Advent und Weihnachten

Für die meisten Menschen bedeuten Advent und Weihnachten heute vor allem eine Unterbrechung im Jahr, in der Zeit für Familie und Gemütlichkeit ist. Diese Prägung, die selbst säkulare Menschen so empfinden, ist vom ursprünglichen, religiösen Kern des Festes nicht so weit entfernt. Christen feiern an Weihnachten die Geburt Jesu. Gott wird zum Mensch und verspricht damit eine neue Zukunft, in der Sünde und Tod keine Macht mehr haben. Das macht die Weihnachtsbotschaft aber auch zu einer radikalen und politischen Botschaft.

Viele Menschen wünschen sich - gerade zu Weihnachten - eine Welt ohne Krieg. Ist das möglich?© Pixabay

Doch was feiern Christen nun eigentlich an Weihnachten? Theologisch gesehen steht an Weihnachten ebenso wie an Ostern die Erlösung der Menschen von Sünde und Tod im Mittelpunkt. Die Geburt des Erlösers ist zudem ein Erkenntnisgeschehen. Gott wird Mensch, er teilt das Leiden der Menschen bis in den Tod, da er sich ihnen klar zu erkennen geben will. Zu guter Letzt wird den Menschen mit Weihnachten ein „wahrer Friede“ verheißen.

Frieden auf Erden?

Wie kein zweites Fest macht Weihnachten die Widersprüche zwischen der irdischen Realität und der biblischen Friedensbotschaft deutlich. Der Wunsch nach Frieden - im Großen wie im Kleinen - ist selten so offensichtlich und schlägt sich im Wunsch nach einem harmonischen Miteinander in der Familie nieder. Blickt man in die Welt hinaus, sieht man jedoch eine von Krieg und Leid zerrissene Welt. Weihnachten sei daher noch immer ein hochpolitisches Fest, erklärt der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff. Er hat sich in seinem neuen Buch "Frieden auf Erden?" (Herder 2019) damit befasst, was die Friedensbotschaft von Weihnachten für die heutige Zeit bedeutet:

Weihnachten ist heute ein Fest, das mit vielen Sehnsüchten und Hoffnungen aufgeladen ist. Was sehen die Menschen in Weihnachten?

Eberhard Schockenhoff: "Wir Menschen sehnen uns nach einem Ort, an dem wir zu Hause sind, an dem sich unsere Wünsche erfüllen, an dem wir Harmonie erleben und nach einem Ort, an dem sich das, was uns das ganze Jahr über versagt bleibt, für ein paar Tage im Jahr erfüllt. Weihnachten gilt als das Fest der Familie schlechthin. Dieser Gedanke kommt vor allem in der Neuzeit auf. Das Symbol des Kindes, des göttlichen Kindes, spielt ebenfalls eine große Rolle für die Menschen. Es steht zugleich für das Neuwerden des Lebens. Dass Weihnachten in der Nähe des Jahreswechsels liegt, hat auch damit zu tun. Es gibt auch in einer säkularen Welt sehr viele unterschiedliche Sehnsüchte, die sich auf das Weihnachtsfest konzentrieren."

Was verkündet die biblische Weihnachtsgeschichte den Menschen?

Eberhard Schockenhoff: "Sie erzählt in erster Linie von der Friedensbotschaft der Engel: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden“. Das bedeutet, wenn Menschen sich nicht selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern Gott die Ehre erweisen, dann können sie genau dadurch zu Menschen des Friedens werden. Gott, das steht auch für Gerechtigkeit und die Suche nach Frieden. Dort, wo die Rechte des Menschen und seine Würde anerkannt sind, kann Frieden eintreten."

Was ist das Provokative an Weihnachten?

