Der Erste Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg mobilisierten die kriegführenden Staaten alle Reserven und mussten ihre gesamte Bevölkerung, auch die Zivilisten, für die Produktion von Kampfmitteln heranziehen. Zu den weiteren Konsequenzen zählten die Rationierung von Nahrungsmitteln und die Außerkraftsetzung essentieller politischer Grundrechte.

Der 1. Weltkrieg
© Pixabay

Giftgas und Maschinengewehr – der industrialisierte Großkrieg

Gelegentlich wurde das Leben der Zivilbevölkerung in der Heimat sogar schon direkt bedroht. Die Entwicklung des Flugzeuges hatte den Angriff auch auf zivile Ziele möglich gemacht. So gab es die ersten Bombenkriegsopfer, und es erfolgte der Aufbau einer Luftschutzorganisation. Die Kriegführung änderte sich radikal. Die Einführung moderner Tötungsmittel, wie beispielsweise Maschinengewehr, Giftgas und schwere Artillerie, sowie die Mobilmachung aller Staatsbürger für den Krieg – nicht mehr nur der Armeen – führte zu einer neuen Dimension der Gewalt. Auf dem Schlachtfeld herrschte nicht mehr die kühn vorpreschende Kavallerie und die heroisch vorstürmende Infanterie, sondern die industrialisierte Massentötung in riesigen Materialschlachten an erstarrten Grabenlinien. Der »unbekannte Soldat« mit Stahlhelm, Gewehr und Gasmaskenbeutel, der – zusammengekauert in Graben oder Bunker – das Ende des Trommelfeuers erwartete, um danach aus der Erde aufzusteigen und zum Massenkampf anzutreten, prägte das Gesicht dieses ersten »industrialisierten« Großkrieges.

Schlieffenplan und Wettlauf zum Meer

Die Kriegführung bis 1916 war von wechselnden Offensiven mit ungeheuren Verlusten geprägt. Die deutsche Heeresleitung hatte zu Beginn eine kühne Strategie angewandt, um dem Zweifrontenkrieg zu entgehen, der aufgrund der außenpolitischen Misserfolge bis 1914 nun drohte. Man rechnete damit, dass Russland einige Zeit zur Mobilisierung brauchen würde, dann aber mit voller Wucht gegen die Ostgebiete anrennen würde. Daher suchte man im Westen eine rasche Entscheidung (»Schlieffenplan«), nach der die französische Armee in einem großen Zangenangriff von Norden auch um Paris herum umgangen, geschlagen und schließlich gegen die schweizerische Grenze gedrückt werden sollte. Nach einem Sieg hätten dann alle Ressourcen nach Osten geworfen werden sollen, um so die russische Armee aufzuhalten. Der Plan misslang gründlich. Nach anfänglichen Erfolgen kam die deutsche Armee zum Stehen (Marne-Schlacht), versuchte in einem eher kleinteiligen Umfassungskampf die feindlichen Armeen vergeblich einzukesseln und verhedderte sich dabei in einem geografischen Schlagabtausch nach Norden (»Wettlauf zum Meer«). Die Front kam schließlich zum Stillstand. Es folgte ein unerbittlicher Stellungskrieg mit Millionen von Toten durch Giftgas, Artillerie und Maschinengewehr. Im Osten verlief der Krieg dagegen überraschend erfolgreich. Die russische Armee, die zunächst Teile von Ostpreußen erobert hatte, erlitt bereits im August (Tannenberg) und September 1914 (Masuren) zwei entscheidende, vernichtende Niederlagen. In der Folge räumten die Russen Ostpreußen und wurde im Jahre 1915 im Verein mit der österreichisch-ungarischen Armee weitgehend aus Galizien, das sie vorher teils erobert hatten, vertrieben. Im Westen kam es 1915/16 zu den großen, das Bild des Ersten Weltkriegs prägenden Materialschlachten. Die deutsche Armee setzte am 22. April 1915 bei Ypern zum ersten Mal Giftgas ein, das sich in der Folge dann auch fest im Arsenal der Einsatzmittel etablierte. Die deutsche Seite versuchte ab Februar 1916 in Verdun, in einer Abnützungsschlacht die französische Armee zu erschöpfen. Dieses Vorhaben scheiterte allein schon daran, dass der deutsche Anteil unter den bis Dezember 1916 hunderttausenden Gefallenen beinahe genau so groß war wie der der Entente.

