Bevölkerungsverluste und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg war wohl der blutigste Krieg der Menschheitsgeschichte. Insgesamt kamen ca. 60 Millionen Menschen ums Leben, davon – und dies war eines der einschneidendsten Merkmale dieses Krieges – etwa die Hälfte Zivilisten. Dies war der Entwicklung zum »Totalen Krieg« geschuldet, einer Radikalisierung der Kriegführung, die mit dem amerikanischen Bürgerkrieg von 1861–65 begonnen hatte und die eng mit der allgemeinen geschichtlichen Entwicklung zusammenhing.

Bevölkerungsverluste und Vertreibung im 2. Weltkrieg
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Barbarischer »Weltanschauungskrieg«

Die gerade auch in Europa stark anwachsende Bevölkerung, die Entstehung von Massengesellschaften mit erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Konflikten auch um Gleichberechtigung und politische Mitsprache, gleichzeitig die Verflechtung von Wirtschaft und Gesellschaft und eine rasende technologischen Entwicklung, die gerade auch im militärischen Bereich eine erhebliche Steigerung der Zerstörungswirkung mit sich brachte, führten fast automatisch zur Ausdehnung aller Planungen und Kriegshandlungen auf die Zivilbevölkerung. Dazu kam die ideologische Aufladung der dem Krieg zugrundeliegenden Konflikte, die schließlich in einen barbarischen »Weltanschauungskrieg« in Osteuropa mündete, für den zuallererst Deutschland verantwortlich zeichnet.

Millionen von Toten

Die Hauptlast des Krieges in Europa trug in jeder Beziehung die Sowjetunion. Der Aderlass der Bevölkerung, der schon durch die Gewaltherrschaft Stalins Millionen betrug, belief sich im Krieg auf über 14 Millionen getötete Zivilisten und ca. 13 Millionen umgekommene Soldaten. Von den 5,7 Millionen gefangenen Rotarmisten kamen 3,3 Millionen in deutschen Lagern um. Umgekehrt waren die Dimensionen nicht weniger erschreckend. Von 3,1 Millionen gefangenen deutschen Soldaten starben 1,3 Millionen. Deutschland verlor insgesamt ca. 6,35 Millionen Menschen, darunter die vielen Toten des Bombenkrieges. Jugoslawien verlor ca. 1,7 Millionen, Polen ca. 6 Millionen. Einen furchtbaren Opfergang hatten auch die Chinesen durchzumachen, die ca. 13,5 Millionen an Toten zu beklagen hatten. Japan verlor ca. 2,1 Millionen Menschen. Die westlichen Staaten hatten – vor allem bei den Soldaten – nur einen Bruchteil der Verluste der Staaten des euroasiatischen Kontinents zu beklagen.

Vertreibung und neue Grenzen

Eine schwerwiegende Folge des Krieges aus deutscher Sicht war die Vertreibung von 12 Millionen Menschen aus den Ostgebieten (u. a. Ostpreußen, Westpreußen-Danzig, Schlesien, Pommern). Die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz vom Juli 1945, wo sich die »Großen Drei« Stalin, Truman und Attlee trafen, legten die Grenzen in Osteuropa neu fest. Der größte Teil der deutschen Bevölkerung dieser Gebiete musste infolgedessen seine Heimat verlassen. Insgesamt kamen allein aus Polen bis zu 7 Millionen Flüchtlinge in die Besatzungszonen.

Die »Westverschiebung« Polens

Auf der Potsdamer Konferenz wurde das gesamte polnische Staatsgebiet um beinahe 150 Kilometer nach Westen verschoben. Die Ostgrenze Polens war nun nahezu identisch mit der Curzon-Linie von 1919 und entsprach weitgehend auch der von HITLER und STALIN 1939 in ihrem geheimen Zusatzprotokoll zum Nichtangriffspakt gezogenen Linie. Neue Westgrenze wurde die Oder-Neiße-Grenze zur sowjetisch besetzten Zone des Reichsgebietes. Aufgrund der Westverschiebung des polnischen Staatsgebietes mussten Millionen Polen ihre Heimat im Osten verlassen, zudem wurden Millionen von Deutschen aus den Ostgebieten vertrieben.

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