Chor

„Chor“ bezeichnet im Gottesdienst zum einen eine Gruppe von Sängerinnen und Sängern, zum anderen einen Bereich des Kirchenraums. Als Sängergruppe gestaltet der Chor den Gottesdienst durch seinen Gesang mit. Der heutige Kirchenchor steht in einer langen Tradition des kirchlichen Gesangs, die unter anderem auf die mittelalterliche Choralschola zurückgeht. Diese bestand ursprünglich vor allem aus Klerikern und trug die lateinischen Gesänge der Liturgie vor. Im 19. Jahrhundert entstanden daneben zahlreiche bürgerliche Kirchenchöre. Heute gibt es in vielen Gemeinden auch Kinder- und Jugendchöre sowie andere Gruppen, die den Gemeindegesang unterstützen und durch mehrstimmigen Gesang bereichern.

Als Bereich des Kirchenraums bezeichnet „Chor“ ursprünglich den Raum, in dem Kleriker oder Ordensleute das Stundengebet, das sogenannte Chorgebet, verrichteten. In Klosterkirchen und Kathedralen lag dieser Bereich meist vor dem Hochaltar und war häufig durch eine Erhöhung, ein Chorgestühl oder einen Lettner vom übrigen Kirchenraum abgegrenzt. Seine Größe richtete sich unter anderem nach der Zahl der dort betenden Personen. In Nonnenklöstern befand sich der Chor häufig auf einer Empore. Die Bezeichnung hat sich bis heute erhalten, auch wenn sich die räumliche Bedeutung verändert hat: Mit „Chor“ kann heute der Bereich um den Altar ebenso gemeint sein wie die Empore, auf der der Kirchenchor und die Orgel ihren Platz haben.

Die beiden Bedeutungen machen deutlich, dass „Chor“ ursprünglich eng mit der gemeinsamen Feier der Liturgie verbunden ist: Menschen versammeln sich an einem bestimmten Ort, um gemeinsam zu beten und zu singen. Auch wenn ein Chor heute nicht mehr nur aus Klerikern besteht und seine Verortung im Kirchenraum unterschiedlich sein kann, bleibt sein liturgischer Auftrag derselbe: Er ist nicht bloß ein Konzertensemble, sondern übernimmt einen Teil des liturgischen Gesangs und unterstützt die Gemeinde beim gemeinsamen Singen. Besonders dort, wo Chor und Gemeinde miteinander singen, wird erfahrbar, dass Gottesdienst nicht nur etwas ist, das einzelne Personen „aufführen“, sondern eine gemeinschaftliche Feier der versammelten Gemeinde.

Manuel Uder, Trier

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