Kirchentag

Der evangelische Kirchentag ist die Großveranstaltung der protestantischen Laien in Deutschland. Alle zwei Jahre kommen sie zusammen, um ein Fest des Glaubens zu feiern und über aktuelle kirchen- und gesellschaftspolitische Fragen zu diskutieren. In diesem Jahr findet der Kirchentag wieder in der ökumenischen Form statt und die Christen treffen sich - wegen der Pandemie digital - unter dem Motto „Schau hin“ .

Veranstaltung auf dem Kirchentag 2017 in Berlin.© Amelie Tautor/Verlag Herder

2012: Ökumenischer Kirchentag digital und in Frankfurt

Der am Donnerstag beginnende Ökumenische Kirchentag (ÖKT) soll nach Angaben der Veranstalter "einer Pandemie-gestressten Gesellschaft aus der Krise helfen". Zudem wolle man trotz des weitgehend digitalen Charakters des Christentreffens ein dauerhaftes konfessionsverbindendes Zeichen setzen, hieß es in der Online-Pressekonferenz.

Die evangelische ÖKT-Präsidentin Bettina Limperg sagte, der ÖKT kreise nicht um sich selbst: "Wir wollen hinschauen: Dahin, wo es weh tut, dahin, wo wir heilen können und dahin, wo wir handeln können." Man habe den Kirchentag trotz der Corona-Pandemie nicht abgesagt, weil er "eine lebensrelevante Veranstaltung" für viele Menschen in der Krise sei.

Der katholische ÖKT-Präsident Thomas Sternberg sagte, während der Planungsphase habe der Kirchentag "durchaus auch auf der Kippe" gestanden. Bei einer Absage hätte man ihn wegen der engen Taktung der bereits geplanten Katholiken- und Kirchentage frühestens 2027 nachholen können. Der ÖKT sei aber gerade jetzt wichtig. "Wir haben viel zu verteidigen, zum Beispiel die Demokratie", sagte Sternberg. Angesichts von immer aggressiverer Hetze hätten Christen die Aufgabe, ihr "friedensstiftendes Potenzial" zur Geltung bringen, so Sternberg unter Verweis auf die über 80 digitalen Veranstaltungen und die bundesweit über 300 dezentralen Angebote des ÖKT.

Der Kirchentag solle "den Stand der Ökumene ehrlich widerspiegeln", so Sternberg. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, sagte, man werde beim ÖKT "Schritte aufeinander zugehen". Bätzing: "Wir werden es erleben können: Wir feiern am Samstagabend konfessionelle Gottesdienste und wir heißen die Christinnen und Christen anderer Konfessionen vorbehaltlos willkommen in diesen Gottesdiensten." Man feiere diese Gottesdienste als Abendmahl und als Eucharistie. "Ich glaube, dass der Ökumenische Kirchentag nicht nur schon längst begonnen hat, seine Wirkung zu erzielen, sondern auch danach weiter Wirkung entfalten wird", sagte Bätzing.

Zu den Kosten sagte Kirchentags-Vorstand Stephan Menzel: "Der digitale und dezentrale Ökumenische Kirchentag wird günstiger als die Version, die wir Anfang 2020 geplant hatten." Der ÖKT werde einen Gesamthaushalt in Höhe von knapp 18 Millionen Euro haben. Ursprünglich sei man von Gesamtkosten von etwa 26 Millionen Euro ausgegangen.

2019: Kirchentag in Dortmund

Beten, singen, diskutieren – diesmal in Dortmund. Rund 100.000 Teilnehmer werden vom 19. bis zum 23. Juni zum Evangelischen Kirchentag in der Ruhrmetropole erwartet. Auf dem Programm des fünftägigen Treffens stehen wieder ethische Debatten – besonders über Klima und Umwelt, Flüchtlinge und Rechtspopulismus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine drei Vorgänger, Kanzlerin Angela Merkel sowie weitere Vertreter aus Politik und Gesellschaft sind dabei.

