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Heft 8/2020August

Inhalt

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum …“, so heißt es in einem alten Gebet. Das ist für mich das Ferienmotto schlechthin!

Ferien/Urlaub/freie Zeit ist: wenn für mich Raum und Zeit weit werden. Nicht mehr eingeengt, getaktet sein. Nicht mehr durch Wecker und Termine bestimmt sein; nicht mehr durch Fahrplan oder Stoppuhr. Raum und Zeit werden weit. Das kann ich in diesen Sommerwochen oder auch manchmal am Wochenende genießen. Und vielleicht gelingt es dann auch im Alltag immer besser! Sich Zeit nehmen für die vielen Dinge, die Gott vor unsere Augen stellt. Sommerzeit, Urlaubszeit – Zeit, Gottes Wunder wahrzunehmen und zu genießen:

Für Gottes Wunder nimm dir Zeit. Du kannst sie hier und heute sehn. Die Welt wird uns zum Wunderland, wenn wir nur auf die Suche gehn.
Für eine Muschel nimm dir Zeit. Heb sie behutsam aus dem Sand. Sie zu betrachten sei bereit und sieh den Schatz in deiner Hand.
Für eine Wolke nimm dir Zeit. Am Himmel zieht sie still dahin. Sie zu betrachten sei bereit und frag nicht gleich: „Woher – wohin?“
Und für dich selber nimm dir Zeit. Du lebst, weil Gott dir Leben schenkt. Dies zu bedenken sei bereit und freu dich, dass Gott an dich denkt. (R. Bäcker)

Doch ist es nicht jedes Jahr das Gleiche: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Man arbeitet monatelang auf diesen Sommerurlaub hin. Der ist dann aber viel zu schnell vorbei und der Alltag hat einen wieder, schneller, als einem lieb ist. Ein Gedicht hat mich ins Nachdenken gebracht. Es erzählt vom Urlaub:

„Man packt die Koffer und den Wagen,
dem Alltag ‚Lebe wohl‘ zu sagen,
scheut keine Kosten, keine Mühen,
Man wünscht sich Ruhe und Erholung,
den Urlaub sieht man als Belohnung
für ein Jahr Schaffen und sich Quälen.
Doch lassen sich die Tage zählen,
an denen man beschwingt und heiter,
der alte Trott geht bald schon weiter!
Da wäre es doch angebracht,
dass auch der Alltag Freude macht.”
Jeden Tag Urlaubsfreude!

Das Gedicht verrät auch, wie das gehen könnte:

„Wie wär’s, wenn wir an allen Tagen
den nach dem Ziel des Lebens fragen,
der Tag und Stunden ausgedacht.
Den, der die Welt und uns gemacht?
Er muss doch wissen, was er wollte.
Er kann wohl sagen, was das sollte!“

Urlaub, freie Zeit oder auch nur andere Zeit ist schön. Aber ich glaube, dass es mindestens genauso wichtig ist, dass mich mein Alltag nicht ganz gefangen nimmt. Dass ich im Alltag nicht nur Arbeit und Pflichten sehe. Das können ganz kleine, kurze und auch einfache Dinge sein: der Moment, wenn ich im Auto oder der Bahn sitze und nach Hause fahre und dabei die Felder links und rechts anschaue, die Gärten und Vorgärten der Wohnsiedlung. Oder ich stelle mich abends auf die Terrasse oder den Balkon und freue mich darüber, dass ich mich freuen kann. Ich glaube, darum geht es. Die Zeit, die Zeiten meines Lebens ganz bewusst erleben, jeden Tag neu! Das kann jeden Tag ein kleiner Urlaub sein.

Falls Sie die Urlaubszeit noch vor sich haben – genießen Sie die Vorfreude; wenn Sie den Urlaub hinter sich haben oder in diesem Jahr – vielleicht auch Corona-bedingt – keinen Urlaub irgendwo auf der Welt haben werden, sondern ihn zu Hause oder im eigenen Land verbringen: Es gilt – Gott stellt unsere Füße jeden Tag auf weiten Raum. Das meint: Sehen – wahrnehmen – leben!

In diesem Sinne eine schöne Sommer-und Urlaubszeit, wo immer Sie diese verbringen werden.