Eberhard Schockenhoff: "Dass Gott in einem Kind auf die Erde kommt. Das heißt, Gott drängt sich den Menschen nicht mit Macht auf. Im Grunde ist sein Weg ein einziger Gestus der Bitte an den Menschen. Gott kommt als Kind, und das eben nicht in Bethlehem, der großen Stadt. Der damaligen religiösen Kaiserideologie hätte es entsprochen, wenn er in den Palästen der Herrschenden zur Welt gekommen wäre. Die ganze Weihnachtsgeschichte, so wie Lukas sie erzählt, ist jedoch eine Anti-Geschichte zu dem damals herrschenden Kaiserkult, also zur politischen Theologie. Kaiser Augustus sah sich als derjenige, der der Welt den Frieden, die Pax Romana, brachte. Das war zwar ein äußerer Friedenszustand, aber er war auf Unterdrückung, Gewalt und Ausbeutung gebaut. In der Geburt Jesu und im Kommen Gottes zu den Menschen in der Form eines Kindes vollzieht sich genau das Umgekehrte. Wahrer Friede kann nur dort einkehren, wo sich Menschen der Bitte Gottes öffnen, wo sie sich ihm als Mitarbeiter an seiner Sache in der Welt zur Verfügung stellen und zu Menschen des Friedens werden. Sie überwinden das, was an Streben nach Macht, nach Reichtum, nach Ehre in ihnen steckt und werden dadurch zu Menschen der Liebe."

Was würde fehlen, wenn es Weihnachten nicht gäbe?

Eberhard Schockenhoff: "Uns würde eine Botschaft fehlen, die uns immer wieder an das erinnert, was unserem Leben Sinn gibt. Außerdem würde uns auch die rituelle Einbindung dieser Botschaft fehlen. Damit ist gemeint, dass Weihnachten nicht nur einen Inhalt hat, sondern uns auch wie kein anderes Fest anrührt und die entsprechende Emotionalität in uns weckt. All das würde uns fehlen, und das ist auch der Grund, weshalb Menschen, in deren Leben die Religion nicht mehr bestimmend ist, mit Weihnachten noch immer eine große Sehnsucht verbinden und das Fest feiern wollen. Gerade in einer ritualarmen Zeit ist Weihnachten ein wichtiges Ritual der Unterbrechung, das uns an das erinnert, was im Leben wirklich Bedeutung hat."

Wie hängen Weihnachten und Ostern zusammen?

Eberhard Schockenhoff: "Das Weihnachtsfest für sich genommen wäre von einem frommen Mythos gar nicht unterscheidbar. Es bliebe dann nur eine folgenlose Ergriffenheit, die uns emotional anrühren würde. Aber die eigentliche Bedeutung der Menschwerdung Gottes liegt darin, dass er unser Menschsein wirklich ganz teilt. Das heißt, dass er sich nicht nur eben mal wie ein Mensch verkleidet, über die Erde geht und sich dann angewidert von dem Leid und den Schmerzen, die das Menschsein auf Erden bestimmen, wieder zurückzieht, sondern dass er ganz solidarisch mit uns Menschen ist - bis zum Letzten. Selbst angesichts des Konflikts mit den jüdischen Behörden steht er zu seiner Sendung. Nehmen wir an, er hätte sich zurückgezogen, als er merkte, dass es nun brenzlig wird, und wäre irgendwann einen ganz normalen Tod im Bett gestorben. Dann wäre die Botschaft Jesu am Ende gewesen. Niemand hätte mehr danach gefragt. Es ist gerade diese letzte Konsequenz, dass Gott dafür mit der Bereitschaft sein Leben hinzugeben einsteht, die seiner Botschaft Durchschlagskraft verleiht und sie so überzeugend macht. Daher gehören Weihnachten und Ostern untrennbar zusammen."

Wie politisch ist die Weihnachtsbotschaft? Ist Weihnachten nur ein Fest der familiären Harmonie oder ein gesellschaftlicher Auftrag?

Eberhard Schockenhoff: "Weihnachten hat einen bedeutsamen politischen Kern. Das ist uns heute nur nicht mehr auf den ersten Blick bewusst. Die Begriffe, mit denen die Weihnachtsbotschaft verkündet wird, waren in der damaligen Zeit politisch besetzte Begriffe. Evangelien waren die Botschaften, die der Kaiser in sein Land hinein gesendet hat. Es waren Rechtsakte, die Verkündung dessen, was der Kaiser an Gesetzen erlassen hat. Lukas stellt dem ein anderes Evangelium entgegen. Die Verkündung des Mensch gewordenen Gottes, der um die Antwort der Liebe der Menschen bittet, hatte eine klar herrschaftskritische Bedeutung in der damaligen Zeit."

