Der Zerfall Österreich-Ungarns

Die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie gehörte zu den großen Opfern des Ersten Weltkriegs. Die seit Jahrzehnten schwelenden Konflikte kamen bei Kriegsende sofort zum Tragen und ließen die Monarchie wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Nacheinander entstanden die entsprechenden Nachfolgestaaten: Tschechoslowakei, (Deutsch-)Österreich, Jugoslawien und Ungarn. Einige andere Gebiete wurden von Nachbarstaaten (Italien, Rumänien, Polen) annektiert.

Der Zerfall Österreich-Ungarns
© Pixabay

Die Friedensverträge zum Ersten Weltkrieg und ihre Folgen

Die Friedensverträge zum Ersten Weltkrieg (Saint-Germain, September 1919 und Trianon, Juni 1920) zementierten die Neuaufteilung. Der Untergang des österreichischen Vielvölkerstaates führte allerdings nicht etwa zur Stabilisierung der Lage in Südosteuropa, sondern verschärfte sie langfristig noch. Die zahlreichen neu entstandenen Staaten vereinigten in ihren Territorien die unterschiedlichsten Völker. Das jeweilige »Staatsvolk«, also der kulturelle und politische Träger des Gemeinwesens, z. B. die Ungarn, die Tschechen, die Rumänen oder die Polen in ihren Staaten, war auf ›seinem‹ Territorium nicht allein, sondern musste es mit Angehörigen anderer Völker teilen. Diese Situation hatte ihre Ursachen in den uneinheitlichen Siedlungsbedingungen. Viele Volksgruppen waren weit verstreut, und so gab es fast in jedem Staat ethnische Minderheiten. Ein Sonderfall war der neue »Vielvölkerstaat« Jugoslawien: Hier gab es das »Staatsvolk« als solches gar nicht, sondern eine Mischung unterschiedlicher ethnischer Gruppen, die das Gemeinwesen gemeinsam trugen (Serben, Kroaten, Slowenen, Albaner, Bosnier u. a.).

Die ethnischen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa

Die Situation auf dem Balkan, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs geführt hatte, wurde auch durch die neue Friedensordnung nicht entschärft. Da die meisten Staaten ihren ethnischen Minderheiten keine Gleichberechtigung zugestanden, kam es zwangsläufig zu ernsten Konflikten und blutigen Auseinandersetzungen. So manche ›Rechnung‹ blieb weiterhin off en und sollte im Zweiten Weltkrieg dann gleich mehrfach ›beglichen‹ werden. Immer standen dabei die Minderheiten im Mittelpunkt. Die ethnische Situation in Mittelost- und Osteuropa glich – wie schon vor 1914 – auch nach dem Ersten Weltkrieg weiterhin einem Pulverfass und trug auch zum Beginn des Zweiten Weltkriegs bei, wenn auch unter völlig veränderten Bedingungen und Gewichtungen.

Bücher zum Thema

Der Weg in den Krieg. Das Scheitern der Diplomatie und der Aufstieg der Diktaturen in der Zwischenkriegszeit Schlie, Ulrich

Der Weg in den Krieg

Ulrich Schlie, Thomas Weber, Miklós Lojkó

Gebundene Ausgabe

30,00 €

Erscheint am 18.02.2019, jetzt vorbestellen

Dresden 1919. Die Geburt einer neuen Epoche Klier, Freya

Dresden 1919

Freya Klier

Gebundene Ausgabe

26,00 €

Lieferbar in 1-3 Werktage

auch erhältich als eBook (EPUB), eBook (PDF)

Die unbewältigte Niederlage. Das Trauma des Ersten Weltkriegs und die Weimarer Republik Krumeich, Gerd

Die unbewältigte Niederlage

Gerd Krumeich

Gebundene Ausgabe

25,00 €

Lieferbar in 1-3 Werktage

auch erhältich als eBook (EPUB), eBook (PDF)

Urkatastrophe. Die Erfahrung des Krieges 1914-1918 im Spiegel zeitgenössischer Theologie Negel, Joachim

Urkatastrophe

Joachim Negel, Karl Pinggéra

Gebundene Ausgabe

34,99 €

Lieferbar in 1-3 Werktage

auch erhältich als eBook (PDF)

Artikel zum Thema

Produkt wird in den Warenkorb gelegt.
 
Weiter shoppen Zum Warenkorb Sie haben einen Artikel in den Warenkorb gelegt.

Artikel

Ausgabe

Einzelpreis

Menge

Gesamtpreis