Doxologie

Der Begriff Doxologie (griech. dóxa = „Ruhm, Ehre, Glanz, Herrlichkeit“) bezeichnet den als feierlichen Ausruf geformten Lobpreis Gottes und seiner Herrlichkeit, meist in trinitarischer Form, d. h. unter Nennung der drei göttlichen Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist. Im engeren liturgischen Sinn wird unterschieden zwischen der so genannten „Großen Doxologie“ (Gloria in excelsis Deo = „Ehre sei Gott in der Höhe“) und der „Kleinen Doxologie“ (Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto = „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist“).

Daneben gibt es andere Formen wie diejenigen am Ende des Eucharistischen Hochgebets der Messfeier („Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit“), am Ende des Herrengebetes („Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“) und im Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen, einem alttestamentlichen Canticum (biblischer Hymnus), der am Sonntag in die Psalmodie der Laudes - aufgeteilt in Dan 3,57-88 und 52-57 - einfügt wird. Doxologien werden am Ende nochmals mit einem Amen bekräftigt.

Sie drücken in Worten und Zeichenhandlungen die Anerkennung des großartigen Wirkens Gottes in Geschichte und Gegenwart, besonders aber durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi, aus.

Manuel Uder, Trier

Warum endet das Vaterunser in der Messfeier anders als im Neuen Testament (Mt 6,9-13) mit dem Zusatz „Denn dein ist das Reich...“? J. H.

Das Vaterunser dürfte schon sehr früh im Gottesdienst verwendet worden sein. Doch gerade im gottesdienstlichen Gebrauch wurde es wohl als unbefriedigend empfunden, dass es mit einem negativen Schluss endet („...erlöse uns von dem Bösen“). Dies hat offenbar dazu geführt, dass man einen Lobpreis (Doxologie) angefügt hat (in Anlehnung an 1 Chr 29,10f.).
Einer der ältesten Zeugen für diese Praxis stellt die Didache („Lehre der Zwölf Apostel“) dar, eine um das Jahr 100 entstandenen Schrift, die u. a. Aufschluss über Glaube und Liturgie der frühen Christen gibt. Dort heißt es: „Denn dein ist die Kraft und die Ehre in Ewigkeit.“ Im Hintergrund der Formel steht die Gewissheit, dass allein Gott die Kraft besitzt, den Menschen der Macht des Bösen zu entreißen, weshalb ihm allein die Ehre, die „Herrlichkeit“, gebührt. Das später vorangestellte „Reich“ spricht die gegenwärtige Herrschaft Gottes an, die sich mit ihrem Kommen auf die Erde vollkommen („in Ewigkeit“) durchsetzen wird.
Im Laufe der Liturgiegeschichte ging die Vaterunser-Doxologie verloren. Erst das im Zuge der Liturgiereform erneuerte Römische Messbuch Papst Pauls VI. (1970) führte sie wieder ein. Da sie auch zum Gebetsschatz fast aller ostkirchlichen und reformatorischen Kirchen gehört, ist sie ein Element von ökumenischem Wert.

Manuel Uder, Trier

Warum steht im „Gotteslob“ nach jedem Psalm das „Ehre sei dem Vater“, obwohl es in der Messe oft weggelassen wird? K. R.

Das Christentum verstand die Psalmen lange Zeit einseitig als Gebete Christi, die er selbst oft gebetet hat (vgl. z.B. Mt 27,46 mit Ps 22,2), und sah durch Tod und Auferstehung Christi in ihnen „einen messianischen Sinn“, weswegen das ganze Psalmenbuch aus der jüdischen Bibel übernommen wurde (vgl. Allgemeine Einführung in das Stundengebet, Nr. 109; GL 30).
Entsprechend wurden sie „verchristlicht“, was besonders an der Kleinen Doxologie, dem „Ehre sei dem Vater“, am Ende der Psalmen erkennbar ist, die erstmals im 5. Jh. belegt ist und die bereits Benedikt von Nursia im 6. Jh. als selbstverständlich festschreibt (vgl. Regula Benedicti, Kap. 9,2.6 und weitere Stellen). Sie „verleiht dem alttestamentlichen Gebet den Charakter des Lobes, zugleich auch christologischen und trinitarischen Sinn“ (AES 123). Obwohl das Zweite Vatikanische Konzil das Psalmengebet zunächst als „die Stimme der Braut, die zum Bräutigam spricht“ (SC 84), versteht, wurde die Doxologie am Ende der Psalmen beibehalten.
Dass sie dennoch in der Praxis entfällt, dürfte aus Respekt gegenüber dem Judentum geschehen und soll wohl deren Älterenrechte an den Psalmen einräumen sowie die nachträgliche christliche Vereinnahmung rückgängig machen.

Christoph Neuert