Kann sich die weihnachtliche Sehnsucht nach Frieden erfüllen?

Eberhard Schockenhoff: "Die Friedenshoffnung wird sich nie so vollständig erfüllen, dass kein Rest mehr zurückbleibt. Das ist auch der Grund, warum wir nicht einfach sagen können, dass sich an Weihnachten die Verheißung an Israel erfüllt. In Adventsliedern entsteht manchmal der Eindruck, dass es zuerst eine Stimmung der Erwartung gibt und sich dann an Weihnachten alles erfüllt. Aber es bleibt immer ein Hoffnungsüberschuss. Denn wenn man in die Welt hinausschaut, sieht man, dass sie nicht so ist, wie es diesen messianischen Friedensbildern entsprechen würde. So bleibt auch nach der Menschwerdung Gottes ein Rest an unerfüllter Hoffnung. Das hält letztlich die Geschichte auch in Gang."

Die Ursprünge von Weihnachten

Das Weihnachtsfest selbst entstand relativ spät in der Geschichte des jungen Christentums. Zunächst haben die frühen Christen nur das Osterfest und die Sonntage gefeiert, schreibt der Freiburger Liturgiewissenschaftler Stephan Wahle in seinem Buch „Die stillste Nacht“ (Herder 2018). Weihnachten, um an Jesu Geburt zu erinnern, entstand als zweiter festlicher Höhepunkt des religiösen Jahres erst im vierten Jahrhundert.

Der deutsche Begriff „Weihnachten“ geht auf den vorchristlichen Brauch zurück, die zwölf Nächte um die Jahreswende vom 24. Dezember bis zum 6. Januar als „geweihte“ beziehungsweise heilige Nächte besonders zu begehen. In der Bezeichnung einer „heiligen Nacht“ sieht der Liturgiewissenschaftler Wahle aber auch eine Deutung des Geburtsgeschehens, in der die „Geburt Christi metaphorisch in das Dunkel der Nacht versetzt wird.“ In älteren lateinischen Quellen kommt diese als Kern des Festes stärker zum Tragen. Dort wird das Fest als „Geburtstag unseres Herrn Jesus Christus“ bezeichnet. Das spiegelt sich in der italienischen Bezeichnung „natale“, im spanischen „navidad“ und im französischen „noel“ wieder. In der englischen Bezeichnung „Christmas“ wie auch im niederländischen „Kerstmis“ deutet sich die Feier der Christmette an, als der Gottesdienst in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember.

Warum die frühen Christen das Weihnachtsfest gerade auf den 25. Dezember legten, ist unter Fachleuten noch immer umstritten. Lange Zeit galt es als wahrscheinlich, dass sie mit ihrem Weihnachtsfest ein heidnisches Fest überlagern wollten. Andere Experten vermuten, dass frühchristliche Autoren nach komplizierten Berechnungen diesem Termin als Jesu Geburtsdatum ermittelten. Beide Vermutungen lassen sich jedoch nur mit wenigen Quellen belegen.

„Ohne Zweifel hat der Termin des Geburtsfestes Christi etwas mit dem Stand der Sonne zu tun“ ist Wahle überzeugt. Im Rahmen einer allgemeinen „Solarisierung“ der religiösen Kultur zu Beginn des vierten Jahrhunderts habe wohl das psychologisch bedeutsame Datum der Wintersonnenwende eine Rolle gespielt. Julius Cäsar hatte bei seiner Kalenderreform den 21. Dezember als kürzesten Tag festgelegt. Wegen der Ungenauigkeit des Kalendersystems vorschob sich dieser Tag im Lauf der Zeit so, dass er im 4. Jahrhundert auf den 25. Dezember fiel. Das heißt, das Fest Christi Geburt fand ursprünglich zur Wintersonnenwende statt.

