Aggression - wenn die Wut im Bauch raus muss

Bereits in frühzeitlichen Höhlenmalereien werden aggressive Handlungen dargestellt. In der Bibel erzählen viele Bücher von Gewalt zwischen Menschen, gleich zu Beginn tötet Kain seinen Bruder Abel. Aggressionen sind also von jeher fester Bestandteil menschlichen Verhaltens.

© Pixabay/Wendy Corniquet

Sie werden definiert als Verhaltensweisen, die

  • einem Organismus oder Gegenstand Schaden zufügen,
  • dies ganz bewusst tun,
  • und dabei von der sozialen Norm abweichen.

Wenn diese drei Kriterien gleichzeitig zutreffen, spricht man von aggressivem Verhalten. Steckt man diesen Rahmen weniger eng, so können Aggressionen positiv eingesetzt werden: zur Selbstbehauptung, zum Beseitigen von Hindernissen, zur Veränderung oder zum Wettbewerb z. B. im sportlichen und beruflichen Bereich. Der Begriff Aggression leitet sich von dem lateinischen Verb „adgredi“ ab, das „herangehen“ und „zuwenden“ bedeutet. Im Grunde also eine sehr positive Verhaltensweise signalisiert.

Formen von Aggressionen

Aggressionen können in vielen verschiedenen Formen auftreten:

  • Von physischer Aggression spricht man, wenn körperliche Gewalt gegen andere eingesetzt wird, z. B. durch Schlagen, Treten, sexueller Missbrauch, … Hierunter fällt auch die Schädigung von Objekten, z. B. Vandalismus.
  • Offene verbale und nonverbale Aggression verzichtet auf körperliche Gewalt. Sie tritt in Form von Drohungen, Demütigungen, Beleidigungen oder durch provozierende Blickkontakte und Ausgrenzung auf.
  • Wenn eine Person Gewaltfantasien hat, spricht man von verdeckter Aggression.
  • Autoaggression führt bei den Betroffenen zu Selbstverletzungen wie Verbrennungen oder Ritzen.
  • Eher versteckt kommt die indirekte Aggression daher: Sie setzt auf üble Nachrede oder Mobbing. Auch das Beschädigen oder Klauen von Dingen, die dem Opfer gehören, fallen hierunter.
  • Die positive Aggression kann wie weiter oben schon erwähnt dafür eingesetzt werden, Ziele zu erreichen.

Wieso Aggressivität im Menschen angelegt ist

Obwohl die oben beschriebenen Verhaltensweisen schon immer bei Menschen zu beobachten sind, beschäftigt sich die Psychologie erst seit rund 100 Jahren mit ihren Ursachen. Es haben sich verschiedene Aggressionstheorien entwickelt.

  • Die Triebtheorie geht davon aus, dass sich Aggressionen im Menschen aufstauen und sich irgendwann Bahn brechen. Danach beginnt der Kreislauf von vorne.
  • Die Instinkttheorie erklärt aggressive Verhaltensweisen damit, dass Menschen sie zur Selbsterhaltung einsetzen.

Aus der Aggressionsforschung kommen außerdem lerntheoretische Ansätze:

  • Bei der klassischen Konditionierung genügt ein Reiz als Auslöser der Aggression. Dies kann z. B. der Name einer Person sein oder eine bestimmte Verhaltensweise.
  • Die Theorie des Lernens am Erfolg verfolgt den Ansatz, dass erfolgreiches Verhalten wiederholt wird. Hat man also durch aggressives Verhalten ein Ziel erreicht, wird man wieder aggressiv, um ein Ziel zu erreichen.
  • Beim Lernen am Modell wird das Verhalten von Vorbildern, z. B. Eltern, Geschwister oder Freunde, beobachtet. Deren aggressive Handlungsweisen werden kopiert.
  • Die Frustration-Aggression-Hypothese geht davon aus, dass Aggression durch Frustration entsteht. Jedoch führt nicht jede Frustration zu aggressivem Verhalten.

Eine eindeutige Erklärung dafür, wie Aggressionen entstehen, gibt es bisher nicht. Allgemein kann man jedoch sagen, dass ihr immer negative Emotionen zugrundeliegen. Das können neben Frust Gefühle wie Angst, Eifersucht, Hass, Stress, Wut etc. sein.

Aggressives Verhalten beginnt bereits im Kindesalter

Die Verhaltensbiologin Gabriele Haug-Schnabel beschreibt in dem Buch Aggression bei Kindern, wie sich Aggressivität im Kindergartenalltag zeigt: „Wir denken an Streitereien, an Krach, an Schimpfworte, an Beleidigungen, Provokationen, an Stoßen, Schlagen, Kneifen, Beißen, Treten, An-den-Haaren-Ziehen, ans Wegnehmen und Kaputtmachen, an Auslachen, Spotten und Hänseln. Es geht um „nicht mitspielen lassen“, jemanden aus Gesprächen ausschließen, sich rächen, drohen, quälen, tyrannisieren und einschüchtern, aber auch darum, sich und andere zu verteidigen, sich zu wehren, sich durchzusetzen, zu opponieren und Einhalt zu gebieten.“

Es ist Aufgabe von Eltern, ErzieherInnen und LehrerInnen Aggressionen bereits im Kindesalter zu erkennen und zu kanalisieren. Da es sich um eine Verhaltensweise handelt, gibt es glücklicherweise Strategien, aggressives Verhalten zu verändern, die natürlich auch für Jugendliche und Erwachsene nützlich sein können:

  • Sportliche Aktivität hilft dabei, Aggressionen abzubauen.
  • Techniken zur Entspannung wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Strategien der Achtsamkeit praktizieren. Dadurch wird man weniger anfällig für Stress.
  • Für die akute Situation ist es sinnvoll, Verhaltensweisen zu lernen, die von der Wut ablenken (den Raum verlassen, das Thema wechseln, …), um so wieder die Kontrolle über die eigenen Gefühle zu erlangen.
  • Außerdem werden professionelle Antiaggressionstrainings in Gruppen angeboten.
  • Bekommt man das aggressive Verhalten mit diesen Mitteln nicht in den Griff, besteht die Möglichkeit, einen Therapeuten aufzusuchen, um den Ursachen, die sehr tief liegen können, auf den Grund zu gehen.

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