Erstkommunion

Die Eucharistie zählt mit den Sakramenten der Taufe und der Firmung zu den Initiationssakramenten (von lat. initiare = einführen), durch die der Mensch feierlich in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen wird.

Noch bis ins Hochmittelalter hinein empfingen Säuglinge direkt nach der Taufe die Erstkommunion, indem der Priester einen Finger in konsekrierten Wein eintauchte und diesen dem Säugling gab. Erhielten Säuglinge nicht sofort nach der Taufe die Kommunion, galt ihr Seelenheil im Falle des plötzlichen Todes als gefährdet. Im 12. Jahrhundert gab man jedoch die Praxis der Säuglingskommunion auf, da man nun eine allgemeine Scheu davor entwickelte, Laien konsekrierten Wein darzureichen. Je nach Region schwankte in den folgenden Jahrhunderten das Erstkommunionalter zwischen sieben und 14 Jahren. Die Vorbereitung und die Festsetzung des Termins geschah individuell durch die Eltern. Erst die Jesuiten förderten eine gemeinschaftliche Erstkommunionkatechese sowie eine eigene Feier.

Die heutige Praxis geht auf Papst Pius X. zurück, der Erstkommunionalter 1910 mit dem Dekret Quam singulari auf etwa sieben Jahre festsetzt. Die Vorbereitung der Kinder auf die feierliche Erstkommunion stellt eine Kernaufgabe des Gemeindelebens dar, an der sich Haupt- und Ehrenamtliche gleichermaßen beteiligen. Der Termin in der Osterzeit - traditionell am „Weißen Sonntag“ -, das (vielerorts auch für Jungen übliche) weiße Kleid, das Mitführen einer Kerze, z.T. sogar der Taufkerze, und die Erneuerung des Taufversprechens erinnern noch an den frühkirchlichen Zusammenhang der Erstkommunion mit der Taufe.

Alexander Birkel, Trier

Als Katechetin in unserer Gemeinde bin ich mit der Fragekonfrontiert, ob die Erstbeichte vor der Erstkommunion wirklich vorgeschrieben ist und, wenn dies stimmt, welche Argumente, Hintergrundinformationen usw. es zur Begründung gibt oder wo dazu etwas nachzulesen ist. H. K.

Die Vorschrift, die Kinder vor der Erstkommunion zur Beichte zu führen, steht in dem für die ganze römisch-katholische Kirche geltenden Gesetzbuch, dem Codex Iuris Canonici, im Canon 914. Die deutschen Bischöfe gehen auf die Frage, warum es so ist und was bei der Hinführung zu beachten ist, ausführlich ein in dem Heft „Umkehr und Versöhnung im Leben der Kirche. Orientierungen zur Bußpastoral" (1. Oktober 1997; Die deutschen Bischöfe, Nr. 58, zu beziehen beim Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz unter www.dbk-shop.de, hier auch als pdf zum Herunterladen). Darin verweisen sie darauf, dass die Kinder erste Erfahrungen mit diesem Sakrament machen und dabei die heilende und vergebende Nähe Gottes erfahren und die Freude über das Geschenk der Versöhnung kennen lernen sollen. Ausdrücklich schreiben sie, „die Kinder sollen ihre Beichte als hilfreich und heilend und nicht als eine dunkle und angstvolle Erfahrung erleben", damit sie eine positive Einstellung zum Bußsakrament gewinnen und es lieben lernen. Außerdem sollen die Kinder auch zu anderen Formen der Versöhnung hingeführt werden.

Eduard Nagel

Wir hatten lange Jahre den Brauch, für den Erstkommuniongottesdienst eine Bibelstelle zu unserem Thema auszuwählen. Nun will unser neuer Pfarrer nur die Lesungen vom Weißen Sonntag aus dem Lektionar zulassen. Kann er das?

Er kann nicht nur, er muss es sogar, wenn er sich an die geltende Ordnung halten will. Die Sonntage der Osterzeit gehören zu den Tagen, die den höchsten Rang im ganzen Kirchenjahr einnehmen. Für sie sind die Texte verbindlich vorgeschrieben. Das hat seinen Grund darin, dass die Menschen die Botschaft von der Auferstehung in ihrer ganzen Fülle hören sollen.

Auch andere Gründe sprechen dafür, sich im Erstkommuniongottesdienst an die Leseordnung zu halten: Die Kinder werden aufgenommen in die eucharistische Tischgemeinschaft. Sie werden also ein Stück weit erwachsen als Christen. Dem entspricht, dass ihnen auch das zugemutet wird, was den Erwachsenen gebührt. Kinder sind stolz, wenn sie als „Große" ernst genommen werden. Sie kommen immer noch genügend zur Geltung: durch den feierlichen Einzug, durch ihre Kleidung, durch den Ort, den man ihnen zuweist, in der Auswahl der Gesänge, vor allem beim Empfang der Kommunion selbst. Es ist für die Kinder eher entlastend, wenn sie nicht auch noch in der Verkündigung im Mittelpunkt stehen (müssen).

Der Text der ersten Lesung am Weißen Sonntag (Lesejahr A) Apg 2,42-47 bringt zudem so treffend wie kaum ein anderer zum Ausdruck, dass Brotbrechen, Mahlhalten, Beten und „alles gemeinsam Haben" Kennzeichen christlicher Gemeinde sind - damals wie heute.

Redaktion

Ist es sinnvoll, in Kindergottesdiensten Geschichten zu verwenden? S. B.

Wenn eine Geschichte zur Verdeutlichung und Vertiefung einer Schriftlesung und nicht anstelle derselben erzählt wird, kann dies durchaus sinnvoll sein. Grundsätzlich aber gehören Geschichten in den Bereich der Katechese, während im Mittelpunkt des Verkündigungsteils der Liturgie die Heilige Schrift steht: Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament sowie die Verkündigung des Evangeliums, in denen Gott zu uns Menschen spricht. Die wichtige Bedeutung der Bibel in der Liturgie als Gottes Wort kommt dadurch zum Ausdruck, dass diese Texte vom Ambo aus verkündet werden. Andere Texte, darunter sämtliche Gebete (mit Ausnahme der Fürbitten), Ankündigungen und Geschichten werden von einem anderen Ort aus gesprochen. Wenn eine verdeutlichende Geschichte erzählt wird, soll diese in Inhalt, Länge und Gestaltung nicht die biblische Lesung überdecken, so dass diese wie eine Verdeutlichung der Geschichte wirkt. Eine Geschichte soll vielmehr pointiert einen Aspekt der biblischen Verkündigung herausstellen und Hilfen geben zum Verstehen bzw. zum Übertragen auf andere Zusammenhänge, v.a. das Leben der Gottesdienst Feiernden. Geschichten sollten nach Möglichkeit frei erzählt werden. Nicht bei jeder Schriftlesung ist eine zusätzliche Geschichte sinnvoll, z.B. wenn das Evangelium selbst erzählenden Charakter hat (Gleichnis u.a.).

Eduard Nagel