Hindenburg und Ludendorff – Die Schlachten von Verdun und an der Somme

Im August 1916 wurde die deutsche Heeresleitung nach den fortgesetzten Misserfolgen ausgetauscht. Als neue Oberste Heeresleitung (OHL) traten die Generäle Hindenburg und Ludendorff an. Diese etablierten nach und nach eine Militärdiktatur, ohne jedoch eine entscheidende Wende herbeizuführen. Auf Seiten der Entente zeigte sich die Lage indes ebenfalls nicht rosiger. Zur Entlastung der französischen Armee bei Verdun begann man am 1. Juli 1918 einen Großangriff an der Somme, der vor allem von britischen Truppen vorgetragen wurde. Als Ergebnis blieben wiederum nur hohe Verluste (über eine Million Tote) ohne entscheidende Wende. Die Schlacht an der Somme sollte das blutigste Ereignis des ganzen Krieges bleiben. Genauso wenig Entscheidendes ergab sich zur See. Nach einigen unbedeutenden Gefechten kam es am 31. Mai 1916 im Skagerragk zu einer der größten Seeschlachten der Geschichte. Die etwas besser gepanzerte deutsche Flotte konnte der britischen zwar mehr Verluste zufügen, erreichte aber ihr Hauptziel nicht, das in der Befreiung von der Seeblockade bestand, die die Versorgung des Deutschen Reiches seit Kriegsbeginn erheblich einschränkte. Gegen Ende 1916 traten bereits erste Anzeichen der Erschöpfung auf, sodass die Mittelmächte (Deutschland und Österreich-Ungarn) am 12. Dezember 1916 ein Friedensangebot unterbreiteten. Dieses jedoch enthielt kaum konstruktive Vorschläge, und folglich wurde es von der Entente abgelehnt.

Der Kriegseintritt der USA 1917

Eine Folge des gescheiterten Friedensangebotes von 1916 war der Beginn des »uneingeschränkten U-Bootkrieges « ab dem 1. Februar 1917. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten U-Boote, wenn sie feindliche Handelsschiffe angriffen, nach der »Prisenordnung« vorzugehen, d. h. sie mussten auftauchen, das Schiff übernehmen und für die Sicherheit der Besatzung sorgen. Mit dem uneingeschränkten U-Bootkrieg überging man derlei seekriegsrechtliche Bestimmungen und torpedierte die Überwasserschiffe direkt ohne Vorankündigung. Dieses Vorgehen trug in der Folge zum Kriegseintritt der USA (6. April 1917) bei. Damit hatten sich wesentliche strategische Änderungen ergeben.

Oktoberrevolution in Russland

Einen vermeintlichen Erfolg konnten die Mittelmächte verbuchen, als am 7. März 1917 die Revolution in Russland ausbrach und am 7. November in die »Oktoberrevolution« einmündete. Der Umsturz brachte für Berlin eine erhebliche Entlastung, da die neuen Machthaber den Krieg unter allen Umständen beenden wollten. Trotz aller demütigender Forderungen für die russische Seite wurde am 3. März 1918 der Friedensvertrag von Brest-Litowsk geschlossen, der die Aufgabe russischer Herrschaft u. a. in Polen, Livland und der Ukraine vorsah und gleichzeitig dem Deutschen Reich hier einstweilen die Hegemonie sicherte.

Das Ende des Ersten Weltkriegs und der Monarchie

Die Oberste Heeresleitung sah nun ein strategisches Fenster für die Entscheidung des Krieges im Westen. Die freiwerdenden Truppen aus dem Osten sollten rasch an die Westfront geworfen werden, um eine Entscheidung herbeizuführen, bevor die im Überfluss vorhandenen Kräfte der USA sich bemerkbar machen würden. Die Offensive begann am 21. März 1918 und erzielte zunächst einige beachtliche Geländegewinne. Man hoffte, den auszehrenden Stellungskrieg nunmehr beenden und wieder zum Bewegungskrieg übergehen zu können. Doch die Offensive, die u. a. unter dem Mangel an geeigneten Transportkapazitäten litt, blieb schließlich im Feuer der Ententearmee liegen. Der Krieg war damit faktisch entschieden. Das Potenzial der USA kam nun allmählich zum Tragen. Am 8. August 1918, dem »Schwarzen Tag des Deutschen Heeres«, begannen die Westalliierten eine großangelegte Offensive, die zwar keinen großen strategischen Sieg erbrachte, aber der deutschen Seite deutlich machte, dass der Krieg für sie endgültig und unwiderruflich verloren war. Am 29. September fordert die Oberste Heeresleitung von sich aus den Waffenstillstand, am 26. Oktober wurde Ludendorff entlassen. Am 3. November kam es zu Matrosenaufständen in Kiel, die schließlich zum Ende der Monarchie, am 9. November zur Abdankung Wilhelms II. und zur Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann führte. Am 11. November wurde das Waffenstillstandsabkommen im Wald von Compiègne unterzeichnet. Der Erste Weltkrieg war damit nach vier Jahren beendet.