Nach 1963 und dem Ruhrgebiets-Kirchentag 1991 findet das evangelische Christentreffen zum dritten Mal in Dortmund statt. Unter der Losung "Was für ein Vertrauen" bietet es rund 2.000 Einzelveranstaltungen, davon ein Drittel Kulturelles. Gemäß dem Motto eines Workshops "Schweigst du noch oder singst du schon?" spielt "Pop-Rock aus'm Pott" und andere - geistliche - Musik auf den Hauptbühnen am Hansa-, Friedensplatz und Altem Markt sowie weiteren Schauplätzen eine große Rolle.

Der Kirchentag stellt die Themen in den Mittelpunkt, die die Menschen bewegen, erklärt Julia Helmke, die Generalsekretärin. "In Dortmund gibt es Orte der Transformation - die Nordstadt zum Beispiel mit ihren Schwierigkeiten zwischen Arm und Reich - und damit verbundene Herausforderungen." Der Kirchentag ist dabei eine echte Laienveranstaltung. "Die Menschen nehmen teil, partizipieren, wollen ins Gespräch kommen. Das ist für mich auch eines der Themen der letzten Jahre: Nicht nur zuhören, sich nicht abgehängt fühlen, mitreden, aktiv dabei sein", so Helmke.

In der Stadt des diesjährigen Fußball-Vizemeisters Borussia Dortmund wartet das Christentreffen zudem mit einer Besonderheit auf: Zum 70-Jahr-Jubiläum des Kirchentags gibt es auf Anregung der gastgebenden Evangelischen Kirche von Westfalen erstmals ein Zentrum für Sport. "Sport ist - wie Religion und Glaube - eine der großen gesellschaftlichen Bindekräfte der Gegenwart", betont Präses Annette Kurschus. Im Zentrum diskutieren Sportler, Wissenschaftler, Fans und Kritiker über Teamgeist "auf'm Platz" und in der Kirche. Eishalle, Tanzparkett oder ein Segelboot auf dem Phönix-See laden zu praktischen Übungen ein.

An einem Kletterturm sollen Teilnehmer das Vertrauen einüben, für das der Kirchentag in seinem Motto aus dem zweiten Buch der Könige (18,19) wirbt. Mit Zuversicht befassen sich Bundespräsident und Kanzlerin. Auf dem Podium mit Steinmeier, der Politikern Annette Schavan und dem Journalisten Ranga Yogeshwar geht es um das "Zukunftsvertrauen in der digitalen Moderne". Und "Vertrauen als Grundlage internationaler Politik?" lautet das Thema von Merkel und Liberias Ex-Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf. Angesagt hat sich auch der kongolesische Arzt und Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege, der über seinen Kampf gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen spricht.

Den roten Faden des Christentreffens bildet laut Präses Kurschus das Thema Migration und Integration, über das sie mit dem Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maiziere spricht. Zum Komplex Schöpfung und Umwelt erläutert die zuständige Bundesministerin Svenja Schulze ihre Sicht der Dinge, ebenso "Fridays for Future"-Aktivistin Luisa Neubauer. Die Ministerpräsidenten aus Baden-Württemberg und Bayern, der Grüne Winfried Kretschmann und der Christsoziale Markus Söder streiten darüber, was noch konservativ und was schon rechtspopulistisch ist.

Das Kirchentagspräsidium mit Hans Leyendecker an der Spitze hat auf diese Frage schon eine Antwort gefunden und AfD-Vertreter - im Unterschied zum Kirchentag in Berlin vor zwei Jahren und zum Katholikentag 2018 in Münster - nicht zu den Debatten eingeladen. Leyendecker macht eine voranschreitende Radikalisierung der Partei aus und sieht sie auf dem Weg zu einem Frontalangriff auf die Demokratie.

Einen selbstverständlichen Platz haben Vertreter aus der Ökumene. Etwas weniger als sonst schon mal - allerdings gibt es 2021 ja den 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt. Im Vorausgriff auf diese Veranstaltung findet in diesem Jahr ein liturgischer Tag zum Thema Abendmahl statt. Mehr Gewicht wird in Dortmund auf den interreligiösen Dialog gelegt, etwa beim Podium zur "German Angst". Gemeint ist die Frage, welchen Stellenwert der Islam in Deutschland hat. Wie in den Vorjahren öffnet sich auch in der Ruhrgebietsstadt ein "Zentrum Muslime und Christen" und ein "Zentrum Juden und Christen".

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