Die nationalsozialistische »Machtergreifung« unter Adolf Hitler

Die nationalsozialistische Machtübernahme spielte sich über einen längeren Zeitraum ab. Es ist nicht möglich, ein spezielles Datum festzulegen, das als ›Tag der absoluten Macht‹ dienen könnte. Da Hitler eine allumfassende Diktatur errichten wollte, musste er sich mit sämtlichen politischen und gesellschaftlichen Gruppen auseinandersetzen. Die Übernahme der politischen Spitze bildete dabei nur eine Art Auftaktereignis.

Die nationalsozialistische »Machtergreifung« unter Adolf Hitler
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Die NSDAP wird salonfähig

Die NSDAP hatte, nachdem sie von den konservativen Kräften akzeptiert worden war und durch das Harzburger Treffen 1931 die politische Salonfähigkeit erlangt hatte, große Wahlerfolge erzielt. Hitler hatte sehr wohl erkannt, dass er das Amt des Reichskanzlers übernehmen musste, wollte er sein Ziel der Errichtung einer Diktatur erreichen. Die konservativen Kräfte, die immer noch entscheidende Posten in Staat und Gesellschaft innehatten (Generäle und andere Offiziere, hohe Verwaltungsbeamte, Richter, auch Industriechefs, ostelbische Großagrarier, viele Ärzte, Juristen und andere Entscheidungsträger), hatten im Laufe der Zeit die Popularität der Hitler-Bewegung durchaus erkannt und wollten sie für ihre Zwecke nutzen. Die politische Zerrüttung der Weimarer Republik, die verfassungsmäßige Blockade und konservative Umsturzpläne kamen Hitler dann in entscheidendem Maße zu Hilfe. Die alten Eliten waren zunehmend bereit, ihm nun nicht mehr nur einen Ministerposten, sondern das Amt des Reichskanzlers anzubieten. So begann ein Intrigenspiel um den greisen, teilweise senilen Reichspräsidenten von Hindenburg, das schließlich zur Absetzung des amtierenden Reichskanzlers Schleicher und am 30. Januar 1933 zur Ernennung Hitlers als Reichskanzler führte. Dieser begann alsbald mit einer systematischen Umgestaltung der politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse.

Gleichschaltung und Errichtung des Terrorregimes

Der radikale Umsturz, der daraufhin ab dem Februar 1933 begann, wird als »Gleichschaltung« bezeichnet. Erste wesentliche Schritte ergaben sich schon wenige Tage nach der ›Machtergreifung‹. Hitler ließ am 1. Februar mittels einer Notverordnung von Hindenburg den Reichstag auflösen und für den 5. März Neuwahlen ansetzen. Am 4. Februar wurde eine weitere Notverordnung (»zum Schutz des deutschen Volkes«) erstellt, die die kritische Presse mundtot machen sollte. Eine günstige Gelegenheit zur Fortsetzung der Machtübernahme ergab sich am 27. Februar, als ein niederländischer Extremist den Reichstag in Brand steckte. Unter der Behauptung, kommunistische Revolutionäre seien für den Brand verantwortlich, ließ man eine neue Notverordnung erstellen (»zum Schutz von Volk und Staat«), die über das Reich den permanenten Ausnahmezustand verhängte. Der Rechtsstaat wurde damit faktisch abgeschafft. Hiermit hatten sich die Nationalsozialisten den Weg für die Errichtung des Terrorregimes und die willkürliche Verhaftung eines jeden Individuums gebahnt. Diese Notverordnung blieb bis zum Ende der Terrorherrschaft 1945 in Kraft. Sie diente als zweifelhafte rechtliche Grundlage für alle kommenden Verhaftungen, Folterungen und Verurteilungen.

Ermächtigungsgesetz und Beseitigung der Opposition

Ab dem 21. März ging man an die Beseitigung der politischen Parteien. Am 23. März beantragte Hitler die Erlaubnis, für die Zeit von vier Jahren zu regieren, ohne das Parlament zu konsultieren. Diesem »Ermächtigungsgesetz« (»Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich«) stimmten nach massiver Einschüchterung und der Verhaftung der KPD- und eines Teils der SPD-Abgeordneten alle Parteien außer der SPD zu. Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Otto Wels, hielt die letzte freie oppositionelle Rede bis 1945. Die nächsten Schläge folgten dann recht rasch. Bis zum Sommer 1933 wurden alle nicht-nationalsozialistischen Parteien aufgelöst. Die politische Unabhängigkeit der Länder wurde am 31. März bzw. 7. April ausgehebelt. Durch das »Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich« wurde allen Länderparlamenten die rechtlichen Kompetenzen entzogen. Für jedes Land wurde ein »Reichsstatthalter« ernannt.

Die letzten Bollwerke

Die letzten Außerparlamentarischen Bollwerke der politischen Opposition fielen Anfang Mai 1933, als SA und SS mit Hilfe der Polizei im ganzen Reich Gewerkschaftshäuser stürmten und Tausende von Gewerkschaftsführern verhafteten. Nach diesen Aktionen dauerte es allerdings noch einmal Jahre, bis HITLER seine Herrschaft endgültig gesichert hatte.

Innerparteiliche Konkurrenz

Bis 1937 wurden innerparteiliche Konkurrenten ausgeschaltet (»Röhm-Putsch« von 1934), der terroristische Polizeiapparat unter HIMMLER errichtet (1936), eine totalitäre Propagandamaschinerie unter Goebbels etabliert und schließlich vor allem die Wehrmacht ihrer letzten unabhängigen Führungskompetenzen entledigt (»Fritsch- Blomberg-Krise« von 1938).

Die »Schicksalswahlen« der Weimarer Republik

Die Ergebnisse der Reichstagswahl vom 14. September 1930 – Auszug, in Prozent der Wählerstimmen

  • SPD: 24,5
  • NSDAP: 18,3
  • KPD: 13,1
  • Zentrum: 11,8
  • DNVP: 7,0
  • DVP: 4,8
  • Sonstige: 20,5

Sitzverteilung Auszug

  • insgesamt: 577
  • SPD: 143
  • NSDAP: 107
  • KPD: 77
  • Zentrum: 68
  • DNVP: 41
  • DVP: 30
  • Sonstige: 111

Die Ergebnisse der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 – Auszug, in Prozent der Wählerstimmen

  • NSDAP: 37,4
  • SPD: 21,6
  • KPD: 14,6
  • Zentrum: 12,4
  • DNVP: 7,4
  • Sonstige: 6,6

Sitzverteilung Auszug

  • insgesamt: 608
  • NSDAP: 230
  • SPD: 133
  • KPD: 89
  • Zentrum: 75
  • DNVP: 45
  • Sonstige: 36

Die Ergebnisse der Reichstagswahl vom 5. März 1933 – Auszug, in Prozent der Wählerstimmen

  • NSDAP: 43,9
  • SPD: 19,1
  • KPD: 12,3
  • Zentrum: 11,3
  • Sonstige: 13,4

Sitzverteilung Auszug

  • insgesamt: 647
  • NSDAP: 288
  • SPD: 125
  • KPD: 81
  • Zentrum: 73
  • Sonstige: 80

Quelle: DER GROSSE PLOETZ ATLAS ZUR WELTGESCHICHTE, 2009, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht

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