Der Weihnachtsfestkreis

Unabhängig davon, auf welchen Ursprung das Weihnachtsfest zurückgeht: Es traf den Nerv der damaligen Zeit. Das zeigen auch seine rasche Verbreitung und die große Beliebtheit, die bis heute anhält. Das Weihnachtsfest verdrängte als Geburtsfest schließlich auch das Epiphaniasfest, das nahezu zeitgleich aufkam und am 6. Januar gefeiert wurde. An Epiphanias steht die „Erscheinung des Herrn“ im Vordergrund. Sie vollzog sich unter anderem in Jesu Taufe und in seiner Offenbarung vor den drei Weisen. In der katholischen Kirche sind es diese drei Weisen, die Epiphanias seinen bekannteren Namen „Dreikönigsfest“ gaben.

Schon bald nach der Entstehung des Weihnachtsfestes entstand in der frühen Kirche ein eigener weihnachtlicher Festkreis – analog zu Ostern. Den Beginn markiert die Adventszeit. Zu seinem Ende gibt es unterschiedliche Traditionen. In der Öffentlichkeit hält sich hartnäckig das Bild, Weihnachten ende erst mit Mariä Lichtmess am 2. Februar. In der katholischen Kirche geht die Weihnachtszeit heute jedoch nur bis zum Sonntag nach dem 6. Januar, dem Fest der Taufe des Herrn. In der evangelischen Kirche gehört die Ephiphaniaszeit noch zur Weihnachtszeit und reicht heute bis zum Sonntag Septuagesimae, mit dem die Zeit vor der Passionszeit einsetzt.

Adventszeit

In der öffentlichen Wahrnehmung beginnt die Weihnachtszeit jedes Jahr früher. So stehen ab September Lebkuchen und Stollen in den Regalen der Supermärkte, und spätestens ab Mitte November starten die ersten Weihnachtsmärkte. Ab Anfang Dezember laufen Weihnachtslieder in Dauerschleife im Radio. Dabei hat die Vorweihnachtszeit zumindest aus kirchlicher Sicht klare Grenzen. Sie beginnt mit dem Ersten Advent, der auch den Beginn des Kirchenjahres markiert. Sein Name leitet sich vom lateinischen „adventus“ ab und bedeutet Erscheinung oder Ankunft. In antiken Quellen wurde mit „adventus divi“ der Tag der Thronbesteigung von Kaiser Konstantin bezeichnet. Diesen Begriff übernahmen die frühen Christen und deuteten ihn im religiösen Sinne um. Der Advent steht dabei „sowohl für die erste Ankunft Christi in der Welt mit der Geburt Jesu als auch für seine zweite Ankunft in seiner Wiederkunft am Ende der Zeit“, erklärt Wahle.

Manche kirchlichen Traditionen, vor allem die der Ostkirchen, verbinden mit der Adventszeit auch eine Zeit der Askese. Jesus Christus werde am Ende der Zeit als strenger und gerechter Richter wiederkommen. In dieser Erwartung lag der Bußgedanke nahe. Dieser Tradition ist die römische Kirche nicht gefolgt. Der Advent hat in den Westkirchen keine endzeitliche Prägung sondern konzentriert sich auf Johannes den Täufer als Vorläufer Jesu und auf Jesu Einzug in Jerusalem.

Krippe, Baum und Plätzchen: Das Brauchtum zur Weihnacht

Neben dem Besuch der Weihnachtsgottesdienste ist im Lauf der Zeit ein vielfältiges säkulares Brauchtum rund um das Weihnachtsfest entstanden, das jedoch „einer lebendigen Frömmigkeit einen – im wahrsten Sinne des Wortes – sichtbaren Ausdruck verleiht“, so Wahle. Die meisten Menschen im Hoch- und Spätmittelalter verstanden das Latein der Messe nicht. Für sie musste der christliche Glaube so dargestellt werden, dass sie ihn mit ihren Sinnen erfassen konnten, etwa mit Hilfe von Krippen oder Krippenspielen. Neben den religiösen Schauspielen entstanden in dieser Zeit auch erste deutsche Weihnachtslieder. Ihre Melodien und Texte kennen die meisten Menschen hierzulande seit ihrer Kindheit.

