Heft 1/2009Seelsorge statt Kirchensorge

Inhalt

Es gibt sie auch in der Kirche, die „Institutionalisierungsfalle". Sie ist überall dort ausgelegt, wo Seelsorger in allerbester Absicht bemüht sind, ihren pastoralen Dienst möglichst gut auszufüllen. Und die sich dabei so sehr mit Strukturfragen, Institutionalisierungsproblemen, Organisationsentwicklung et cetera beschäftigen, dass sie sich schließlich selbst nicht mehr in ihrer Profession heimisch fühlen und merken, dass die eigene Person zum Fremdkörper in der Seelsorge geworden ist. Weil sie sich zu sehr mit unpersönlichen Strukturen und zu wenig mit der eigenen Seele beschäftigt haben.

Die angemessene Antwort auf die Gefahr einer Struktur- beziehungsweise Kirchenfixierung besteht in der Seelsorge natürlich nicht in der Pflege eines kultivierten Chaos, sondern im Bemühen, bei aller Strukturdiskussion im Umgang mit anderen Menschen das Schwingen der eigenen Seele spürbar werden zu lassen. Oder mit anderen Worten: Spirituell anregend zu sein. Doch um anregend zu sein, müssen sich Seelsorger zunächst selbst immer wieder neu anregen lassen.

Auf die Notwendigkeit und Gefahren einer isolierten Kirchensorge geht der Anzeiger für die Seelsorge in diesem Monat ein.