Weltbevölkerung und Migration nach dem Kalten Krieg

Im Jahre 2006 überschritt die Weltbevölkerung erstmals die Schwelle von 6,5 Milliarden Menschen. Die Vereinten Nationen erwarten bis zum Jahre 2025 ein Ansteigen der Weltbevölkerung auf 8 Milliarden und bis 2050 auf 9,2 Milliarden Menschen. Für die Zeit danach geht die Prognose von einem allmählichen Bevölkerungsrückgang aus. Allerding basiert diese Prognose auf mehreren Unbekannten, v. a. auf der angenommenen Fertilitätsrate und der als allgemein weiter steigend angenommenen Lebenserwartung.

Weltbevölkerung und Migration nach dem Kalten Krieg
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Menschheit wird älter

Im Jahre 2004 betrug das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 27,6 Jahre, bis zum Jahr 2050 geht man von einer Steigerung auf 38,1 Jahre aus. Das würde einen weltweiten Zuwachs der über 60 Jahre alten Menschen von jetzt rund 10 Prozent auf dann ca. 22 Prozent bedeuten. Gleichzeitig würde der Anteil der Kinder (bis 15 Jahre) bis 2050 von jetzt rund 30 Prozent auf dann nur noch 20 Prozent sinken. Dies sind deutliche Veränderungen gegenüber früheren Prognosen, in denen die Bevölkerungsentwicklung fast immer überschätzt wurde. Vor allem für China stimmten ältere Prognosen fast nie, denn durch die staatliche »Ein-Kind-Politik« konnte die erwartete Bevölkerungsexplosion sehr viel deutlicher begrenzt werden, als allgemein angenommen worden war.

Über ein Drittel in Indien und China

Im Jahre 2008 lebten auf der Erde 6,705 Milliarden Menschen, davon 736 Millionen (11,0 Prozent) in Europa (mit Russland), 4,052 Milliarden (60,5 Prozent) in Asien (mit der Türkei), 967 Millionen (14,4 Prozent) in Afrika, 915 Millionen (13,6 Prozent) in Amerika und 35 Millionen (0,5 Prozent) in Ozeanien. Weit über ein Drittel (37 Prozent) aller Menschen leben allein in den beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Welt, in China und Indien). In China, Indien, der EU und den USA lebt zusammen allein schon fast die Hälfte der Weltbevölkerung.

Ungleich verteilter Reichtum

Die asymmetrische Verteilung des Reichtums auf der Welt ist seit Beginn der 1990er-Jahre weiter gewachsen. Betrug das Durchschnittseinkommen in den reichsten Ländern im Jahre 1990 noch das 60-fache der ärmsten Länder, so war es bis zum Jahre 2000 bereits auf das 80-fache angestiegen. Die Ursachen für die wachsende Kluft zwischen »Arm« und »Reich« sind vielfältig: Einerseits waren die Länder der »Dritten Welt« die Verlierer der Globalisierung, die hier in der Regel eine Verschlechterung aller Lebensbedingungen bewirkte. Gleichzeitig sank nach dem Ende des Kalten Krieges 1991 das Interesse an den Entwicklungsländern und damit auch die finanzielle Unterstützung. In der Folge kam es in den 1990er-Jahren in der »Dritten Welt« zu einer verheerenden globalen Armutskrise. Diese wiederum führte zum Zerfall zahlreicher wirtschaftlicher und politischer Systeme in Afrika und einigen Gebieten Asiens, die dann am Welthandel nicht mehr teilnehmen konnten. Die zum Ende der 1990er-Jahre aufkommenden bisherigen Versuche der reichen Länder zur Verbesserung der Situation der Entwicklungsländer waren nicht erfolgreich. So beschlossen die G7-Staaten 1999 eine Ausweitung des 1996 begonnenen Schuldenerlasses für die ärmsten Entwicklungsländer. Das ehrgeizige »Aktionsprogramm 2015« der Vereinten Nationen aus dem Jahre 2002 zielt auf eine Halbierung des Anteils der Weltbevölkerung, der in Armut und Hunger lebt. Doch stehen dem auch handfeste wirtschaftliche Interessen der reichen Länder entgegen, wie der am Widerstand der Industrie- und Schwellenländer gescheiterte Versuch zeigte, in der Verhandlungsrunde der Welthandelsorganisation (WTO) im mexikanischen Cancún 2003 die Liberalisierung des Welthandels zugunsten der Entwicklungsländer auf den Agrarbereich auszuweiten.