Truppenstärken im Ersten Weltkrieg in Millionen Soldaten - gesamte Truppenstärke

Mittelmächte

  • Deutschland: 11,0
  • Österreich-Ungarn: 7,8
  • Türkei: 2,8
  • Bulgarien: 1,2

gesamt: 22,8

Ententemächte

  • Frankreich: 8,5
  • Russland: 12,0
  • Großbritannien: 9,0
  • Italien: 5,5
  • USA: 4,8
  • Rumänien: 0,75
  • Serbien: 0,7

gesamt: 41,25

Feldheere bei Kriegsbeginn

Mittelmächte

  • Deutschland: 2,3
  • Österreich-Ungarn: 1,4

gesamt: 3,7

Ententemächte

  • Frankreich: 1,8
  • Russland: 3,4
  • Großbritannien: 0,4
  • Serbien: 0,2

gesamt: 5,8

Staatsverschuldung im Ersten Weltkrieg 1914 − 1918

Deutsches Reich in Milliarden Reichsmark

  • Ausgaben: 159,0
  • Einnahmen: 21,8
  • Defizit: 137,2

Frankreich in Milliarden Francs

  • Ausgaben: 170,6
  • Einnahmen: 26,2
  • Defizit: 144,4

Großbritannien in Millionen Pfund Sterling

  • Ausgaben: 9.500
  • Einnahmen: 2.730
  • Defizit: 6.860

Gesamtverluste im Ersten Weltkrieg

Gefallene

  • Deutschland: 1.808.000
  • Frankreich: 1.385.000
  • Großbritannien: 947.000
  • Italien: 460.000
  • Österreich-Ungarn: 1.2000.000
  • Russland: 1.700.000
  • Türkei: 325.000
  • USA: 115.000

Verwundete

  • Deutschland: 4.247.000
  • Frankreich: 3.044.000
  • Großbritannien: 2.122.000
  • Italien: 947.000
  • Österreich-Ungarn: 3.620.000
  • Russland: 4.950.000
  • Türkei: 400.000
  • USA: 206.000

Gefangene

  • Deutschland: 618.000
  • Frankreich: 446.000
  • Großbritannien: 192.000
  • Italien: 530.000
  • Österreich-Ungarn: 2.200.000
  • Russland: 2.500.000
  • USA: 4500

Bücher zum Thema

Der Weg in den Krieg. Das Scheitern der Diplomatie und der Aufstieg der Diktaturen in der Zwischenkriegszeit Schlie, Ulrich

Der Weg in den Krieg

Ulrich Schlie, Thomas Weber, Miklós Lojkó

Gebundene Ausgabe

30,00 €

Erscheint am 18.02.2019, jetzt vorbestellen

Dresden 1919. Die Geburt einer neuen Epoche Klier, Freya

Dresden 1919

Freya Klier

Gebundene Ausgabe

26,00 €

Lieferbar in 1-3 Werktage

auch erhältich als eBook (EPUB), eBook (PDF)

Die unbewältigte Niederlage. Das Trauma des Ersten Weltkriegs und die Weimarer Republik Krumeich, Gerd

Die unbewältigte Niederlage

Gerd Krumeich

Gebundene Ausgabe

25,00 €

Lieferbar in 1-3 Werktage

auch erhältich als eBook (EPUB), eBook (PDF)

Urkatastrophe. Die Erfahrung des Krieges 1914-1918 im Spiegel zeitgenössischer Theologie Negel, Joachim

Urkatastrophe

Joachim Negel, Karl Pinggéra

Gebundene Ausgabe

34,99 €

Lieferbar in 1-3 Werktage

auch erhältich als eBook (PDF)

Artikel zum Thema

Produkt wird in den Warenkorb gelegt.
 
Weiter shoppen Zum Warenkorb Sie haben einen Artikel in den Warenkorb gelegt.

Artikel

Ausgabe

Einzelpreis

Menge

Gesamtpreis