Auch in anderen Ländern hat sich ein buntes Weihnachtsbrauchtum entwickelt - das sich von den Gepflogenheiten hierzulande durchaus unterscheidet. "Was sich aber in allen Ländern der Erde beheimatet hat, ist das Bild von der Heiligen Familie: Josef, Maria und das Kind. Diese Familie zeigt sich an jedem Ort der Welt so, wie Eltern mit Neugeborenen eben aussehen... Diese Geschichte von der jungen Familie, die keinen Platz in der Herberge findet, berührt die Herzen auf der ganzen Welt", sagt die evangelische Theologin Margot Käßmann in ihrer Sammlung von Weihnachtsgeschichten (Herder 2019).

Das Symbol für Weihnachten schlechthin ist hierzulande der Christbaum. Er entspringt wohl dem Wunsch nach etwas Grünem in der winterlichen Zeit und verband sich später als „Gabenbaum“ mit dem Brauch am Jahresende Geschenke zu machen. Die Weihnachtszeit hat zudem ein sehr reiches Lichtbrauchtum, das sich etwa am Adventskranz aber auch am Weihnachtsbaum zeigt. Die Christmette greift dies ebenfalls auf und beginnt meist im Dunklen. So verwandelt der Lichterbrauch den Kirchenraum in einen „sinnlich und atmosphärisch stark aufgeladenen Sehnsuchtsraum, für den auch viele Menschen mit unterschiedlichem Glauben sensibel sind.“

Auch bei den Christkindl- oder Weihnachtsmärkten wird dieser Bedeutungswandel offenbar. Waren es einst Märkte, auf denen sich die Menschen für den Winter eindecken konnten, haben sie heute einen ausgeprägten Erlebnischarakter. In jüngerer Zeit lässt sich jedoch wieder „ein Trend von dem kommerzialisierten, touristisch vermarkteten großen Weihnachtsmärkten zu beschaulicheren Märkten feststellen, auf denen Atmosphäre und Festivitätsgefühl noch wichtiger sind als der nützliche Einkauf“, schreibt Wahle in seinem Buch. Der Weihnachtsmarkt macht für viele Menschen den Advent aus. Etliche Märkte beginnen schon eine Woche vor dem ersten Advent und geraten damit in Konflikt mit dem evangelischen Ewigkeitssonntag, der als letzter Sonntag im Kirchenjahr der Erinnerung an die Verstorbenen gewidmet ist.

Für viele Menschen sind die Bräuche rund um Weihnachten mittlerweile beinahe wichtiger als die liturgischen Texte und der religiöse Gehalt. „Nach der langen Zeit der Vorbereitung, nach Adventskalender, Backen von Plätzchen, Dekorieren der Wohnung oder des ganzen Hauses, Einkauf der Geschenke und Erledigen der Weihnachtspost, kurz: nach Stress und Geschäftigkeit, findet sich fast allerorts am Nachmittag des 24. Dezembers die Familie zur Feier des Weihnachtsfestes ein. Dazu hat sich meist ein festes Ritual etabliert … Der Heiligabend wird nahezu von allen gefeiert. Alter, Beruf, Bildung, Nationalität, selbst religiöses Bekenntnis spielen fast keine Rolle. Unzweifelhaft steht fest: Weihnachten ist heute nicht mehr nur ein christliches Fest mit vielen kulturellen Bräuchen, sondern auch ein Fest der Familie“, erklärt Wahle.

