Entscheidung, was genommen wird, trifft der Zelebrant - entweder durch eine grundsätzliche Anordnung oder jeweils für den Einzelfall - hoffentlich rechtzeitig, damit sich Küster/in und Lektor/in entsprechend vorbereiten können.

Redaktion

In unserem Kinderliturgiekreis kam die Frage auf, ob man bei Kinder-Wort-Gottes-Feiern auch aus einer Kinderbibel vorlesen kann. Einige von uns meinen, nein. Können Sie Auskunft geben? C. G.

Die Verkündigung aus der Heiligen Schrift ist Kernstück jeder Wort-Gottes-Feier. So dürfen biblische Lesungen auch in Kindergottesdiensten nicht fehlen. Es ist wichtig, deutlich zu machen, dass hier nicht irgendwelche Geschichten erzählt werden, sondern dass das Wort Gottes aus der Heiligen Schrift für uns Christen von ganz besonderer Bedeutung ist. Das kommt u. a. zum Ausdruck, wenn vom Ambo aus und aus einem kostbar gestalteten Buch vorgetragen wird, wenn Weihrauch und Kerzen zur Verehrung des Wortes Gottes eingesetzt werden. Dies kann man auch im Kindergottesdienst verwirklichen. Das heißt v. a. nicht von losen Zetteln ablesen, sondern aus einem richtigen und schönen Buch. Da kommen zunächst die beiden Bände des „Lektionars für Kindermessen“ in Frage. Da darin aber nicht alle biblischen Texte enthalten sind, und da v. a. für nicht eucharistische Kindergottesdienste an Werktagen geeignete Schriftlesungen frei gewählt werden können, kann auch eine geeignete Kinderbibel zum Einsatz kommen. Das „Direktorium für Kindermessen“ von 1973 empfiehlt daneben auch den Gebrauch von Bibelausgaben, die in der Katechese Verwendung findet. Dabei gilt aber: Die Texte sollen keine Paraphrasen sein, sondern wirklich den Bibeltext wiedergeben. Da nicht alle Kinderbibeln den genannten inhaltlichen und gestalterischen Kriterien entsprechen, sollte man genau hinschauen.

Redaktion

Wir wollen in unserer Gemeinde damit beginnen, im Sonntagsgottesdienst beide vorgesehenen Lesungen mit passenden Einführungstexten vorzutragen. Was sollten wir dabei beachten?

Grundsätzlich ist es wichtig, darauf zu achten, dass alle aufmerksam zuhören können. Dazu braucht es ruhige Übergänge zwischen den einzelnen Elementen. „Fliegende Wechsel" zum Ambo sind wie jede Form von Hektik zu vermeiden. Ein kurzer Moment der Stille dagegen ist sehr wohltuend. Hilfreich sind außerdem Sprecherwechsel: Z.B. tragen zwei Lektor/innen je eine Lesung vor, oder eine/r übernimmt die Einführungstexte, der/die andere die Lesungen. Der Wechsel zwischen einer weiblichen und einer männlichen Stimme kann zusätzlich die Aufmerksamkeit der Hörenden erhöhen. Diesem Ziel dienen auch Einführungstexte zu den Schriftlesungen. Sie sind kurz und klar, führen zum Folgenden hin und motivieren zum Hinhören. Der/die Sprecher/in wendet sich informierend oder fragend an die Gemeinde, redet sie u.U. auch direkt an - meist in der „wir"-Form. Es kann das biblische bzw. geschichtliche Umfeld der Lesung skizziert oder auf eine aktuelle bzw. allgemeine Situation Bezug genommen werden. In praxis gottesdienst sind regelmäßig Einführungstexte zu den Schriftlesungen der Sonntage abgedruckt. Der Antwortpsalm nach der Ersten Lesung und der Ruf vor dem Evangelium sollten dann von Kantor/in und Gemeinde gesungen werden.

Redaktion

Ein neuer Lektor bei uns meint, die Anordnung der Zeilen im Mess-Lektionar entspreche oft nicht den üblichen Leseregeln. Z. B. beginne oft eine Zeile mitten im Satz mit „und", während nach einem Doppelpunkt der Text einfach weiterlaufe. Warum ist das so? G. K

Die Zeilen im Mess-Lektionar sind als Sprechzeilen ausgeführt, d. h. sie fassen Einheiten zusammen, die im Sprechen bzw. im Hören als Einheiten erfasst werden sollen. Das kann im Einzelfall ein einziger Ausdruck sein, wenn er herausgehoben werden soll, wie etwa: „Heilt Kranke, / weckt Tote auf, / macht Aussätzige rein, / treibt Dämonen aus!“ Da hat jeder Ausdruck so viel Gewicht, dass er als eigener Satz zu sprechen ist. Umgekehrt kann eine Einheit zwei kurze Sätze einschließen wie z. B.: „Er sagte: Komm!“. In diesem Fall machen wir ja im normalen Sprechen auch keine Pause nach dem Doppelpunkt. Wenn eine Zeile eingerückt ist, bedeutet das, dass diese der vorangehenden untergeordnet ist, so dass nur eine ganz kurze Pause zu machen ist, oder dass eine längere Einheit anders nicht Platz gefunden hat. Die Regeln, nach denen die Sprechzeilen eingerichtet wurden und wie damit umzugehen ist, stehen als Anhang in jedem Band des Mess-Lektionars. Die Sprechzeilen können natürlich nicht die Vorbereitung ersetzen, aber sie erleichtern diese und den Vortrag selbst. Insbesondere sagen sie nichts darüber aus, welche Teile oder einzelnen Worte besonders zu betonen sind.

Bei manchen Lesungen fällt es mir als Lektorin schwer, zum Schluss den Zuruf „Wort des lebendigen Gottes" auszusprechen. Am 6. Sonntag im Jahreskreis B endete die Lesung mit den Worten: „Er ist unrein. Er soll abgesondert wohnen, außerhalb des Lagers soll er sich aufhalten." Da konnte ich diesen Zuruf nicht aussprechen und habe gesagt: „Das waren die Worte der ersten Lesung." Daraufhin wusste die Gemeinde nicht, was sie antworten sollte. Gibt es einen anderen Zuruf, auf den die Gemeinde leicht antworten kann? B.S.

Im Messbuch und im Lektionar steht an der entsprechenden Stelle: "Wo nach der Lesung ein Ruf der Gemeinde üblich ist, lautet dieser: Wort des lebendigen Gottes. - Dank sei Gott." Das "Wo … üblich ist", bedeutet, dass dieses Element nicht streng vorgeschrieben ist. Tatsächlich gibt es Gemeinden, in denen grundsätzlich darauf verzichtet wird. Wo er aber üblich ist, kann ein Weglassen die Gläubigen irritieren. Darum wurde schon verschiedentlich der Vorschlag gemacht, bei Lesungen mit einem negativen Schluss einen Zuruf zu verwenden wie "Worte der Heiligen Schrift", "Worte aus dem Buch des Propheten N.", "Worte aus dem Brief des Apostels Paulus" o. ä. Auf einen solchen Zuruf werden die Gläubigen in der Regel ohne Zögern mit "Dank sei Gott!" antworten.

Der Satz, den Sie gebraucht haben, war sachlich angemessen, aber als Aussagesatz hat ihn die Gemeinde nicht als Zuruf empfunden und war wohl darum verunsichert.

Eduard Nagel