Über 1.700 archäologische Fundorte in Äthiopien dokumentiert

Ein internationales Team der Universität Jena, des Deutschen Archäologischen Instituts, der Universität Addis Abeba und der Antikenbehörde von Äthiopien dokumentiert mehr als 1.700 archäologische Fundorte in der nordäthiopischen Provinz Tigray.

Steinkirche Äthiopien
Kirche des Abba Pentelewon (Tigray/Äthiopien).Foto: Wolbert Smidt

In der Provinz Tigray, entlang antiker Handelsrouten, auf denen über Jahrhunderte Gold, Elfenbein, Ebenholz und Weihrauch gehandelt wurden, haben vergangene Kulturen zahlreiche Spuren hinterlassen. Zu finden sind hier beispielsweise mehr als 5.000 Jahre alte Felszeichnungen, monumentale Tempel der äthio-sabäischen Kultur aus dem 1. Jahrtausend v. Chr., Zeugnisse des spätantiken Aksum-Königreiches oder spektakulär gelegene, in den roten Sandstein geschlagene christliche Kirchen.

Ein internationales Team der Universität Jena, des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), der Universität Addis Abeba und der äthiopischen Antikenbehörde hat seit 2022 in einem von der Gerda-Henkel-Stiftung geförderten Projekt den „Ethiopian Heritage Digital Atlas“ (EHDA) erstellt. Dieser kartiert und bündelt Informationen zu bisher rund 1.700 archäologischen, paläo-anthropologischen, historischen christlichen Fundstätten in Tigray, Äthiopien. Ziel des nun fertig gestellten, webbasierten Atlasses ist es, die Kulturdenkmäler Äthiopiens zu dokumentieren und so besser erhalten zu können, sagt Prof. Dr. Norbert Nebes von der Forschungsstelle Antikes Südarabien und Nordostafrika der Universität Jena, der das Projekt geleitet hat.

Fundstätten sind von unterschiedlichen Risiken bedroht

Hauptkooperationspartner des Teams vor Ort ist Prof. Mulugeta Feseha von der Universität Addis Abeba. Er benennt die Herausforderungen für die Arbeit des Teams. „Die Fundstätten sind von unterschiedlichen Risiken bedroht, wie dem Klimawandel, der Erosion und Überflutungen verstärkt, über Infrastrukturmaßnahmen und nicht zuletzt die Kriegsereignisse der vergangenen Jahre.“ Auch Raubgrabungen seien ein nicht unerhebliches Problem. Zudem sind viele der antiken Plätze mit neuen Gebäuden, etwa Kirchen, überbaut. „Oftmals wissen die Menschen gar nicht, auf welchen Fundamenten diese stehen.“

Kernstück des EHDA ist ein Geoinformationssystem, das Fundplätze, Monumente und Objekte erfasst und in einer Landkarte mit archäologischen und geografischen Informationen verknüpft. Zusammen mit Fotos, Luft- und Satellitenaufnahmen, Informationen aus Museums- und Kunsthandelsdatenbanken sowie Forschungsdaten ist der Atlas zu einem umfassenden Register der regionalen Kulturstätten herangewachsen.

Bekannte und neue Fundstätten und Zeugnisse

Neben bekannten Orten sind in den EHDA auch neue, bisher unbekannte Fundstätten in Äthiopien eingegangen. „Die gibt es in großer Zahl“, sagt Dr. Wolbert Smidt von der Forschungsstelle Antikes Südarabien und Nordostafrika der Universität Jena. Gar nicht selten bekommen die Forschenden von der Bevölkerung vor Ort Informationen über antike Inschriften, die etwa in Wohn- oder Geschäftsgebäuden aufgefunden werden und teilweise zweieinhalb Tausend Jahre alt sind.

Smidt berichtet von einem aktuellen Fall: eine Kirche aus dem 6. bis 7. Jahrhundert n. Chr. auf einem Hügel nicht weit von Yeha, dem Ort, an dem sich Nebes und das Jenaer Team gemeinsam mit dem DAI seit Jahren Ausgrabungen der Sabäer-Kultur widmen. „Die Kirche steht auf alten Fundamenten, der Hügel ist eine antike Kultstätte“, so Smidt. Bedingt durch den Krieg der zurückliegenden Jahre sei das Areal nicht ausreichend geschützt gewesen und so haben starke Regenfälle zu einem Abrutschen eines Teils des Hügels geführt.

Mit den dabei freigelegten antiken Fundamenten kam auch eine bislang unbekannte sabäische Inschrift auf einem Steinblock zum Vorschein. Diese wird nun vom Jenaer Epigrafiker Norbert Nebes analysiert, bevor sie gemeinsam mit dem äthiopischen Team publiziert werden soll. Auch nach Abschluss des aktuellen Projekts, so das Team, werden die Forschung und das Bemühen um den Erhalt der jahrtausendealten Kulturgüter fortgeführt.

Meldung der Universität Jena

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