Der Aufstieg Chinas und Indiens – Asien bis 1900

Zwischen 1700 und 1900 stieg die globale Bedeutung der heutigen Groß-Staaten China und Indien beträchtlich an.

Der Aufstieg Chinas und Indiens – Asien bis 1900
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China bis 1900

Die Struktur des spätkaiserlichen Chinas entstand im Wesentlichen unter Kaiser Taizu (1368–1398), der die Ming-Dynastie gründete. Sie sollte bis ins 17. Jahrhundert Bestand haben. Als despotischer Herrscher zog Taizu alle Regierungsgeschäfte an sich. Das »Innere Kabinett« war fortan nur noch mit beratenden Funktionen ausgestattet, der Kaiser fungierte als alleiniger Gesetzgeber. Mitte des 16. Jahrhunderts bereitete ein Mongoleneinfall erhebliche Probleme im Norden des Reichs; hingegen blieb die Landung der Portugiesen in Macau militärisch folgenlos, die Stadt wurde ihnen vom Kaiserhof als Handelsniederlassung verpachtet. Nach 1600 setzte von dort die Missionierung Chinas ein. Die späte Ming-Dynastie blieb trotz einer Krise der Zentralmacht und eines aufwendigen Krieges mit den Japanern in Korea von Prosperität, Kommerzialisierung, Bevölkerungswachstum und einer städtischen Blüte gekennzeichnet.

Aus Kämpfen um die Ming-Nachfolge ging 1644 die Qing-Dynastie (auch Mandschu) mit Wurzeln in der heutigen Mandschurei siegreich hervor. Aufstände in Nordchina konnten rasch beendet werden, letzte Ming-Loyalisten zogen sich in den Süden zurück, wo sie allerdings dauerhaft Widerstand leisteten. Das Festland konnte bis 1661 weitgehend unter Qing-Kontrolle gebracht und schließlich 1683 Taiwan übernommen werden. Mit dem expandierenden Russland schloss Peking 1689, als ersten Vertrag mit dem Westen überhaupt, eine Vereinbarung über den Grenzverlauf. Das Qing-Kaiserreich erreichte im 18. Jahrhundert nach Siegen über die Dsungaren und schließlich 1790 über die Gurkhas seine größte Ausdehnung, die äußere Mongolei und die Nordseite des Himalajas waren nun chinesisch. Die Quing-Dynastie endete mit Puyi (1905–1967), dem letzten Kaiser Chinas (1909–1911), der als 3-Jähriger auf den Thron kam.

Indien bis 1900

Das Reich der Großmoguln ging auf zunächst gescheiterte Versuche des Timuriden Babur ab 1526 zurück, den Norden des Subkontinents zu kontrollieren. Erst Akbar gelang es 1556, als Großmogul die Vormacht in Nordindien endgültig für das Reich zu sichern. In der Folge bemühte sich der religiös tolerante Moslem Akbar erfolgreich um die Aussöhnung mit den besiegten Hindus, was zu einer gewissen Stabilität Nordindiens führte. In den Jahren seiner Regentschaft gelang die Ausweitung des Reichs auf den gesamten Norden des Subkontinents. Durch geschickte Heiratspolitik erreichte er, u. a. kriegerische Hindus aus Rajasthan an den Thron zu binden. Akbar – selbst des Lesens und Schreibens unkundig – war auch Förderer der Künste und Wissenschaften. Bis ins 19. Jahrhundert sollte das Mogul-Reich Bestand haben. Um 1700 war unter Aurangzeb Alamgir eine territoriale Ausdehnung fast über Gesamtindien erreicht. Seit Beginn des 17. Jahrhunderts ging allerdings eine zunehmend ausufernde Hofhaltung mit der Schwächung der Staatsfinanzen einher, das Taj Mahal, die aufwendige Grabstätte einer Herrschergattin, zeugt bis heute davon. Mit dem Verlust von Teilen Rajputanas begann 1708 der Abstieg des im Inneren schwachen Reiches. 1739 wurde die reiche Stadt Delhi durch den Perser Nadir Shah geplündert; eine zweite Plünderung folgte 1757. Mit den Marathen war seit dem 17. Jahrhundert eine letzte Großmacht Indiens herangewachsen, deren Pläne eines eigenen Großreiches anstelle des Mogul-Reiches jedoch scheitern.

Seit der Landung Vasco da Gamas 1498 waren in Indien Küstenniederlassungen der Europäer entstanden. Die Portugiesen machten den Anfang, wurden jedoch im 17. Jahrhundert durch die Niederländer, Franzosen und Briten verdrängt. Eine gewaltige Blüte erlebten die ab 1600 entstehenden Handelsgesellschaften, allen voran jene ostindische der Niederländer, deren Erträge im Heimatland ein goldenes Jahrhundert einläuteten. Erst der innere Zerfall der alten Staatsmacht ermöglichte es dann den Europäern im 18. Jahrhundert, über die reinen Handelsinteressen hinaus in die Geschicke des eigentlichen Subkontinentes einzugreifen: Vorbereitet auch durch Erwerbungen der britischen Ostindien-Kompagnie von 1600 ersetzte die britische Kolonialmacht schließlich bis 1857 das alte Herrschaftssystem.

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