Anzeige
Anzeige: Weil Gott es so will

Heft 2/2021Februar

Inhalt

Heute, da ich diese Zeilen an Sie schreibe, weiß ich, wissen wir noch nicht, in welcher Lage die Welt, unsere große und kleine Welt, sein wird. Jetzt sind wir mittendrin in Grenzen und Blockaden, Weihnachten war sicher ganz anders als in den vergangenen Jahren, der Jahreswechsel ebenso. Nun stehen wir vor der Fastenzeit, die wir in jedem Jahr bedenken, mit dem fast zynisch wirkenden Motto: „Spielraum – Sieben Wochen ohne Blockaden.“

Keine Blockaden, keine Grenzen … und das in einer Zeit und nach einer Erfahrung mit vielen neuen Grenzen, Einschränkungen des Alltags und so vielem mehr. Aber das meint ja die Fastenzeit vielleicht gar nicht.

Fasten bedeutet, freiwillig für eine gewisse Zeit auf etwas zu verzichten. Meistens geht es dabei um den Verzicht auf Essen und Trinken. In der Bibel fasten Menschen zum einen als Ausdruck von Trauer und Sühne, zum anderen zur Vorbereitung auf eine Begegnung mit Gott. Beides hat sich in der Tradition der Kirche fortgesetzt. Im Mittelalter wurde das Fasten zu einer Bußhandlung, die zum Teil verordnet wurde. Martin Luther und die Reformatoren wandten sich gegen diese Art von Buße, und so war das Fasten in den evangelischen Kirchen lange unüblich. Heute entdecken evangelische Christinnen und Christen das Fasten neu: als eine Möglichkeit, eine spirituelle Zeit zu gestalten, um Gott zu begegnen.

Lesen Sie dazu die Ausführungen der diesjährigen Aktion „Sieben Wochen ohne“ und die weiteren Artikel, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Sollten wir uns in Gruppen und Kreisen im Februar wieder treffen dürfen, dann ist es sicher ein wertvoller und nachhaltiger Austausch, seine Erfahrungen von Grenzen und Blockaden mit anderen zu teilen.

Andere Zeiten, andere Rituale sind „Mariä Lichtmess“ oder „Tag der Darstellung des Herrn“, der uns erinnert, dass „warten können“ oft viel Heilendes und Heilsames verspricht – auch für uns in unserem Leben. Noch stehen wir am Anfang eines neuen Jahres und dürfen auch hier warten und gespannt sein, was es uns zeigt und schenkt! Und dazu gehören die hellen und die dunkleren Tage. Aber wenn das Licht der Weihnacht auch weiter in das Jahr hineinleuchtet, dann dürfen auch die trüberen und dunklen Abschnitte von diesem Licht „erleuchtet“ werden und unser Leben immer wieder hell machen.

Dieser Gedanke steckt auch hinter dem Valentinstag, den wir am 14. Februar begehen. Es geht darum, nicht nur die Blumenläden und die Pralinen-Regale leer zu kaufen, nein, wir sollen und dürfen anderen unsere Zuneigung, unsere Liebe, unsere Wertschätzung immer wieder zeigen – und das nicht nur am Valentinstag. Wir Menschen sind auf ein DU, ein Gegenüber, angewiesen. Wir wollen gesehen, gehört und wohl auch ernst genommen werden. Dies sollten wir neu bedenken, gerade nach Zeiten des Abstands und der notwendigen Distanz, die aber vielleicht ein neues „den – anderen – sehen und – wahrnehmen“ möglich macht.

Ein guter Freund schrieb mir dieser Tage: „Wenn wir einander nicht sehen können, wünsche ich mir, dass ich bleibe – als Lächeln auf deinem Gesicht!“ Das hat gutgetan und zeigt, dass Verbindung zu anderen über viele Wege und Zeichen möglich ist. Das gilt auch für unsere große LEBENSSPUREN-Familie; auch für dieses erste Halbjahr sind noch alle persönlichen Begegnungen ausgesetzt – aber vielleicht zaubert uns die Vorfreude auf andere Zeiten ein Lächeln in unser Gesicht.