Weihnachten neu erleben

„Jedes Jahr im Spätherbst, spätestens zum Ersten Advent, wandelt sich die Öffentlichkeit in einen großen Festraum“, so der Liturgiewissenschaftler. Lichterdekoration beherrscht das Stadtbild, in Kinos und Fernsehen laufen Weihnachtsfilme und spezielle Serienepisoden, im Radio dominieren Weihnachtslieder. Auch die Werbung kennt in diesen Wochen nur noch ein Thema, und selbst Google und Co. erhalten einen weihnachtlichen Anstrich. „Die Omnipräsenz des Weihnachtsthemas in den Medien und sozialen Netzwerken führt die Menschen für eine längere Zeit aus der Vielfalt eigener Aktivitäten zusammen. Auch wenn Stress und Hektik Begleiterscheinungen einer nicht immer besinnlichen ‚Vorweihnachtszeit‘ sind, scheint das weihnachtlich gestimmte Lebensgefühl doch ein ganz spezieller und unverzichtbarer Wert für eine solidarische Gesellschaft zu sein.“

Wenn der Heilige Abend da ist, versinkt das Land in eine heimelige Ruhe, die Gesellschaft steht während der Feiertage gleichsam still. Weihnachten wird mehr und mehr zu einem Sehnsuchtsfest aus Schnee, gutem Essen, Frieden und Harmonie, das die Ansprüche der Menschen kaum mehr erfüllen kann. Und angesichts der Geschenkeberge, die sich unter manchen Christbäumen türmen, wird jedes Jahr die Frage laut, ob der überbordende Konsum noch den Kern des Weihnachtsfestes trifft. „Weihnachtskritik ist fast so alt wie das Weihnachtsfest selbst. Und doch lebt der ‚Mythos der stillen Tage‘ (Johannes Röser) … Je hektischer, grausamer und lauter das Leben in der Gegenwart wird, umso größer wird allem Anschein nach die Sehnsucht nach einer frohen, besinnlichen und heiligen Zeit.“

Säkulare Weihnacht?

Weihnachten ist zu einem äußert populären Fest, gar einer kulturellen Institution geworden. „Ist es aber auch noch ein religiöses Fest?“, fragt Wahle. „Selbstverständlich wird die Theologie an der zeitgenössischen Festpraxis von Weihnachten auch Kritik üben, vor allem dort, wo der innere Zusammenhang von Krippe und Kreuz, von irdischem und himmlischem Leben, zugunsten einer reinen Diesseitsorientierung aufgegeben wird. Doch die christliche Botschaft von Weihnachten lasst sich nicht anders verorten und verständlich machen als in der praktizierten Weihnachtsfeier, in der bewusst oder unbewusst die Würde, Schönheit wie Abgründigkeit des Lebens und der menschlichen Person aufscheinen, menschenwürdige Lebensverhältnisse entstehen können und so die Menschwerdung Jesu Christi auf unterschiedliche Weise fortführen.“

In den Traditionen, die in den Familien lebendig gehalten werden, spiegeln sich heute vielleicht keine kirchlichen Glaubenssätze mehr, aber immer wieder blitzt die Erinnerung an etwas Höheres auf, ist Wahle überzeugt. Es sind ganz persönliche Erfahrungen von Transzendenz, wie die Erfahrung von Stille und Geborgenheit. „In der gesellschaftlichen Konvention, für eine Weile zu Hause zu sein, still zu werden, gemeinsam zu Abend zu essen, Geschenke auszutauschen, Geschichten zu erzählen, Lieder anzustimmen, Kerzen auf dem Weihnachtsbaum zu entzünden oder was auch immer, kann etwas Positives entdeckt werden: Das Heiligabendritual als die Erfahrung einer sozialen Zeit, in der verlässliche Beziehungen neu entdeckt, Brüche und Verluste wahrgenommen, Neuanfänge und Wünsche erhofft werden.“

Denn auch wenn der klassische religiöse Kern des Weihnachtsfestes in den Hintergrund gerät, sei dem Menschen heute die Sehnsucht nach Sinn nicht abhandengekommen. Deshalb „darf auch eine ‚Religiosität der Sehnsucht‘ als menschliche Grunddimension gelten. Es ist kein Wissen, mehr die Ahnung, dass ein Mensch gewordener Gott, wie ihn die Kirche an Weihnachten feiert, für den Menschen das Glück schlechthin bedeuten wurde.“

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