Heft 2/2017Schwerpunkt: Religion und Gewalt

Inhalt

Der Vorwurf, dass Religion Gewalt hervorbringt, steht nicht erst im Raum, seit Nachrichten über islamistischen Terror beinahe an der Tagesordnung sind. Biblisch gesprochen hängen Religion und Gewalt seit den Tagen von Kain und Abel zusammen. Was wohl eher überrascht: In einer Zeit, da die Bedeutung der Religion in westlichen Gesellschaften abzunehmen scheint, nimmt Gewalt im Namen der Religion zu. Das lässt aufgeklärte Zeitgenossen ratlos zurück – und lässt zugleich nach den Gründen fragen. Nicht selten wird man dabei feststellen, dass Gewaltakte nur vordergründig religiös motiviert sind, weitere und wirkliche Gründe jedoch in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Spannungen zu suchen sind. Schnellen und vorschnellen Zuschreibungen sollten gerade gläubige Menschen mit Skepsis begegnen und genauer hinschauen.

Die Kirche wird in unseren Tagen in unterschiedlicher Weise mit Gewalt konfrontiert. In vielen Ländern werden Christen wegen ihres Glaubens bedrängt und verfolgt, beispielsweise in Indien. Andernorts ist die Kirche als stabilisierender und beruhigender Faktor in Situationen gefragt, die von Gewalt und ihren Folgen geprägt sind, sei es langfristig wie in Kolumbien, sei es spontan wie in Côte d’Ivoire. Schließlich muss sich die Kirche mit Gewalt in ihrem Innern, mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder, auseinandersetzen; dazu leistet das »Centre for Child Protection« in Rom einen unverzichtbaren Beitrag. Und schließlich sind die Christen herausgefordert, immer wieder die Botschaft Jesu als Widerstand gegen Gewalt zu lesen und zu leben, damit der Vorwurf, Religion bringe Gewalt hervor, sich wandelt und Religionen zuallererst mit Frieden in Verbindung gebracht werden.