Fußball als Hoffnungsträger

"Damit ihr Hoffnung habt" lautete der Leitgedanke des 2. Ökumenischen Kirchentages im Mai in München. Hoffnung brauchen wir Menschen wie die Luft zum Atmen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß sich Hoffnung mit vielem verbindet und sich an Vieles bindet. Davon bleibt der Sport nicht ausgenommen -- und das ist gut so. Insbesondere sportliche Großereignisse wie die Olympischen Spiele und die Paralympics, Welt- und kontinentale Meisterschaften oder auch nationale Meisterschaften werden so zu Hoffnungsträgern unterschiedlichster Art. Und was für das Große gilt, gilt auch auf der Ebene des Breitensports. Wenn zum Beispiel der katholische Sportverband DJK zu einem Bundesbreitensportfest 6000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammenführt, verbindet er damit ebenso Hoffnungen wie ein Sportverein oder eine Pfarrgemeinde beim Sport- oder Pfarrfest.

Wer in diesen Tagen und Wochen die Auslagen von Buchhandlungen betrachtet, bekommt eine Ahnung vom Hoffnungspotential des Fußballs. Lexika über die Geschichte des Fußballsports liegen einträchtig neben Spruchsammlungen der Fußballstars, Lebensweisheiten aus der Welt des Fußballs sind ebenso anzutreffen wie Abhandlungen über die Mythologie desselben, und ein Titel wie "Fußball unser" möchte wohl das angeblich Religiöse von König Fußball zum Schwingen bringen. Es ist schon irgendwie faszinierend, wie eine Sportart vom wissenschaftlich Nüchternen bis zum nahezu Exstatischen mühelos alles abzudecken scheint oder sich zumindest dafür eignet. Eine Vielzahl von Verhaltensregeln, Bräuchen und Praktiken, die sich für den Fußballfan mit seinem "Heiligtum Fußball" verbinden, machen ihn zweifellos zu einem "Kult" oder verleihen ihm zumindest kultartigen Charakter.

Als noch niemand das "Sommermärchen" voraussehen konnte, stellten sich viele in Deutschland im Jahr 2006 die Frage, wie es denn gelingen könnte, daß die Welt wirklich "Zu Gast bei Freunden" sein könnte. Das uralte biblische Anliegen der Gastfreundschaft galt es in besonderer Weise mit Leben zu erfüllen. Gastgeber sein zu dürfen, sollte die Menschen eines Landes mit Stolz und Freude erfüllen.

Das gilt für uns ebenso wie für Südafrika, und man sollte dies nicht im Vorfeld schon zerreden. Die Kirchen trugen durch Gottesdienste, Veranstaltungen auf den Fanmeilen, offenen Gemeinden und vielem mehr bis hin zu einem Internetauftritt auf ihre Weise mit dazu bei. Es ist schön und ermutigend, daß dies in Südafrika derzeit ebenso geschieht. Den Kirchen ist zu wünschen, daß ihnen das gut gelingt -- ein Hoffnungsspielfeld besonderer Art.

Es ist sicher mehr als nur ein Name, wenn der bekannte Kinder- und Jugendbuchautor Lutz van Dijk seinem heranwachsenden Fußballstar den Namen "Themba" gibt -- was schlicht und einfach Hoffnung bedeutet. Im Sommer kommt der Film auch in Deutschland in die Kinos. Auf der Folie einer Fußballkarriere eines jungen schwarzen Südafrikaners bricht der Roman bzw. der Film gleich mit mehreren Tabus: dem Verschweigen von Aids, dem Leugnen der Wirksamkeit von Anti-Aids-Medikamenten, sexuellem Mißbrauch, um nur einige zu nennen. Ohne die Fußball-WM würde der Film sowohl in Südafrika als auch bei uns nicht so wahrgenommen: Fußball als Hoffnungsträger, um endlich Dinge ansprechen und anschieben zu können, die für eine gesellschaftliche Entwicklung in ihrer Problematik unerläßlich sind.

Sicher nicht von ungefähr wählte der UN-Sonderbeauftragte für Sport, Willi Lemke, für sein neuestes Buch "Ein Bolzplatz für Bouaké" den Untertitel "Wie der Sport die Welt verändert und warum ich mich stark mache für die Schwachen". Im Sport und damit auch im Fußball liegt ein ungeheures Hoffnungspotential. Es lohnt sich, dieses für die Entwicklung menschlichen Zusammenlebens zu nutzen. Es ist Südafrika zu wünschen, daß dies über die WM hinaus gelingt. Sportliche Großereignisse wie eine Fußball-WM können hierfür Katalysatoren sein, denn der Sport ist -- Gott sei gedankt -- noch mehr als nur der bloße Kommerz. Daß dies hoffentlich so bleibt, dafür tragen alle Beteiligten Verantwortung. Umgesetzt werden muß es in den ganz normalen Alltag -- getreu dem afrikanischen Sprichwort: "Worte sind schön, doch Hühner legen Eier."

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