Die Zinsgesetzgebung in der Septuaginta zu Deuteronomium 23,21 – Übersetzungs- und Sachprobleme aus nicht drittmittelgestützter Forschungsperspektive

Zusammenfassung / Summary

Aufgrund der nachklassischen griechischen Verbalsyntax sollten die Worte der LXX zu Dtn 23,21: tw|/ avllotri,w| evktokiei/j nicht optional übersetzt werden (Vom Fremden magst du Zinsen nehmen), sondern als Anweisung eingestuft werden (Vom Fremden sollst / musst du Zinsen nehmen). Gestützt wird diese Auslegung durch die tannaitisch-jüdische Exegese im Midrasch Sifre zu Dtn § 263, wo der hebräische Basistext $yvt yrknl als sogenanntes positives Gebot eingestuft wird, nicht aber als Hinweis auf eine Wahlfreiheit. Darüber hinaus wurde das innerjüdische Zinsverbot der Bibel im selben Vers (und anderswo) von Teilen der jüdischen Gemeinschaft in Ägypten zur Ptolemäerzeit nicht eingehalten, was heidnischen Lesern des griechischen Bibeltextes wahrscheinlich ebenfalls bekannt war.

Due to the verbal syntax of post-classical Greek, the words of the LXX to Dtn 23,21: tw|/ avllotri,w| evktokiei/j should not be translated optionally (you may exact interest from a stranger), but treated as an injunction (you must exact interest from a stranger). This interpretation is supported by Tannaitic Jewish exegesis from Midrash Sifre to Dtn § 263, where the Hebrew basic text $yvt yrknl is classified as a so-called positive commandment and not interpreted as an indication of freedom of choice. Furthermore, the biblical prohibition of taking interest from a coreligionist in the same verse (and elsewhere) was disregarded by parts of the Jewish community in Ptolemaic Egypt; and this fact was probably also known to heathen readers of the Greek Bible text. 

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