Regeln im Kindergarten

Regeln schränken Kinder in ihrer freien Entfaltung ein und erziehen sie dazu, blind Autoritäten zu folgen? Dieses negative Bild von Regeln ist seit den 70er-Jahren ein immer wieder verbreitetes Vorurteil. Dabei wird vergessen, dass Regeln Kindern Sicherheit geben und Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft sind.

Regeln im Kindergarten
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3 Gründe, warum Regeln unverzichtbar sind

  1. Regeln erleichtern den Alltag! Wenn nicht jedes Mal neu ausgehandelt wird, ob der 1,5-jährige Max heute einen Mittagsschlaf benötigt, ob Alena im Januar draußen wirklich eine Jacke braucht oder ob Joshua nach dem Frühstück die Zähne putzen muss, verhindert das nicht nur Stress bei den Bezugspersonen. Auch die Kinder werden dadurch entlastet. Denn sie gewinnen Zeit und Kraft für das wirklich Wichtige im Leben: das Spielen!
  2. Regeln schaffen eine Umgebung, in der sich Kinder frei entfalten können! Nur wenn Kinder wissen, dass sie nicht gehauen werden dürfen, dass jedes Kind dasselbe Recht hat, den Sandkasten zu benutzen, oder dass ihnen kein anderes Kind das Lieblingsbuch einfach wegreißen darf, können sie sich angstfrei und unbeschwert im Alltag bewegen. Erfolgt dann doch einmal ein Regelbruch, können Kinder für ihr Recht einstehen und auf die Unterstützung der Erwachsenen vertrauen.
  3. Regeln legen den Grundstein für Gemeinschaft! Gemeinsam am Tisch eine Mahlzeit einnehmen, bei einem Lied denselben Text singen, sich gegenseitig ausreden lassen – eine funktionierende Interaktion basiert immer auf gemeinsamen Regeln. Das gilt auch für das kindliche Spiel. Kein gemeinsames Rollenspiel und kein Bauprojekt funktionieren ohne ausgesprochene oder unausgesprochene Regeln. Nur wenn diese überhandnehmen und Kreativität im Keim ersticken, ist der Spaß schnell vorbei.

„Das haben wir schon immer so gemacht“ – Regeln in der Kita hinterfragen

Regeln, die die psychische oder physische Gesundheit von Kindern sicherstellen, sind nicht verhandelbar. Manchmal aber schleichen sich Regeln in den Kita-Alltag ein, die umgesetzt werden, „weil sich das so gehört“ oder „weil wir das schon immer so gemacht haben“.

Sabrina (2 Jahre) hat heute richtig viel gefrühstückt und nimmt sich beim gemeinsamen Mittagessen nur einen kleinen Teller Nudeln. Sie ist als Erste fertig und würde am liebsten direkt weiterspielen. Weil aber die Regel gilt, dass alle Kinder gemeinsam aufstehen, langweilt sie sich und stört ihre Sitznachbarn Svenja und Massimo beim Essen.

Kulturell geprägte Regeln wie diese sollten regelmäßig hinterfragt werden. Das bedeutet jedoch nicht, sie bei Problemen direkt über Bord zu werfen. Zum Beispiel könnte ausprobiert werden, dass Sabrina nach dem Essen zwar aufstehen darf, sich aber ruhig in die Leseecke setzen muss. So lenkt sie kein anderes Kind von der Mahlzeit ab.

Gemeinsam Regeln entwickeln und umsetzen

Um eine möglichst hohe Akzeptanz und Durchsetzbarkeit der Regeln zu unterstützen, sollten in der Kita alle Akteure mit ins Boot geholt werden.

  • Team: Nur Regeln, die von allen Erzieher(inne)n konsequent mitgetragen werden, setzen sich bei den Kindern langfristig durch.
  • Eltern: Um Regeln wie „Kein Spielzeug von zu Hause!“ oder „Nur gesundes Vesper!“ zu etablieren, sollten Sie Eltern frühzeitig und umfassend über die Hintergründe dieser Regeln informieren. Besser noch: Entwickeln Sie gemeinsam mit den Eltern Regeln für Ihre Einrichtung!
  • Kinder: Wenn Kinder sich an der Entwicklung von Regeln beteiligen, fördert das nicht nur die Bereitschaft, diesen Regeln zu folgen, sondern lässt sie auch Selbstwirksamkeit erleben.

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