Frühe Globalisierung – Die Welt bis 1800

Die Aufteilung der Welt zwischen Spanien und Portugal wurde von den anderen europäischen Ländern nicht hingenommen.

Frühe Globalisierung – Die Welt bis 1800
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Insbesondere seefahrende Nationen wie die Niederlande, Frankreich und England versuchten, mit den iberischen Mächten gleichzuziehen oder in Räume einzudringen, die von diesen noch nicht besetzt waren. 

Die großen Entdeckungsfahrten des 17. und 18. Jahrhunderts

Die Entdeckungsfahrten wurden zahlreicher und erfassten immer weitere Räume. Da Spanien und Portugal die bereits bekannten Seewege nach Asien und in die Neue Welt durch ein Netz von Stützpunkten monopolisiert hatten, galten die Entdeckungsfahrten der »Nachzügler« neuen Wegen zu den alten Zielen, etwa der Nordwestpassage. Dies führte zur Erforschung und Kolonialisierung Nordamerikas, die Suche nach der Nordostpassage begleitete die Erforschung und Unterwerfung Sibiriens durch Russland. Neben der Bildung neuer Kolonien fanden auch Besitzverschiebungen zu Lasten der iberischen Reiche statt. Portugal wurde durch die Niederlande aus seinen asiatischen Handelspositionen verdrängt, die wiederum von den Engländern abgelöst wurden. Spanien musste vor allem in der Karibik Verluste hinnehmen. Im 17. und vor allem im 18. Jahrhundert konzentrierten sich die Fahrten auf die Erkundung der Südsee, wo ein großer Südkontinent als Gegengewicht zu den Landmassen der Nordhalbkugel vermutet wurde. In Nordamerika konkurrierten England und Frankreich mit der fast gleichzeitigen Gründung von Niederlassungen. 1607 wurde an der Chesapeake Bay von der London Company die Niederlassung Jamestown gegründet, 1608 Quebec als französische Pelzhandelsstation. Von diesen Stützpunkten drangen Händler, Jäger und Missionare ins Hinterland vor. Der von Magellan durchfahrene Pazifik wurde zunächst von iberischen Expeditionen erkundet, bis schließlich die Niederländer die Portugiesen verdrängten und auch bei der Erforschung des neuen Meeres die Führung übernahmen. 1606 landeten Niederländer an der Nordküste Australiens, es folgten die Expeditionen Abel Tasmans (1603–1659), der zwar Neuseeland und Tasmanien entdeckte, jedoch keine ökonomischen Perspektiven eröffnen konnte, weshalb die Niederlande das Interesse an dieser Weltregion verloren. Erst im 18. Jahrhundert weckte die Südsee das Interesse an systematischer Erforschung. In diesem »zweiten Zeitalter der Entdeckungen« hatte das wissenschaftliche Interesse einen wesentlich höheren Stellenwert als zuvor.

Der Welthandel bis zum 18. Jahrhundert

Die Entdeckungen seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts verschoben in Europa die Handelswege. Der Atlantikhandel wurde durch die Nachfrage nach Sklaven in der Neuen Welt befeuert. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden für Europa bestimmte Produkte wie Zucker, Kaffee, Kakao, Tabak und Baumwolle auf Sklavenplantagen produziert. Aus der indigenen Bevölkerung konnte der Bedarf an Arbeitskräften nicht gedeckt werden, da diese durch Seuchen, Gewalt und Zwangsarbeit dramatisch zurückgegangen war. Der transatlantische Sklavenhandel war Teil der vereinfachend als Dreieckshandel bezeichneten ökonomischen Vernetzung zwischen Amerika, Afrika und Europa. Europa lieferte Manufakturwaren wie Waffen und Tuche nach Afrika, von dort wurden Sklaven nach Amerika gebracht, und die Produkte der dortigen Sklavenplantagen, also besonders Zucker und darauf basierende Produkte wie Rum, aber auch Baumwolle und Kaffee wiederum nach Europa transportiert. Betrieben wurde dieser Handel insbesondere von englischen, niederländischen und französischen Händlern und halbstaatlichen Gesellschaften mit einem Monopol auf den Handel ihres Landes, seine Blüte erlebte er im 18. Jahrhundert. Der Dreieckshandel – bei dem die tatsächlichen Handelsbeziehungen weit komplexer als im Modell gedacht und die Schiffe oft auf einen Teil der Route spezialisiert waren, anstatt das ganze Dreieck abzufahren – etablierte ein europäisches Weltsystem: eine ökonomische Vernetzung von neuartiger Intensität und Reichweite sowie ein System ungleichen Tauschs, das auf Arbeitsteilung basierte und die Gewinne einseitig abschöpfte. Europa war das Zentrum, das dank starker Staatsgewalten und technischer Entwicklung komplexe Güter herstellte und den Mehrwert der Systeme bezog, Amerika war die Peripherie, die für die Lieferung von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Produkten zuständig war, Afrika steuerte in Form von Sklaven die billigen Arbeitskräfte bei.

