3. Oktober 1989: Was bleibt 30 Jahre nach der friedlichen Revolution?

Im Oktober 1989 haben viele aus dem Westen mit einer Mischung aus Bewunderung und Besorgnis Richtung DDR geschaut. Einerseits war bewegend, wie mutig die Demokratiebewegung auf die Straße ging. Andererseits war die Frage, ob der Staat reagieren würde wie China am 4. Juni desselben Jahres. Ich habe mich besonders gefreut, dass die evangelische Kirche so eine wichtige Rolle spielte. Der Ruf „Keine Gewalt“ wurde aus den Kirchen auf die Straßen von Rostock, Leipzig, Dresden und Ost-Berlin getragen.

Die Geschichte seit damals ist noch nicht aufgearbeitet. Für die Westdeutschen änderte sich im Grunde nichts, ihr Land war schlicht größer geworden. Für die Ostdeutschen änderte sich fast alles. Betriebe wurden aufgelöst, hohe Arbeitslosigkeit entstand, eine völlig unerwartete und neue Situation. Auf einmal gab es alles zu kaufen, aber wenig Geld. Westdeutsche verscherbelten ihre alten Autos für viel zu hohe Preise. Die Treuhand spielte eine nicht immer rühmliche Rolle.

30 Jahre später sind die meisten angekommen im gemeinsamen Land. Aber es gibt bei manchen ein Gefühl von Ungerechtigkeit, Benachteiligung. Das erzeugt Bitterkeit, die von der AfD gezielt genutzt wird und sich in ihren Wahlergebnissen spiegelt.

Ich denke, es wurde nicht genug Raum gegeben, sich gegenseitig zu erzählen, wie das Leben war im Osten und im Westen. Annäherung braucht Zeit und Respekt.

Außerdem: Der 31. Oktober: Und was bleibt zwei Jahre nach dem Reformationsjubiläum 2017?

Der 31. Oktober ist inzwischen nicht nur Feiertag in Ostdeutschland, sondern auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen. Ich wünsche mir, dass er genutzt wird, um fortzuführen, was 2017 geprägt hat. Denn erstmals wurde Ökumene großgeschrieben und nicht die Abgrenzung der Konfessionen. Zudem haben wir international gefeiert; „die Reformation ist Weltbürgerin geworden“, hieß es. Erstmals gab es auch einen Dialog mit anderen Religionen über Reform und Reformation. Und: Wir haben entdeckt und gezeigt, wie sich ein kirchliches Geschehen ausgewirkt hat auf Sprache, Bildung, Wertvorstellungen.

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