Der Begriff „Mysterium“ stammt aus dem Griechischen (mystērion) und bedeutet „Geheimnis“. In der christlichen Theologie bezeichnet er nicht ein Rätsel, das gelöst werden könnte, sondern eine göttliche Wirklichkeit, die sich dem Menschen entzieht und zugleich in Zeichen gegenwärtig wird. Wenn in liturgischen Texten vom Mysterium die Rede ist, meint dies das Heilshandeln Gottes in Christus, das sich im Gottesdienst ereignet, ohne vollständig in menschlicher Sprache oder Wahrnehmung aufgehen zu können. Das Zweite Vatikanische Konzil beschreibt die Liturgie daher als „Vollzug des Priestertums Jesu Christi“ und als sichtbare Feier des unsichtbaren Heilswirkens Gottes (vgl. SC 7).
Im weiteren Sinn verweist Mysterium auf die bleibende Unverfügbarkeit Gottes. Sein Heilshandeln kann nicht vollständig erklärt werden, sondern nur geglaubt und gefeiert. Im Zentrum jeder gottesdienstlichen Feier steht daher das Pascha-Mysterium Jesu Christi, also sein Leiden, sein Tod und seine Auferstehung als Heilsereignis. In der Liturgie wird dieses eine österliche Geheimnis nicht nur erinnert, sondern sakramental vergegenwärtigt und den Feiernden als Quelle des Heils zugänglich gemacht.
Besonders prägnant zeigt sich der Begriff des Mysteriums im Zusammenhang der Eucharistie. Dort spricht die Kirche vom „Mysterium fidei“ – dem „Geheimnis des Glaubens“ –, das in den Einsetzungsworten und der anschließenden Akklamation der Gemeinde zum Ausdruck kommt. Äußerlich erscheinen Brot und Wein als einfache Gaben, doch im Glauben bekennt die Kirche ihre Wandlung in Leib und Blut Christi. Was sinnlich wahrnehmbar bleibt, ist zugleich Träger einer verborgenen Wirklichkeit: Christus selbst schenkt sich in der Kommunion den Feiernden. So verbindet die Eucharistie das Sichtbare mit dem Unsichtbaren und macht das Heilsgeschehen sakramental gegenwärtig.
Manuel Uder, Trier