Scholastik

Mithilfe der scholastischen Methode versuchte man in den damaligen Klosterschulen, die Philosophie der Antike und die biblische Botschaft in Einklang miteinander zu bringen. Die Scholastiker versuchten ihren Schülern dies mithilfe der Lehre der Kirchenväter beizubringen.

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Historischer Kontext

Die Kirche hatte im Mittelalter eine große geistliche und politische Macht. Kirche und Glauben prägten daher das mittelalterliche Denken – im Hoch- und Spätmittelalter jedoch erschütterte die Wissenschaft das bisherige Weltbild und Gottesverständnis der Menschen. Der Verweis auf die göttliche Schöpfung war nun für einen Beweis von Gottes Existenz nicht mehr ausreichend.
Man konzentrierte sich auf die spätantiken Schriften über Astronomie, Geografie oder Geometrie, die aus dem Osten kamen und neu übersetzt wurden. Den Philosophen des alten Griechenlands wurde ebenfalls Aufmerksamkeit geschenkt.
Scholastiker waren hauptsächlich Ordensangehörige, wie etwa Anselm von Canterbury, Thomas von Aquin, Meister Eckhart und Albertus Magnus. Viele Scholastiker hatten Führungspositionen in den Klosterschulen inne, aus denen später die Universitäten entstanden.

Die Entwicklung der Scholastik

In der Frühscholastik (ca. 800 – 1200 n.Chr.) bildete sich die Methode heraus und die Schriften des Aristoteles gewannen an Relevanz. Die Hochscholastik (ca. 1150 - 1300) galt als Blütezeit dieser Interpretationsmethode. In der letzten Epoche, der Spätscholastik (ca. 1300 - 1400) wurde diese Methode immer weniger verwendet. Die Humanisten der Renaissance sagten der Scholastik gänzlich ab. Auch Martin Luther zeigte sich als entschiedener Gegner gegenüber den Scholastikern und verfasste hundert kritische Thesen dazu. Im 19. Jahrhundert befasste man sich wieder neu mit scholastischen Lehren, besonderes jenen von Thomas von Aquin.

Die scholastische Methode

Die philosophischen Texte wurden zunächst kommentiert. Als Basis dafür nutzte man kirchliche Lehrmeinungen sowie die Bibel. Darauf folgte der Versuch, die kontroversen Streitpunkte, die den Text betrafen, durch Diskussionen und logischem Denken zu klären. Oftmals berief man sich in solchen Streitgesprächen auf kirchliche Autoritäten (Kirchenväter) wie z. B. Augustinus von Hippo. Neben den christlichen Schriften, den sogenannten auctoritates, studierte man auch die antiken Autoren – am wichtigsten waren die Schriften und Lehren des Philosophen Aristoteles. Charakteristisch für die scholastische Methode ist, dass man grundsätzlich von der Möglichkeit, Glauben und Vernunft zu verbinden, ausging.

Um aus dieser Auseinandersetzung mit zwei konträren Themen eine höhere Erkenntnis zu ziehen, erfanden die Scholastiker eine spezielle Arbeitsmethode, genannt Dialektik. Dialektik meint das Gegenüberstellen dieser beiden Themen zum Zweck der Wahrheitsfindung. „Sein oder nicht sein“ ist beispielsweise ein dialektischer Satz.

Den Abschluss bildete die resolutio: der Lehrer verkündete die gültige Lehrmeinung. Nur diese Lehrmeinung ließ sich mit den christlichen Glaubensgrundsätzen vereinen. Hierbei gab man der Entscheidung des Theologen eine höhere Gewichtung als der des Philosophen. Die Philosophie wurde sozusagen als „Dienerin“ der Theologie angesehen, die sich der theologischen Wahrheit unterordnen musste.
Die scholastische Methode war die zu dieser Zeit bekannteste und verbreitetste Beweisführungsstrategie.  

Ziel der Scholastik

Es galt nicht, den Glauben an sich zu beweisen, sondern die unumstößliche Wahrheit, die er bereits hatte, logisch begründen zu können. Glaube sollte also nicht durch Wissenschaft ersetzt werden, sondern vielmehr mit ihr verbunden werden. Außerdem war es Ziel der Scholastik, dem einfachen Menschen das Übernatürliche näherzubringen und geordnetes Verständnis zu schaffen.
Für den Scholastiker Thomas von Aquin waren die naturwissenschaftlichen Gesetze ein weiterer Beweis für die Herrlichkeit und Größe Gottes.

Kritik an der Scholastik

Die Scholastik hatte besonders in der Renaissance einige Kritiker. Folgende Kritikpunkte wurden häufiger angeführt:

  • Die scholastischen Texte sind in schwierigem, unverständlichem Latein verfasst.
  • Die Scholastik stützt sich zu sehr auf den heidnischen Philosophen Aristoteles und greift nur Meinungen auf, die es bereits gegeben hat.
  • Die Scholastik geht irrelevanten Fragen nach, die nicht zielführend sind.

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