Migration nach dem Kalten Krieg

Im Gefolge der politischen und wirtschaftlichen Misere vieler Entwicklungsländer entwickelten zahlreiche Menschen dort den Wunsch, ihre Heimat zu verlassen und in einem anderen Land ein neues Leben zu beginnen. Aber auch aus den Krisengebieten im zerfallenden Jugoslawien, aus der Türkei bzw. den türkischen und irakischen Kurdengebieten, aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion sowie aus Bürgerkriegsgebieten in Afrika wanderten seit 1990 zahlreiche Menschen aus. Die Hauptziele der internationalen Migrantenströme waren die Länder der Europäischen Union sowie die USA. Allein nach Europa kamen zwischen 1987 und 1997 über 9 Millionen Flüchtlinge, die meisten zwischen 1989 und 1993. In die USA – traditionell das größte Einwanderungsland der Geschichte – kamen zwischen 1990 und 2000 über 11 Millionen Menschen, davon fast drei Viertel legale und illegale Einwandere aus Mittel- und Lateinamerika. Sowohl die Staaten der EU als auch die US-Regierung ergriffen gesetzliche Regelungen, um den Zuzug von Einwanderern und Flüchtlingen zu steuern und letztlich zu begrenzen. Dieser restriktive Umgang mit der Flüchtlingsproblematik führte dazu, dass von der Migration aus den durch Bürgerkriege, Überbevölkerung, Naturkatastrophen und Wirtschaftskrisen zerrütteten Staaten Afrikas und Asiens oft ihre unmittelbaren, meist selbst armen und instabilen Nachbarländer betroffen waren. Für die Zukunft befürchten Wissenschaftler und internationale Organisationen vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung vor allem einen Anstieg der ökologisch bedingten Migration. So warnte die UNO auf der UNO-Klimakonferenz in Bonn im Juni 2009, dass bis zum Jahr 2050 rund 200 Millionen Menschen wegen des Klimawandels ihre Existenzgrundlagen verlieren und auf der Flucht sein könnten. Vor allem Menschen aus Entwicklungsländern, Inselstaaten und Küstenregionen werden zuerst davon betroffen, Ziele der Migration werden die reichen, sicheren Staaten sein. Somit könnte der Verteilungskampf einer wachsenden Weltbevölkerung um immer knapper werdende Ressourcen zur bedeutsamen Konfliktlinie der Zukunft werden.

Die größten Städte der Geschichte mit Zahl der Einwohner

Im Jahre 100

  • Rom: 1.000.000
  • Alexandria: 600.000
  • Antiochia: 500.000
  • Luoyang (China): 400.000
  • Karthago: 300.000

Im Jahre 1000

  • Kaifeng (China): 500.000
  • Córdoba: 450.000
  • Konstantinopel: 430.000
  • Angkor (Kamb.): 200.000
  • Kyoto: 175.000

Um 1500

  • Peking: 670.000
  • Vijayanagar: 500.000
  • Kairo: 400.000
  • Paris: 300.000
  • Hangzhou (China): 250.000

Um 1900

  • London: 7.200.000
  • New York: 4.800.000
  • Paris: 2.900.000
  • Chicago: 2.200.000
  • Wien: 2.100.000

Um 2000

  • Tokio-Yokohama: 37.200.000
  • Mexiko-Stadt: 23.000.000
  • New York: 23.000.000
  • Seoul: 22.300.000
  • Bombay: 20.900.000

Die Entwicklung der Weltbevölkerung

8000 v. Chr.: ca. 5 − 10 Millionen

Zeitenwende: ca. 300 Millionen

Um 1000: ca. 300 Millionen

Um 1500: ca. 500 Millionen

1804: 1 Milliarde

1927: 2 Milliarden

1960: 3 Milliarden

1974: 4 Milliarden

1987: 5 Milliarden

1999: 6 Milliarden

2009: 6,8 Milliarden

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