Folgen für Europa hatte zunächst der massenhafte Zustrom von Edelmetall, insbesondere Silber, aus der Neuen Welt nach Spanien. Als zentrale Kontrollstelle für Spanien registrierte die Casa de la Concentración in Sevilla zwischen 1521 und 1561 die Einfuhr von 574 Tonnen Silber und 86 Tonnen Gold – ein Vielfaches der europäischen Produktion. Die auch als Preisrevolution bezeichnete Inflation des 16. Jahrhunderts war zwar schon im Gang, als der Zustrom des Silbers einsetzte. Treibender Faktor für den Anstieg der Preise v. a. der Grundnahrungsmittel war die mit dem Bevölkerungswachstum ansteigende Nachfrage. Da dieser Preisanstieg jedoch eine Vermehrung des umlaufenden Geldes voraussetzte, wirkte sich der Import von Silber zur Münzprägung durchaus inflationssteigernd aus.

Die Entstehung dieses atlantischen Systems beschleunigt eine Verschiebung innerhalb Europas, die mit der osmanischen Expansion im Osten und der Entdeckung Amerikas im Westen einsetzte: Die europäische Hauptverkehrsachse drehte sich aus der Nord-Süd- in die Ost-West-Richtung. Der Schwerpunkt des europäischen Wirtschaftslebens verlagerte sich vom Mittelmeer an den Atlantik, von Oberitalien nach Nordwesteuropa. Die neuen Wirtschaftszentren fanden sich im 16. Jahrhundert zunächst noch im iberischen Einflussbereich mit Sevilla als Handelszentrum und Genua als wichtigem Bankenort, später jedoch dann am Atlantiksaum: in Amsterdam (17. Jahrhundert) und schließlich in London (18. Jahrhundert).

Die Bedeutung des Handels mit Sklaven und Produkten aus den Kolonien überstieg bald diejenige des Handels mit Luxusgütern aus dem Osten. Durch die billige Produktion mit Sklaven wurden die ursprünglichen Luxuswaren immer mehr zu Massenprodukten, wodurch sich die Nachfrage in Europa erhöhte. Zwar dominierte der Handel mit Waren aus den Kolonien nicht die europäische Wirtschaft, doch führte das ansteigende Handelsvolumen zur Ansammlung großer Mengen von Kapital in Europa.

Asien bis 1800

In der Frühen Neuzeit waren viele Entwicklungen Asiens mit denen in Europa vergleichbar. Dem muslimischen Westasien, zu dessen wichtigstem Staat das Osmanische Reich aufstieg, kam dabei eine ambivalente Brückenfunktion zu: Einerseits verband das auf drei Kontinenten liegende Osmanische Reich den mittelmeerisch-balkanischen Zivilisationsraum mit dem fernen Asien; andererseits führte der scharfe, religiös wie machtpolitisch begründete Antagonismus zwischen dem christlichen Europa und den Osmanen dazu, dass die Europäer eher Kontakte mit Indien und Südostasien unter Umgehung des Osmanischen Reiches suchten. Zwischen etwa 1520 und 1680 fand ein großer Prozess der Reichs- und Staatsbildung statt, der fast alle maßgebenden Staaten des Kontinents erfasste. Er begann mit der Gründung des Mogul-Reiches in Nord-Indien und der Zurückdrängung tartarischer Herrschaft durch eine expansive moskowitisch-russische Monarchie und endete mit der Übernahme der Herrschaft über China durch die mandschurische Quing-Dynastie 1644 und der Konsolidierung der Quing-Herrschaft in den Jahrzehnten danach. Der Aufbau eines iranischen Reiches durch die Safawiden-Schahs und die Einigung und Befriedung Japans unter den Militärherrschern (Sho¯gunen) des Fürstenhauses Tokugawa gehören ebenfalls in diesen gesamtasiatischen Zusammenhang. Das Osmanische Reich gelangte um die Mitte des 16. Jahrhunderts zum Maximum seiner geografischen Ausdehnung und blieb auch danach für lange Zeit einer der wichtigsten Machtfaktoren in Eurasien. Um 1680, gleichzeitig mit dem Höhepunkt des französischen und russischen Absolutismus, war der überwiegende Teil Asiens in relativ stabilen Großstaaten organisiert. Ihre monarchischen Regierungen profitierten von der »militärischen Revolution« der Epoche und schufen schlagkräftige Heere, während Seemächte in Asien kaum eine Rolle spielten. Die Monarchen stärkten ihre Stellung auf Kosten konkurrierender Kräfte, insbesondere von Kriegerdynastien und Nomadenstämmen. In unterschiedlichem Ausmaß nahm die Herrschaft in Asien viel deutlicher bürokratische Züge an als zuvor. In Europa sah man darin damals den Aufbau eines »orientalischen Despotismus«. Tatsächlich aber zeigte die Reichs- und Staatsbildung in Asien zahlreiche Parallelen zum gleichzeitigen »europäischen Absolutismus«; die Gemeinsamkeiten waren größer als die Unterschiede.

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