Heft 3/2020Schwerpunkt: Interreligiöser Dialog

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Nigeria ist ein Land des Zwiespalts. Auf der einen Seite stammen die berühmtesten afrikanischen Schriftsteller/-innen wie Chinua Achebe und Chimamanda Ngozi Adichie aus diesem westafrikanischen Land. Die Hauptstadt Lagos ist die Geburtsstadt der als »Afrobeat« bezeichneten Musikrichtung. Mit 2.000 Filmen pro Jahr belegen die nigerianischen »Nollywoodfilme« den zweiten Platz der Jahresfilmproduktion – direkt hinter dem indischen »Bollywood«. Auf der anderen Seite ist Nigeria noch immer stark gezeichnet von Gewaltexzessen, die als religiös legitimiert gelten. In den vergangenen zehn Jahren ist Boko Haram zu einer Terrorgruppe herangewachsen, die das Land und dessen Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Zwei Millionen Binnenvertriebene sind auf der Flucht.

Im Januar 2020 reiste eine missio-Delegation nach Nigeria. Neben einer gemeinsamen Konferenz mit der Nigerianischen Bischofskonferenz in Abuja zum Thema »Frieden durch interreligiösen Dialog« besuchte die Delegation auch Projekte in Yola und Jos, die missio seit vielen Jahren fördert. Die dabei gewonnenen Einblicke sind in die Schwerpunktartikel dieses Heftes eingeflossen.

Gideon Pwakim analysiert den aktuellen nigerianischen Landeskontext und diskutiert das Potenzial einer »Theologie der Gastfreundschaft« als Handlungsansatz. Michael Boni Bazza, selbst Opfer von Boko Haram, schildert seine Eindrücke in einem persönlichen Erfahrungsbericht. Im Interview erklärt Sr. Agatha Chikelue, warum das Engagement von Frauen in der Friedensarbeit unverzichtbar ist. Diese Meinung teilt auch die Ordensschwester Marie Catherine Kingbo mit Blick auf den interreligiösen Dialog in Niger. Josef Stamer beschreibt die Entwicklung des interreligiösen Zusammenlebens in Mali, wo über 90 Prozent der Bevölkerung dem Islam angehören. Andreas Renz komplementiert den Themenschwerpunkt dieses Heftes, indem er anhaltende Herausforderungen und erste Erfolge interreligiösen Zusammenarbeitens in Deutschland benennt.